von Valé­rie Hasen­mayer

Acht­sam kon­su­mie­ren in der Krise

Wir werden alle leiden in den nächs­ten Tagen. Und uns viel­leicht auch ein wenig in Demut
üben. Denn was diese selt­same Zeit auch zeigt, ist wie frei und unbe­darft wir oft durchs
Leben gehen. Mit unbe­grenz­tem Zugang zu Enter­tain­ment, Shop­ping­mög­lich­kei­ten und
Ablen­kung und vor allem zu sozia­len Kon­tak­ten, meist nicht oder wenig belas­tet von
Sorgen um Gesund­heit und Finan­zen oder gar die wirt­schaft­li­che Gesamt­si­tua­tion im
Land. Gewohnt, jeder­zeit und gren­zen­los kon­su­mie­ren können, wonach uns gerade ist,
fällt es schwer, in der ganz all­täg­li­chen Frei­heit ein­ge­schränkt zu sein.

Den­noch ein ver­gleichs­weise klei­nes Opfer, wenn man an die­je­nige denkt, die es zu
schüt­zen gilt – Ältere, Vor­er­krankte, Men­schen mit schlech­tem Immun­sys­tem. Und die, die
nicht zuhaue blei­ben dürfen“ und momen­tan die här­tes­ten Jobs für uns alle machen: vor
allem Ärzte und Pfle­ge­per­so­nal, aber auch Super­markt­an­ge­stellte, Apo­the­ke­rIn­nen,
Poli­zis­ten. Es gibt aber auch sehr viele Men­schen, die jene schöne heile Kon­sum­welt
bis­lang für uns bereit­ge­stellt haben und jetzt ganz plötz­lich – oder in dieser Situa­tion umso
mehr – um ihre Exis­tenz bangen müssen. Gas­tro­no­men, Künst­ler, Kul­tur­schaf­fende,
Frei­be­ruf­ler… Die Liste ist unend­lich lang. Für viele kann man spen­den oder Vou­cher und
Gut­scheine für einen Besuch nach dem Corona-Wahn­sinn kaufen (in Berlin zum Bei­spiel
über helfen​-shop​.berlin).

Man kann aber auch das Nütz­li­che mit dem Hilf­rei­chen ver­bin­den und durch sinn­vol­len
Konsum zu einer bes­se­ren Situa­tion vieler bei­tra­gen. Kor­rekt, fair und nach­hal­tig shop­pen
und genie­ßen geht näm­lich auch vom Sofa aus. Mit kurzen Lie­fer­we­gen und ohne
Viren­ge­fahr.

Wich­tige Info vorab: die meis­ten Spon­tan-Initia­ti­ven sind nicht sofort auf den Web­sei­ten zu
finden, son­dern werden in den sozia­len Medien gepos­tet.

Das Nötigste und Leckerste per Lie­fer­dienst

Die gute alte Bio­kiste könnte jetzt ein Revi­val erle­ben und ist eine super Idee, um
Erzeu­ger zu unter­stüt­zen, die sonst unter ande­rem Restau­rants belie­fern und auf Märk­ten
stehen. Und kon­takt- und viren­frei ein­zu­kau­fen! Einige Anbie­ter bieten ein Sor­ti­ment an,
das dem eines Bio­super­markts durch­aus gleich­kommt (inklu­sive Toi­let­ten­pa­pier!). Und bei
klei­nen unab­hän­gi­gen Shops, Fein­kost­lä­den und Co. mit Online-Bestell­mög­lich­keit
bekommt man die zusätz­li­chen, beson­de­ren Goo­dies.

Fine Dining in der Krise

Restau­rants und Ein­zel­händ­ler schlie­ßen ihre Türen – und bangen um ihre Exis­tenz.
Einige haben sich bereits Alter­na­ti­ven aus­ge­dacht. Bei eini­gen kann man sich Zuta­ten plus
guten Wein für ein ganzes Fest­mahl nach Hause bestel­len, bei ande­ren bleibt die Küche
nicht kalt, son­dern wird zum Brot­ba­cken oder Ein­ma­chen genutzt, die fer­tige Ware kann
man zu bestehen durch die Fens­ter­aus­gabe erste­hen. Und viele wei­tere bieten jetzt einen
tem­po­rä­ren Online-Bestell­ser­vice an. Wich­tigste Infor­ma­ti­ons­quelle dafür: die Social
Media-Kanäle der Loka­li­tä­ten.
Beson­ders toll: einige Restau­rants und Bäcke­reien bieten Gra­tis­wa­ren für die großen
Helden des momen­ta­nen All­tags an – Gesund­heits­per­so­nal, Poli­zis­ten, Feu­er­wehr­män­ner
etc. Groß­ar­tig!


