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People Pleasing: Was dahintersteckt und was dir helfen kann
Eine Freundin fragt, ob du ihr am Wochenende beim Umzug helfen kannst. Du bist erschöpft und hattest dich auf einen freien Tag gefreut. Trotzdem antwortest du: „Klar, kein Problem.“ Erst später merkst du, dass es für dich doch eines ist.
Anderen zu helfen kann schön sein. Auch Kompromisse gehören zu Beziehungen. Schwierig wird es, wenn du regelmäßig zustimmst, obwohl du eigentlich ablehnen möchtest oder Angst davor hast, wie dein Gegenüber auf ein Nein reagieren könnte. Dabei können deine eigenen Bedürfnisse immer wieder in den Hintergrund geraten. Dieses Muster wird häufig als People Pleasing bezeichnet.
Wie kannst du erkennen, wann dein Ja wirklich zu dir passt? Und was kannst du tun, wenn es dir schwerfällt, eigene Wünsche auszusprechen oder eine Bitte abzulehnen? Dafür lohnt sich zunächst ein genauerer Blick darauf, was mit People Pleasing eigentlich gemeint ist.
Was ist People Pleasing?
Mit People Pleasing wird meist die Tendenz beschrieben, sich stark an den Bedürfnissen oder Erwartungen anderer zu orientieren und die eigenen Anliegen dabei zurückzustellen. Der Begriff stammt ursprünglich eher aus Alltagspsychologie und Selbsthilfe als aus einer etablierten psychologischen Theorie. Inzwischen gibt es erste wissenschaftliche Ansätze, People Pleasing als eigenständiges Konstrukt zu erfassen. Eine psychische Diagnose ist es nicht. (1)
Ein einzelner Kompromiss macht dich deshalb nicht zum „People Pleaser“. Du kannst freiwillig auf etwas verzichten oder jemandem helfen, weil dir die Person wichtig ist. Interessanter wird die Frage, wie frei sich deine Entscheidung dabei anfühlt: Möchtest du gerade Ja sagen? Oder hast du das Gefühl, eigentlich kaum anders antworten zu können?
Diese Unterscheidung findet sich auch in der Forschung zur Motivation beim Helfen. Studien von Weinstein und Ryan deuten darauf hin, dass es einen Unterschied machen kann, ob Menschen aus eigener Motivation helfen oder sich dazu unter Druck fühlen. Untersucht wurde dabei allerdings nicht People Pleasing als eigenständiges Verhaltensmuster. (2)
Für deinen Alltag kann deshalb eine einfache Frage hilfreich sein: Sage ich gerade Ja, weil ich helfen möchte, oder vor allem, weil es mir schwerfällt, Nein zu sagen?
Beides kann übrigens gleichzeitig stimmen. Du kannst für jemanden da sein wollen und trotzdem merken, dass es dir schwerfällt, deine eigene Grenze mit in die Entscheidung einzubeziehen.
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Woran du People Pleasing erkennen kannst
Das Muster kann in ganz unterschiedlichen Situationen sichtbar werden. Zum Beispiel:
Du übernimmst eine zusätzliche Aufgabe, obwohl deine Woche bereits voll ist.
Du sagst „Mir ist alles recht“, obwohl du einen eigenen Wunsch hast.
Du verschweigst, dass dich etwas stört, um eine Auseinandersetzung zu vermeiden.
Du suchst lange nach einer Erklärung, die eine Absage für die andere Person möglichst unangreifbar macht.
Du stimmst zu und bist später unzufrieden damit, wofür du deine Zeit oder Kraft eingesetzt hast.
Einzelne Situationen wie diese sagen noch wenig darüber aus, ob du grundsätzlich dazu neigst, es anderen recht zu machen. Interessanter ist, wann und wie häufig dir das passiert und welche Folgen es für dich hat.
Vielleicht fällt dir ein Nein bei der Arbeit besonders schwer, während du in Freundschaften problemlos sagen kannst, was du möchtest. Vielleicht betrifft es vor allem eine bestimmte Beziehung oder deine Familie. Statt dich vorschnell als „People Pleaser“ zu beschreiben, kannst du deshalb zunächst beobachten: Bei wem halte ich mich zurück? In welchen Situationen? Und was befürchte ich, wenn ich es nicht tue?
Warum wir es anderen recht machen wollen
Warum es schwerfällt, Nein zu sagen oder eigene Wünsche auszusprechen, kann von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein. Aus People Pleasing lässt sich deshalb keine bestimmte Ursache ableiten.
