Carlotta Koroll

Wie fühlt sich Erfolg an?

Erfolg ist ein abgenutzter Begriff. Und oft negativ behaftet. Was kommt dir als erstes in den Kopf, wenn du an Erfolg denkst? Schmierige Männer auf Yachten? Spießige Vorort-Familien mit zwei Autos in der Garage? Aber keine Sorge, darum geht es hier nicht.

Denn auch wir haben es satt, mit Instagram-Posts und Trainings bombardiert zu werden, die uns ein erfolgreiches Leben versprechen und die beste Version von uns selbst aus uns heraus kitzeln wollen.

Wir fragen uns in diesem Artikel: Seit wann wollen eigentlich alle Menschen erfolgreich sein? Was bedeutet Erfolg im Leben? Und wie hilft uns Achtsamkeit dabei, uns erfolgreicher zu fühlen?

Psychologisch bedeutet Erfolg…

Das Wort Erfolg“ stammt nach Johann Christoph Adelung vom Verb erfolgen“ ab. Also ist Erfolg eigentlich nichts weiter als die Konsequenz unseres Handelns. Empfinden wir das Ergebnis als positiv, fühlen wir uns erfolgreich, andersherum reden wir von Misserfolg.

So kann es sein, dass wir auch etwas als Erfolg bezeichnen, das wir uns nie vorgenommen haben. Ein Beispiel vom Physiker Werner Kirsch: Einen Nobelpreis würde ich als Erfolg ansehen, doch aus realistischen Gründen niemals in mein Zielsystem aufnehmen.“

Daraus folgt, dass Erfolg nicht (nur) durch vorgenommene Ziele, sondern vielmehr von unserem Wertesystem bestimmt wird. Beurteilen wir ein Resultat als positiv, nennen wir es Erfolg, auch wenn wir es uns nicht als Ziel gesetzt haben.

Es gibt ein paar übergeordnete Werte in unserer Gesellschaft, darunter der Instinkt zu Überleben. Das erklärt, warum jeder Mensch einige Vorstellungen — genug Geld zum Leben, ein sicheres Zuhause, einen gesunden Körper — zumindest auf den ersten Blick als positiv und somit als Erfolg verbuchen würden.

Erfolg ist also im Ursprung ein ziemlich einfaches Konstrukt. Je nach unserer eigenen Interpretation bauen wir uns daraus ein individuelleres Konzept, durch unsere persönlichen Werte geformt.

Wie der Hype zum Erfolg begann

So richtig zum Trendthema wurde Erfolg mit der Industrialisierung. Denn zu dieser Zeit verlagerte sich die gesellschaftlich Elite weg vom Adel und Militär, hin zur Wirtschaft. Floskeln wie Vom Tellerwäscher zum Millionär“ verbreiteten sich bei den Menschen als Gedankengut. Man unterschied sich mehr voneinander und das brachte neue Möglichkeiten zum gegenseitigen Bewerten mit sich. 1927 erschien das berühmte Buch Think and Grow Rich“ (auf deutsch: Denke nach und werde reich“) von Napoleon Hill — noch heute ein sehr beliebtes Buch in der Coachingszene. Von da an haben wir also unser Leben und unseren Erfolg selbst in der Hand. Das bringt nicht nur Freiheit, sondern auch Verantwortung mit sich.

Aber…

Wollen wir überhaupt alle erfolgreich sein?

Mit der Erfolgsdefinition von oben, also dass unser Handeln eine positive Wirkung hat, können wir allgemein sagen: Jeder Mensch möchte Erfolg. Denn positive Wirkung kann ja auch schlichtweg das erwartete Ergebnis unserer alltäglichen Handlungen sein. Und wer will schon negative Überraschungen?

Doch es gibt einen Unterschied zwischen Ich freue mich, wenn ich erfolgreich bin“ und Ich nehme mir vor, erfolgreich zu sein“. Womöglich unterscheiden sich genau hier Menschen darin, ob sie sich jeden Monat Ziele setzen oder lieber im Fluss der Geschehnisse leben.

Dieser Charakterunterschied trennt nicht die Spreu vom Weizen — erfolgreiche von normalen“ Menschen — wie es uns Teile der Coachingsindustrie verkaufen wollen! Es sind schlicht und einfach zwei verschiedene Handlungsansätze. Doch beide können zu Erfolg führen.

Doch wie sieht Erfolg nun aus?

Genau hier liegt der Knackpunkt, bei dem wir uns alle ein wenig unterscheiden. Jeder Mensch hat seine eigenen Werte: Durch Erziehung, Erfahrungen und unseren Charakter geprägt. Und damit auch eine individuelle Vorstellung von Erfolg. Wollen wir uns also erfolgreich fühlen, ist es unerlässlich, unsere Werte gut zu kennen.

Werte sind bildlich gesprochen die Grundpfeiler deines Charakter-Hauses. Nach dem erwachsen werden“ bleiben sie größtenteils unverändert und stabil. Dementsprechend können und sollten sie allgemein klingen. Also nicht finanzielle Unabhängigkeit, sondern Sicherheit. Freiheit statt einem flexiblen Wohnort. Und hinter einer großen Familie kann das Bedürfnis nach Gemeinschaft stecken. Dabei können hinter einem Ziel verschiedene Werte stehen. Menschen mit gleichen Zielen können also trotzdem nach anderen Werten leben.

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Wer sich erfolgreich fühlen will, braucht Reflexion

Wer liebt nicht das Gefühl, einen Haken hinter eine Aufgabe von der To-Do-Liste zu setzen? Wir fühlen uns produktiv, zufrieden und genau — erfolgreich. Und dann gibt es da noch Situationen, in denen uns gar nicht auffällt, dass wir etwas gut gemacht haben. Erst wenn wir gelobt werden, merken wir, dass wir sehr gute Arbeit leisten. Das zeigt noch mal, wie subjektiv Erfolg ist. Wir haben zu einem gewissen Grad in der Hand, wie erfolgreich wir uns fühlen — je nach dem wie bewusst wir kleine Erfolge wahrnehmen.

Um das zu verstärken helfen Ziele. Der wichtigste Schritt hierbei ist, sie in machbare Schritte aufzuteilen. Das kann ein sowohl ein einmaliger Schritt oder eine Gewohnheit sein. In jedem Fall: Formuliere es konkret!

Doch du brauchst keinen 5-Jahresplan, um dich erfolgreich zu fühlen. Fast wichtiger fürs Ernten der Lorbeeren ist die Selbstreflexion. So merkst du, wann du stolz sein kannst oder wann es etwas zu verändern gilt. Beides führt langfristig zu einem gesteigerten Erfolgsgefühl.

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4 Dinge, die du nun zum Thema Erfolg tun kannst:

Zusammengefasst wollen wir dir mit diesem Artikel also mitgeben…

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