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Enter­tain­ment vom Sofa aus

Geschlos­sene Clubs, Kon­zert­säle und Thea­ter, abge­sagte Touren und Pre­mie­ren: Musi­ker
und Kul­tur­schaf­fende sind jetzt beson­ders darauf ange­wie­sen, dass man wieder Ton­trä­ger
und Fan­ar­ti­kel kauft, ihre Songs in Dau­er­schleife streamt oder ihre Fund­rai­sing- und
Crowd­fun­ding-Aktio­nen unter­stützt. Einige spie­len aber auch zuhause oder im leeren Club
und über­tra­gen Euch die Show ins Wohn­zim­mer.
Ähn­li­ches gilt für Sport, Tanz, Medi­ta­tion… Viele Online- und Yoga­stu­dios bieten Online–
Kurse und 21-Tage-Pro­gramme an, oft mit Corona-Rabat­ten. Ein­fach mal in den Sozia­len
Medien und auf den Crowd­fun­ding-Platt­for­men die Augen offen halten.

Sup­port your local Dealer — online

Auch nach­hal­tig Shop­pen bei klei­nen Anbie­tern ist von zuhause aus mög­lich. Es gibt
zahl­rei­che lokale Unter­neh­men, bei denen man auch online bestel­len kann. Einige fin­dige
werden in den nächs­ten Tagen dazu­kom­men und tem­po­räre Bestell­mög­lich­kei­ten
bereit­stel­len. So wie einige Buch­lä­den, die schon jetzt guten Lese­stoff per Fahr­rad
aus­lie­fern.
Ein­fach die unab­hän­gi­gen Lieb­lings­lä­den durch­ge­hen und deren Social Media-Kanäle
che­cken. Oder auch selbst die Initia­tive über­neh­men: Gibt es keinen Shop, ein­fach mal
nach­fra­gen, ob man unbü­ro­kra­tisch per Mail bestel­len kann. Eine kleine, feine Aus­wahl
haben wir zusam­men­ge­stellt. Extra-Tipp für Toi­let­ten­pa­pier-Hams­te­rer: Das Ber­li­ner Start
Up Happy Po“ hat ein nach­hal­ti­ges Pro­dukt für eben diesen erfun­den – eine hand­li­che Popo­du­sche!

Soli­da­ri­tät zeigen

Jeden Tag sprie­ßen neue soziale Aktio­nen aus dem Boden, die du unter­stüt­zen kannst. Wie das #kei­n­er­kommt-Fes­ti­val, zu dem nie­mand kommt und statt­des­sen Spen­den für die Ham­bur­ger Kul­tur­szene gesam­melt werden. Oder Restau­rants, die für Ver­käu­fe­rIn­nen, Ärz­tIn­nen, Pfle­ge­rIn­nen und Co. kochen.
Du möch­test auch aktiv werden, hast aber gerade keine Kapa­zi­tä­ten für finan­zi­elle Spen­den? Über Aktio­nen wie Qua­ran­tä­ne­hel­den kannst du deine Nach­barn unter­stüt­zen – oder dir selbst Hilfe holen. Aktio­nen wie diese zeigen die posi­ti­ven Dinge, die so eine Krise in uns als Gesell­schaft her­vor­ru­fen kann.

Valé­rie Hasen­mayer ist frei­be­ruf­li­che Auto­rin und Tex­te­rin und beschäf­tigt sich viel mit Themen, die Nach­hal­tig­keit und fairen Handel betref­fen. Auf dem Ins­ta­gram-Account @the_good_guide_berlin sam­melt sie momen­tan gut-kon­su­mie­ren-Tipps –haupt­säch­lich für Berlin, aber auch dar­über hinaus.


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Bild: Polina Tan­ki­le­vitch auf Pexels