Hilfreicher ist es, auf die Situationen zu schauen, in denen das Muster auftaucht: Was erwartest du, würde passieren, wenn du diesmal nicht zustimmst?
Wenn du mit Ablehnung rechnest
„Wenn ich absage, ist sie enttäuscht.“
„Wenn ich widerspreche, hält er mich für schwierig.“
Solche Erwartungen können es schwer machen, einen eigenen Standpunkt auszusprechen. Besonders dann, wenn du mögliche Ablehnung schnell erwartest oder stark auf entsprechende Signale achtest.
In der Psychologie wird in diesem Zusammenhang unter anderem Zurückweisungssensibilität untersucht. Damit ist die Tendenz gemeint, Ablehnung ängstlich zu erwarten, sie schnell wahrzunehmen und stark darauf zu reagieren. Forschung dazu zeigt auch, dass mehrdeutige Situationen eher als Zurückweisung interpretiert werden können, wenn Menschen ohnehin stärker damit rechnen. (3)
Das ist nicht dasselbe wie People Pleasing und auch keine Erklärung für jedes Ja, das du später bereust. Der Gedanke dahinter kann trotzdem hilfreich sein: Was hat die andere Person tatsächlich gesagt oder getan und was befürchte ich gerade, ohne es schon zu wissen?
Welche Erfahrungen und Erwartungen eine Rolle spielen können
Auch Erfahrungen können beeinflussen, wie leicht es dir heute fällt, eigene Wünsche auszusprechen. Vielleicht wurde von dir häufig erwartet, unkompliziert zu sein. Vielleicht hast du erlebt, dass Widerspruch schnell zu Streit führte. Oder du bewegst dich heute in einem Umfeld, in dem ständige Verfügbarkeit selbstverständlich erscheint.
Auch soziale und kulturelle Erwartungen können dabei eine Rolle spielen. Was als höflich, hilfsbereit oder egoistisch gilt und von wem besonders viel Rücksicht erwartet wird, entsteht schließlich nicht unabhängig von unserem Umfeld.
Solche Erfahrungen können für dein Verhalten heute relevant sein. Sie müssen es aber nicht. Aus der Tatsache, dass dir Neinsagen schwerfällt, lässt sich weder eine bestimmte Kindheit noch eine Bindungsgeschichte oder Traumatisierung ableiten.
Warum Nachgeben im Moment leichter erscheinen kann
Stell dir vor, eine Bitte löst bei dir den Gedanken aus: „Wenn ich absage, wird das unsere Freundschaft belasten.“
Sagst du Ja, ist die unangenehme Situation zunächst vorbei. Du musst keine mögliche Enttäuschung aushalten und nicht herausfinden, wie dein Gegenüber tatsächlich reagiert. Später ärgerst du dich vielleicht über deine Zusage. Bei der nächsten Bitte taucht dieselbe Befürchtung wieder auf und ein schnelles Ja erscheint erneut als einfachste Lösung.
So kann sich ein Muster aufrechterhalten: Das Nachgeben erleichtert den Moment, während die Befürchtung dahinter ungeprüft bleibt.
Genau dort können spätere Veränderungen ansetzen. Nicht indem du dir vornimmst, ab jetzt immer Nein zu sagen, sondern indem du dir nach und nach die Möglichkeit gibst, anders zu antworten und zu beobachten, was tatsächlich passiert.
⚡ Ist People Pleasing immer eine Traumareaktion?
Nein. Aus People Pleasing allein lässt sich nicht ableiten, warum jemand eigene Bedürfnisse zurückstellt. Belastende Erfahrungen können für die persönliche Geschichte eine Rolle spielen. Genauso können aktuelle Beziehungen, soziale Erwartungen oder Schwierigkeiten dabei, eigene Anliegen auszusprechen, relevant sein.
People Pleasing pauschal mit einer Traumareaktion oder der sogenannten ‚Fawn Response‘ gleichzusetzen, greift deshalb zu kurz. Für eine solche Einordnung braucht es mehr als das beobachtete Verhalten. (7)
Wann das eigene Ja zur Belastung wird
Du musst nicht jede Bitte ablehnen, die gerade unbequem ist. Hilfsbereitschaft, Rücksicht und gegenseitige Unterstützung können dir wichtig sein. Ein Anlass zum Hinschauen entsteht eher dann, wenn deine Zusagen regelmäßig mit dem kollidieren, was du leisten kannst oder möchtest.
