Alex­an­dra Gojowy

Wer war der his­to­ri­sche Buddha?

Der his­to­ri­sche Buddha wurde als Sid­dharta Gaut­ama im Jahr 563 v. Chr. gebo­ren. Er ent­stammte einem Adels­ge­schlecht und ver­ließ in seiner Jugend kaum den elter­li­chen Palast. Seine Fami­lie war äußerst wohl­ha­bend, was ihm eine Kind­heit in Über­fluss ermög­lichte, die er weit­ge­hend unbe­schwert ver­le­ben durfte. 

Mit 16 Jahren hei­ra­tete er und wurde sogar Vater. Laut der Über­lie­fe­run­gen war er trotz seines Wohl­stands unzu­frie­den und ent­schloss sich mit 29 Jahren, die Palast­an­lage zu ver­las­sen. Vier Mal habe er sich auf Wan­der­schaft bege­ben und sei dabei einem Greis, einem Kran­ken, einem Toten und einem Aske­ten begeg­net. Diese Erfah­run­gen ver­än­der­ten sein Wesen und seine Lebens­ein­stel­lung zutiefst. Fortan erklärte er es sich zur Auf­gabe, unver­gäng­li­ches Glück zu suchen, das nicht von Wohl­stand oder sons­ti­gen Äußer­lich­kei­ten abgän­gig sei. 

Ganze sechs Jahre lang stu­dierte er ver­schie­dene Weis­heits­tra­di­tio­nen und Phi­lo­so­phie, doch keine Lehre schien ihm die rech­ten Ant­wor­ten lie­fern zu können. Ver­zwei­felt ließ er sich schließ­lich an einem Fei­gen­baum nieder, ent­schlos­sen, erst wieder auf­zu­ste­hen, wenn er begrei­fen würde, worum es ihm Leben ginge.

Die Rolle der Medi­ta­tion

In tiefer Medi­ta­tion ver­sun­ken, offen­barte sich ihm schließ­lich der Ursprung des Leids. In seinem Kern erkannte er das Wesen des Geis­tes mit seinen Gedan­ken­mus­tern, die immerzu nach etwas ver­lan­gen. Sid­dharta fühlte, dass er das Feuer seines Begeh­rens löschen müsse, um voll­stän­dige Ruhe und Gelas­sen­heit erfah­ren zu können — den Zustand des soge­nann­ten Nir­wana. In diesem Moment wurde er zum Buddha, was über­setzt Der Erwachte“ bedeu­tet.

Buddha grün­dete in den dar­auf­fol­gen­den Jahren einen Mönchs- und Non­nen­or­den und lehrte 45 Jahre lang seine Wahr­heit. Bis zu seinem Tod im Jahr 483 v. Chr. mahnte er seine Anhän­ger immer wieder, nicht blind seiner Lehre zu folgen, son­dern auf die eige­nen Erfah­run­gen zu ver­trauen. Sein Ein­fluss und Wirken legte den Grund­stein für die Welt­re­li­gion des Bud­dhis­mus. Die Medi­ta­tion wird im Bud­dhis­mus bis heute u.a. prak­ti­ziert, um zu erken­nen, dass kein Gedanke, keine Idee und auch kein Leid von Dauer ist. Beson­de­rer Fokus liegt außer­dem auf der Stär­kung des eige­nen Mit­ge­fühls.

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Vier Edle Wahr­hei­ten

Vier Edlen Wahr­hei­ten bilden die Grund­lage von Bud­dhas Lehre:

  1. Leid exis­tiert: Leben bedeu­tet Leid, solange sich der Geist nicht selbst erkannt hat. Zwar gehö­ren auch Liebe, Freude und Glück zum Leben, den­noch sind all diese Dinge ver­gäng­li­cher Natur. Nichts davon können wir fest­hal­ten. Alter, Krank­heit, Tod, Angst und Trauer werden als beson­ders leid­voll erlebt, da sie uns als Gegen­teil erschei­nen.
  2. Leid ent­steht durch Begeh­ren: Es gibt Ursa­chen, warum sich der Geist nicht selbst erkennt. Sinn­li­che Befrie­di­gung, Gier und das ste­tige Wollen“ und Stre­ben“ nach etwas, ver­ur­sacht Leid. Solange wir diesen geis­ti­gen Zustand stetig wie­der­ho­len und uns an phy­si­schen Dingen im Außen fest­klam­mern, repro­du­zie­ren wir dieses Leid.
  3. Leid kann enden, wenn die Ursa­che gelöscht wird: Jeder kann seinen Geist erken­nen und damit den Zustand des Lei­dens been­den. Geis­tige Klar­heit kann über viele Stufen erreicht werden, wenn man den sinn­li­chen Ver­lan­gen ent­sagt und Nir­wana erfährt. 
  4. Es gibt einen Weg, das Leid zu been­den: Die vierte Wahr­heit lehrt, dass es einen Weg aus dem Leid gibt, der als Edler Acht­fa­cher Pfad“ bezeich­net wird. Den gesam­ten Pro­zess zu durch­lau­fen, kann meh­rere Leben dauern. Das Fort­schrei­ten ist durch Karma und Wie­der­ge­burt beein­flusst. Der Edle Acht­fa­che Pfad führt einen Men­schen letzt­end­lich aus dem Rad der Wie­der­ge­burt und zu lei­dens­freier Selbst­ver­wirk­li­chung.

Bud­dhas Lehre wird seit Jahr­tau­sen­den immer wieder über­lie­fert. Im Westen findet man seine Zitate als Kalen­der­spruch oder ent­deckt die Bud­dha­sta­tue“ als Deko in Yoga­stu­dios, Buch­lä­den und Mas­sa­ge­sa­lons. Sind die Vier Edlen Wahr­hei­ten heute eigent­lich noch aktu­ell oder Eso-Kitsch“, der zwar im Main­stream ange­kom­men, als Lebens­weise aber weit­ge­hend uner­kannt ist?

