Herz über Kopf: Neue Beziehungen ins Leben lassen

Am Ende einer Beziehung folgt oft eine Zeit des Rückzugs, die für jeden unterschiedlich lange dauert. Irgendwann regt sich das Herz und intuitiv spürt man: Der Moment für Neues da. Doch was nun?

Von Alexandra Gojowy

Und plötzlicher ist der Tag gekommen. Es wurde alles gesagt, die letzten Worte hängen noch in der Luft, die ersten Tränen kleben an der Wange. Sobald die andere Person aus der Tür geht, ist ein Lebensabschnitt vorbei. Egal, ob du ihm oder ihr noch Sachen hinter- oder an den Kopf schmeißt, ob du schreist oder ob alles ganz leise ist: Es tut verdammt weh.

Es gibt unzählige Gründe, warum Liebesbeziehungen enden. Manche verabschieden sich mit einem Knall und was zurückbleibt, ist nichts als Wut oder tiefe Kränkung. Andere verabschieden sich ganz still und leise. Dann sitzt man einer Person gegenüber, mit der man einen Monat, ein Jahr oder ein halbes Leben verbracht hat und die sich plötzlich eher wie ein Bruder oder eine gute Freundin anfühlt. Die Fetzen sind geflogen, der Funke verglüht. Und wenn die Tür zugeht, wird das Chaos dieser Dunkelheit für eine Weile dein zu Hause.

#Morgendämmerung Trennungen gehören zu den intensivsten Erfahrungen, die wir als Menschen machen können. Wir verabschieden eine Zeit mit Höhen und Tiefen, mit Jubel und Herzschmerz. Gemeinsame Urlaube, Parties, Bekanntschaften, Tage, die man im Bett verbracht hat und Nächte, in denen nicht an Schlafen zu denken war. Gemeinsam schuf man Momente für die Ewigkeit, die angesicht des Abschieds wie ein Feuerwerk an Erinnerungen auf einen einprasseln.

Wie man damit umgeht, ist so individuell wie die Beziehung selbst. Ob man sich anschließend mit Freunden und einer Flasche Wein umgibt, alleine ein fremdes Land bereist oder sich in Arbeit flüchtet - Bewältigungsstrategien gibt es viele. Was danach folgt, ist ein Moment, in dem die Welt plötzlich wieder ein freundlicheres Gesicht aufsetzt. Als wäre man verkatert gewesen und hätte sich endlich einmal so richtig ausgeschlafen. Zeit, wieder aufzustehen.

Wenn die Trauer überwunden ist, beginnt eine besondere Phase der Neuorientierung. Auch die ist nicht einfach, schließlich hat man plötzlich ganz neue emotionale Altlasten und schmerzhafte Erfahrungen im Gepäck. Wie schafft man es, wieder offen für Neues zu werden? Wie entwickelt man eine innere Bereitschaft, sich wieder auf einen neuen Menschen einzulassen?

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“Nie-wieder-Gedanken” verabschieden

Auch wenn einem auf rationaler Ebene bewusst ist, dass eine Trennung die richtige Entscheidung war, hadert man oft lange mit der Wehmut. Keine Umarmung, kein Kuss, keine Berührung, wird sich jemals wieder so anfühlen wie mit dieser einen Person. Ein quälendes Gefühl, das sich nicht schönreden lässt. Denn die Wahrheit ist, dass sich deine Erfahrungen mit diesem besonderen Menschen nicht wiederholen lassen. Es wird tatsächlich nie wieder so sein, denn kein Mensch ist wie ein anderer. Auch du bist in deinem Wesen und Sein absolut einzigartig - und genau dort findest du auch das Licht am Horizont!

Das was du in deiner letzte Beziehung gelebt hast, war eine hoch individuelle Erfahrung zwischen dir und der anderen Person. Mit jemand anderem wirst du Momente erleben, die sich anders anfühlen, anders schmecken und in denen du dich selbst vielleicht ganz neu kennenlernen wirst. Du hast die einmalige Chance, neue Seiten an dir zu entdecken, zu entfalten und alte Wunden zu heilen. Es wird nie wieder so wie vorher. Und das ist absolut wunderbar und richtig so.