Vielleicht bleibt kaum Zeit für Erholung. Vielleicht sagst du ein Treffen zu und hoffst anschließend, dass es ausfällt. Oder du merkst, dass du in einer Beziehung wenig von dem aussprichst, was dir eigentlich wichtig ist.
Auch in der Forschung wird untersucht, was es bedeuten kann, wenn Menschen eigene Gefühle und Ansichten in Beziehungen häufig zurückhalten. Dieses sogenannte Self-Silencing wurde unter anderem im Zusammenhang mit depressiven Symptomen untersucht. In einer frühen Studie zeigte sich dieser Zusammenhang in drei unterschiedlichen Stichproben von Frauen. Daraus lässt sich jedoch weder ableiten, dass Self-Silencing depressive Symptome verursacht, noch dass die Ergebnisse ohne Weiteres auf alle Menschen übertragbar sind. (4)
Die Forschung macht aber deutlich, warum es sich lohnen kann, genauer hinzuschauen, wenn deine eigenen Anliegen dauerhaft wenig Raum bekommen.
Zwischen all den Dingen, die du für andere tust, darf auch Zeit für dich Platz haben. In der 7Mind App findest du geführte Meditationen und Entspannungsübungen für bewusste Pausen im Alltag.
Eine Pause für michWie du People Pleasing schrittweise verändern kannst
Wenn du merkst, dass du häufig automatisch zustimmst oder eigene Anliegen zurückhältst, musst du nicht von heute auf morgen bei jeder Bitte ein klares Nein aussprechen. Du kannst zunächst üben, deine eigenen Wünsche überhaupt wahrzunehmen und sie Schritt für Schritt deutlicher in deine Entscheidungen einzubeziehen.
Ein Ansatz dafür ist selbstsicheres Verhalten: eigene Gedanken, Gefühle und Anliegen klar auszudrücken und dabei auch die andere Person zu respektieren. Solche Fähigkeiten lassen sich üben. Eine randomisierte Studie zu einem achtwöchigen Onlineprogramm liefert Hinweise darauf, dass sich selbstsicheres Verhalten durch ein strukturiertes Training verbessern lässt. (5)
Die folgenden sechs Schritte greifen Elemente solcher Ansätze auf. Sie sind jedoch kein wissenschaftlich geprüftes Trainingsprogramm. Beginne am besten mit einer Situation, die für dich überschaubar ist. (6)
1. Beobachte, wann du automatisch zustimmst
Nimm eine konkrete Situation, in der du zugesagt hast und später gemerkt hast, dass die Entscheidung für dich nicht richtig gepasst hat. Frag dich:
Worum wurde ich gebeten?
Was hätte ich selbst gern getan?
Was habe ich bei einer anderen Antwort befürchtet?
Wie habe ich schließlich geantwortet?
Zum Beispiel: „Ich sollte eine zusätzliche Aufgabe übernehmen. Eigentlich wollte ich meine Arbeit für heute beenden. Ich dachte, meine Kollegin könnte mich sonst unhilfsbereit finden. Also habe ich zugesagt.“
Es geht zunächst nur darum, das Muster besser zu verstehen. Du musst deine Entscheidung im Nachhinein weder rechtfertigen noch verurteilen. Interessanter ist, was zwischen der Bitte und deinem Ja passiert ist.
2. Gewinne vor deiner Antwort etwas Zeit
Wenn du häufig sofort zustimmst, musst du nicht direkt mit einem Nein beginnen. Du kannst zunächst eine Antwort üben, die dir etwas Bedenkzeit gibt:
„Ich schaue kurz nach und melde mich heute Nachmittag.“
Damit hast du noch keine Entscheidung getroffen. Du gibst dir lediglich die Möglichkeit, deinen Kalender anzusehen oder kurz zu überlegen, was du tatsächlich übernehmen möchtest.
Wähle für deine Rückmeldung einen Zeitpunkt, den du auch einhalten kannst. Wenn eine schnelle Entscheidung nötig ist, reichen vielleicht schon ein paar Sekunden:
„Lass mich kurz überlegen.“
So entsteht zwischen der Bitte und deiner Antwort ein kleiner Moment, in dem auch deine eigene Situation Platz bekommt.