Die edlen Wahr­hei­ten von heute

Würde man auf die Straße gehen und Men­schen fragen, mit wel­chen Wahr­hei­ten sie sich beschäf­ti­gen, bekäme man wahr­schein­lich einen bunten Blu­men­strauß über­ge­ben: Wir müssen etwas gegen den Kli­ma­wan­del tun“, Ich muss für eine gesi­cherte Rente arbei­ten“, Ich sollte bald über die Fami­li­en­pla­nung nach­den­ken, schließ­lich werde ich alt“, Smart­pho­nes sind der Grund, warum die Gesell­schaft ver­dummt“, Ich habe viel Stress, hätte ich nur mehr Zeit für mich“. 

Jeder findet sicher­lich seine eigene Ant­wort — und auch seinen eige­nen Lei­dens­druck. Hinter all den oben genann­ten Ant­wor­ten steckt vor allem ein Gedanke: So wie es ist, ist es nicht genug. Das Hier und Jetzt ist okay aber ver­bes­se­rungs­wür­dig.

Erin­nern wir uns an die Vier Edlen Wahr­hei­ten nach Buddha. Das Alter, das Klima, Smart­pho­nes, Stress, die Fami­lie, eine Weltreise…Ziele, die ver­gäng­lich sind. Auch wenn sie Momente der Freude ver­spre­chen, gehen sie doch vor­über. Man kann nur spe­ku­lie­ren, was Buddha zum CO2-Aus­stoß oder zur Digi­ta­li­sie­rung sagen würde. Würde heut­zu­tage jemand ver­kün­den, dass die Natur unse­res Geis­tes für unse­ren Welt­schmerz ver­ant­wort­lich sei, wären viele Men­schen skep­tisch. Aber wir können doch nicht nur daste­hen und zuse­hen“. Man wäre regel­recht ent­rüs­tet, würde man hören, dass es nicht zu ver­än­dern gäbe, außer die eige­nen Denk- und Hand­lungs­mus­ter. Eigen­ver­ant­wor­tung singt sich nun mal schwie­ri­ger als Omm“.

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Mit diesen vier Tipps kommst du garan­tiert zur Erleuch­tung“

So oder ähn­lich würden sich die moderne Ver­sion der Vier Edlen Wahr­hei­ten lesen. Erleb­nisse mit Erleuch­tungs­ga­ran­tie klin­gen fast absurd, sind aber längst schon Rea­li­tät. Yogal­eh­re­rin und Per­for­me­rin Johanna Heus­ser setzt sich mit dem Wider­sprunch zwi­schen Gesin­nung und Bud­dha­de­ko­ra­tion aus­ein­an­der. Auf die Frage, ob sie an Erleuch­tung glaube, ant­wor­tet sie: Was auch immer das ist, ich weiss es nicht. Ich bin noch nie einem Erleuch­te­ten begeg­net. Und will es selbst auch gar nicht werden. Ich bin lieber Mensch, als erleuch­tet.“

Lieber Mensch, als erleuch­tet. Schließt denn das eine das andere aus? Was, wenn die breite Masse plötz­lich Erleuch­tung im Sinne von geis­ti­ger Klar­heit erlan­gen würde? Plötz­lich wäre es nichts Beson­de­res mehr, erleuch­tet zu sein. Erleuch­tet, so what? Jeder hätte ein­fach das Zeug dazu.

Wo ist Buddha?

Spin­nen wir dieses Gedan­ken­ex­pe­ri­ment noch ein wenig weiter. Die Men­schen würden also wirk­lich erken­nen und erfah­ren, dass ihr Ver­lan­gen nach mehr“ oder besser“ ihr Leid ver­ur­sacht. Viel­leicht würden sie tat­säch­lich auf­hö­ren, im stän­di­gen Kampf gegen das Hier und Jetzt zu sein. Viel­leicht würden sie nie wieder Yoga machen, nie wieder demons­trie­ren gehen. Viel­leicht würden sie auf­hö­ren, über ihr Alter zu spre­chen. Würde man diesen Men­schen offen begeg­nen oder sie als merk­wür­dig und rea­li­täts­fern abstem­peln?

Viel­leicht wären sie aber auch ein­fach wie vorher. Die glei­chen, ganz die Alten. Man würde ihnen nichts anmer­ken, es gäbe keine Hei­li­gen­scheine, keinen ver­klär­ten Blick, keine säu­seln­den Worte. Wenn wir etwas ver­ste­hen wollen, suchen wir so häufig nach äuße­ren Ver­än­de­run­gen. Erleuch­tung braucht schließ­lich einen Beweis, oder? Ob wir mit dieser Art zu Denken, in die Falle getappt sind, könnte nur Buddha selbst beant­wor­ten.

Es ist inter­es­sant, dass sich die Lehren der großen Weis­heits­tra­di­tio­nen im Laufe der Jahr­hun­derte kaum ver­än­dert haben, obwohl unsere Welt so stark im Wandel zu sein scheint. Wann der nächste Buddha gebo­ren wird oder ob er schon längst hier ist, kann hier nicht beant­wor­tet werden. Den­noch kann sich jeder Mensch zu jeder Zeit dar­über bewusst werden, wo er leidet und welche Ursa­chen es in einem selbst dafür gibt. Damit könnte man den ersten Schritt auf dem Weg zur Erleuch­tung abha­ken, einen Tee kochen und sich in einen Down­ward Facing Dog bege­ben.


Die Pod­cast­folge zum Impuls der Woche:


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