3. Finde heraus, was für dich gerade passt
Nutze die gewonnene Zeit für eine konkrete Entscheidung. Drei Fragen können dir dabei helfen:
Was möchte ich?
Vielleicht würdest du gern helfen. Vielleicht möchtest du den freien Abend behalten. Vielleicht weißt du es noch nicht.
Was kann ich gerade übernehmen?
Schau auf deine Zeit, deine Kraft und andere Verpflichtungen. Eine Aufgabe kann dir wichtig sein und trotzdem gerade zu viel sein.
Welche Zusage kann ich tatsächlich einhalten?
Vielleicht passt die ganze Bitte. Vielleicht ein Teil davon. Vielleicht kommt diesmal eine Absage infrage.
Das ist keine Checkliste mit einer richtigen Antwort. Dein Ergebnis darf ausdrücklich auch ein bewusstes Ja sein: „Es ist gerade anstrengend, aber ich möchte für diese Person da sein.“ Entscheidend ist, dass deine eigene Situation Teil der Entscheidung wird.
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4. Sprich Wünsche und Grenzen möglichst klar aus
Wenn du weißt, was für dich passt, kannst du versuchen, es möglichst konkret auszusprechen:
Eine Absage:
„Danke fürs Fragen. Dieses Wochenende kann ich nicht helfen.“
Eine begrenzte Zusage:
„Ich kann die Einleitung prüfen. Für den ganzen Text habe ich heute keine Zeit.“
Ein eigener Wunsch:
„Ich würde heute lieber zu Hause bleiben.“
Eine Alternative:
„Heute passt es nicht. Am Donnerstag hätte ich Zeit.“
Eine Alternative musst du nur anbieten, wenn du sie auch wirklich anbieten möchtest. Und auch eine Erklärung darf kurz bleiben. Du musst nicht schon im Voraus jeden möglichen Einwand beantworten oder deine Absage unangreifbar machen.
5. Gib dem Unbehagen danach etwas Raum
Angenommen, du hast abgesagt und kurz darauf denkst du: „Das war egoistisch.“
Bevor du deine Antwort zurücknimmst, kannst du noch einmal auf die konkrete Situation schauen:
War meine Formulierung respektvoll?
Habe ich eine wichtige Vereinbarung übergangen?
Gibt es etwas, das ich tatsächlich klären oder korrigieren möchte?
Ein Schuldgefühl allein beantwortet diese Fragen nicht. Dass sich eine Absage unangenehm anfühlt, bedeutet nicht automatisch, dass sie falsch war.
Wenn deine Entscheidung für dich weiterhin passt, könntest du dir sagen:
„Ich merke, dass mir diese Absage schwerfällt. Ich habe meine Entscheidung noch einmal geprüft und bleibe dabei.“
Wenn du dagegen merkst, dass du tatsächlich etwas korrigieren möchtest, kannst du das tun. Eine Grenze zu setzen bedeutet schließlich nicht, dass du eine Entscheidung niemals überdenken darfst.
Nach einem schwierigen Gespräch kann eine bewusste Pause guttun. In der 7Mind App findest du geführte Meditationen und Übungen für einen Moment zum Innehalten.
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6. Sammle neue Erfahrungen in kleinen Situationen
Wähle zunächst eine überschaubare Situation, in der du dich sicher genug fühlst, etwas anders zu machen. Vielleicht schlägst du beim Planen eines Treffens selbst einen Ort vor oder sagst bei einer kleinen Bitte nicht sofort zu.
Überlege vorher kurz, was du erwartest:
„Wenn ich einen anderen Ort vorschlage, wird meine Freundin genervt sein.“
Schau anschließend darauf, was tatsächlich passiert ist. Hat sie zugestimmt? Einen Gegenvorschlag gemacht? War sie tatsächlich enttäuscht? Versuch möglichst konkret bei dem zu bleiben, was gesagt oder getan wurde.
Dieses Vorgehen ist an sogenannte Verhaltensexperimente aus der kognitiven Verhaltenstherapie angelehnt. Dabei geht es nicht darum, dir zu beweisen, dass andere immer positiv reagieren werden. Du sammelst vielmehr neue Informationen: Was passiert tatsächlich, wenn ich meine eigenen Anliegen deutlicher einbringe?
⚡ Sätze, wenn du sonst schnell Ja sagst
Wenn du Zeit brauchst:
„Ich möchte kurz darüber nachdenken und melde mich.“
Wenn nur ein Teil möglich ist:
„Diesen Teil kann ich übernehmen. Für den Rest fehlt mir gerade die Zeit.“
Wenn du absagen möchtest:
„Danke, dass du an mich gedacht hast. Diesmal bin ich nicht dabei.“
Wenn noch einmal nachgefragt wird:
„Ich verstehe, dass du Unterstützung suchst. Für mich bleibt es diesmal trotzdem bei einem Nein.“
Die Sätze sind Beispiele, keine Vorlagen, die du genau so verwenden musst. Passe sie an die Situation und an deine Art zu sprechen an.
Wenn ein Nein schwerwiegende Folgen haben kann
Die bisherigen Vorschläge setzen voraus, dass du eine gewisse Entscheidungsfreiheit hast. Ein höfliches oder klares Nein garantiert jedoch nicht, dass dein Gegenüber respektvoll darauf reagiert.
Wenn du bei einer Absage mit Einschüchterung, Drohungen oder Gewalt rechnen musst, steht deine Sicherheit an erster Stelle. Dann geht es nicht darum, dich zu einem deutlicheren Nein zu überwinden. Unterstützung durch eine vertraute Person oder eine passende Beratungsstelle kann in einer solchen Situation wichtiger sein.
Auch im Beruf sind Handlungsmöglichkeiten unterschiedlich verteilt. Wenn dir beispielsweise eine weitere Aufgabe übertragen wird, kannst du, sofern die Situation es zulässt, nach den Prioritäten fragen:
„Wenn ich das heute übernehme, welche andere Aufgabe soll ich dafür verschieben?“
Damit machst du sichtbar, dass deine zeitlichen Möglichkeiten begrenzt sind, ohne so zu tun, als ließe sich in jeder beruflichen Situation einfach Nein sagen.
Ein Ja, hinter dem du stehen kannst
Vielleicht kennst du die Situation vom Anfang: Du hast schon zugesagt und merkst erst später, dass du eigentlich etwas anderes gebraucht hättest. Ein erster Schritt kann sein, genau diesen Moment überhaupt wahrzunehmen.
Beim nächsten Mal nimmst du dir vielleicht etwas Bedenkzeit. Vielleicht sprichst du einen eigenen Wunsch aus oder sagst genauer, welchen Teil einer Bitte du übernehmen kannst. Es geht nicht darum, aus jedem automatischen Ja ein Nein zu machen.
Auch beim Umzug deiner Freundin kann deine Antwort weiterhin lauten: „Ja, ich helfe dir.“ Vielleicht wird daraus aber auch: „Ich kann am Vormittag helfen, danach brauche ich Zeit für mich.“
Der Unterschied liegt nicht unbedingt im Ja oder Nein, sondern darin, ob deine eigene Situation in der Entscheidung überhaupt einen Platz bekommt.
People Pleasing zu verändern muss deshalb nicht bedeuten, weniger für andere da zu sein. Es kann vielmehr bedeuten, auch dich selbst in Entscheidungen einzubeziehen, die deine Zeit, Kraft und Bedürfnisse betreffen.
Fragen und Antworten
Ist People Pleasing eine psychische Krankheit?
Nein. People Pleasing ist keine eigenständige psychische Diagnose. Der Begriff beschreibt ein Verhaltensmuster, bei dem die eigenen Anliegen häufig hinter denen anderer zurückstehen. Daraus allein lässt sich nicht ableiten, ob eine psychische Erkrankung vorliegt.
Schwierigkeiten, eigene Wünsche auszusprechen oder Nein zu sagen, können allerdings auch im Zusammenhang mit psychischen Beschwerden auftreten, beispielsweise bei sozialer Angst. Entscheidend ist deshalb nicht das Label „People Pleaser“, sondern wie stark dich das Muster belastet und einschränkt.
Kann People Pleasing nur in bestimmten Beziehungen auftreten?
Ja. Vielleicht kannst du bei Freund:innen problemlos sagen, was du möchtest, während dir das bei der Arbeit oder gegenüber einem bestimmten Familienmitglied sehr schwerfällt.
Deshalb lohnt es sich, nicht nur zu fragen „Bin ich ein People Pleaser?“, sondern konkreter: Bei wem fällt es mir schwer, meine eigenen Anliegen auszusprechen und in welchen Situationen?
Warum fühle ich mich nach einem Nein schuldig?
Ein Nein kann sich unangenehm anfühlen, wenn du eine Absage beispielsweise mit Gedanken verbindest wie „Das ist unfreundlich“ oder „Ich lasse die andere Person im Stich“.
Das Schuldgefühl allein sagt allerdings noch nicht, ob deine Entscheidung richtig oder falsch war. Schau deshalb auch auf die konkrete Situation: Hattest du tatsächlich eine Verpflichtung? War deine Antwort respektvoll? Gibt es etwas, das du klären möchtest? Oder fühlt sich das Nein vor allem ungewohnt an?
Kann ich eine Zusage zurücknehmen?
Ja, du kannst ansprechen, dass du eine Zusage ändern möchtest. Dabei ist es sinnvoll zu berücksichtigen, ob die andere Person bereits damit geplant hat und welche Folgen deine Änderung für sie hat.
Du könntest zum Beispiel sagen:
„Ich habe zu schnell zugesagt und merke, dass ich es nicht schaffe. Es tut mir leid, dass du jetzt neu planen musst.“
Bei verbindlichen Vereinbarungen kann eine Neuabsprache nötig sein. Grenzen ernst zu nehmen bedeutet nicht, bestehende Verpflichtungen grundsätzlich ignorieren zu können.
Was mache ich, wenn die andere Person tatsächlich enttäuscht ist?
Eine andere Person kann enttäuscht sein, auch wenn du nach sorgfältigem Abwägen bei deiner Entscheidung bleiben möchtest. Du kannst ihre Reaktion anerkennen, ohne deine Antwort deshalb automatisch zurücknehmen zu müssen:
„Ich verstehe, dass du mich gern dabeihättest. Heute komme ich trotzdem nicht mit.“
Vielleicht möchtest du einen Kompromiss anbieten, vielleicht nicht. Selbstsicher zu kommunizieren bedeutet nicht, eine bestimmte Reaktion beim Gegenüber hervorzurufen. Es geht darum, die Anliegen beider Seiten ernst nehmen zu können.
Wann ist professionelle Unterstützung sinnvoll?
Wenn die Angst vor den Reaktionen anderer deinen Alltag deutlich einschränkt, du eigene Anliegen kaum noch aussprechen kannst oder dich das Muster über längere Zeit stark belastet, kann professionelle Unterstützung sinnvoll sein.
In einer Psychotherapie kann genauer betrachtet werden, was dir in diesen Situationen schwerfällt und welche Unterstützung zu deiner Situation passt. Einzelne Selbsthilfestrategien können hilfreich sein, ersetzen aber keine individuelle Abklärung oder Behandlung, wenn eine stärkere psychische Belastung vorliegt.
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Quellenverzeichnis
Die Quellen beziehen sich auf die jeweils gekennzeichneten Aussagen im Text. Die CCI-Materialien dienen als fachliche Grundlage für die praktischen Vorschläge; die vereinfachten Übungen dieses Artikels wurden nicht als eigenes Programm wissenschaftlich untersucht. Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz sprachlich überarbeitet. Die Inhalte und Quellen wurden redaktionell geprüft.
Blötner, C. (2026). Valuing others over oneself: Development and validation of a people pleasing scale in two German samples. Current Psychology, 45, Article 952. https://doi.org/10.1007/s12144-026-09519-2
Weinstein, N., & Ryan, R. M. (2010). When helping helps: Autonomous motivation for prosocial behavior and its influence on well-being for the helper and recipient. Journal of Personality and Social Psychology, 98(2), 222–244. https://doi.org/10.1037/a0016984
Downey, G., & Feldman, S. I. (1996). Implications of rejection sensitivity for intimate relationships. Journal of Personality and Social Psychology, 70(6), 1327–1343. https://doi.org/10.1037/0022-3514.70.6.1327
Jack, D. C., & Dill, D. (1992). The Silencing the Self Scale: Schemas of intimacy associated with depression in women. Psychology of Women Quarterly, 16(1), 97–106. https://doi.org/10.1111/j.1471-6402.1992.tb00242.x
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Michel, F. (2008). Assert yourself. Centre for Clinical Interventions, Government of Western Australia.
Verwendete Module: What is assertiveness?; How to think more assertively; How to behave more assertively; How to say “no” assertively; Putting it all together.7. Schlote, S. (2023). History of the term ‘appeasement’: A response to Bailey et al. (2023). European Journal of Psychotraumatology, 14(2),2183005. https://doi.org/10.1080/20008066.2023.2183005
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