Denn auch du bist nicht mehr die gleiche Person, wie in deiner letzten Beziehung. Natürlich darfst du traurig sein, denn der Verlust eines Menschen schmerzt. Doch im Unbekannten liegt auch deine Freiheit, etwas ganz Neues zu schaffen. Lass den Gedanken los, der sich nach einer ähnlichen oder gar gleichen Beziehung sehnt. Du bist weitergegangen. Und das ist auch gut so.

Das innere Drama Lama beruhigen

Das Drama Lama lebt in jedem von uns und hat eine ganz besondere Eigenschaft: Es existiert hauptsächlich in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Um neue Erfahrungen in dein Leben zu lassen, musst du dich entscheiden, das Drama zu beenden. Auch wenn du bereits mit einer Beziehung abgeschlossen hast, treten bestimmt immer wieder Situationen auf, die dich zurückwerfen. Beobachte einfach ganz genau, was in dir passiert.

#Die Macht der Erinnerung Vielleicht läufst du an einem Ort vorbei, an dem du besonders schöne Momente erlebt hast. Huch, da ist die Erinnerung dieses einen schönen Abends, an dem ihr gemeinsam im Park gesessen und Menschen beobachtet habt. Das Drama Lama wird einen verzweifelten Aufstand machen, weil dieser Moment nun vorbei ist. Warum kann es bloß nicht mehr so sein? Warum muss sich alles verändern?

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Ganz einfach: Weil das Leben ein Fluss ist. Wenn der Fluss an einem Baum vorbeifließt, wird der Baum auch nicht versuchen, dass Wasser mit seinen Wurzeln anzuhalten, denn das entspricht nicht der Natur des Flusses. Erinnere dich an den ersten Schritt und freunde dich mit dem “Nie-Wieder-Gedanken” an. Es wird nie wieder so sein. Deine Erinnerungen sind wertvoll und keiner kann sie dir nehmen. Schau sie dir liebevoll an. Werde dir aber anschließend bewusst, dass es tausend Orte in deiner Stadt gibt, die mit der nächsten richtigen Person ihre eigene Magie entfalten werden.

#Wunsch oder Wirklichkeit? Vielleicht hast du aber auch schon ein, zwei oder drei neue Dates gehabt, die dich unendlich frustriert haben. Das Drama Lama wird mit glänzenden Augen in die Zukunft blicken und sich fragen, was denn wohl gewesen wäre, wenn die letzte Beziehung nicht gescheitert wäre. Was, wenn wir es doch geschafft hätten? Was, wenn ich mich anders verhalten hätte, wenn er oder sie sich geändert hätte? Damals war vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt, aber was wäre in ein paar Jahren gewesen? Was, wenn er oder sie doch der Mann oder die Frau meines Lebens hätte sein können?

Fragen über Fragen auf die es nur eine Antwort geben kann: Du kannst es nicht wissen. Vielleicht hätte sich niemand von euch geändert, vielleicht hätte euch das Leben in fünf Jahren sowieso getrennt, vielleicht hättet ihr eine extrem unglückliche Ehe geführt. Was zählt, ist nur der Moment. Natürlich kannst du warten, Kompromisse finden, an deiner Beziehung arbeiten und schauen, wie es sich entwickelt, ohne vorschnelle Entscheidungen zu treffen. Wenn die Trennung aber einmal abgeschlossen ist, dann oft, weil es zu diesem Zeitpunkt die einzige Möglichkeit war.

In manchen Fällen finden Menschen wieder zusammen. Klammere dich aber nicht an eine Zukunft, die auf hätte, sollte, könnte basiert. Bleibe im Hier und Jetzt und versuche, eine möglichst neutrale Beobachterposition einzunehmen. Vielleicht hast du mehr in die Beziehung hineinprojiziert, als tatsächlich da war und kannst intuitiv spüren, dass deine Entscheidung die Richtige war.

Bedaure nicht länger die vergangenen Zeiten und verliere dich nicht in einer Zukunftsvision, die wahrscheinlich nicht zur Realität deiner letzten Beziehung passt. Die Zukunft ist ein Wolkenschloss. Puste es weg, was zählt ist Hier und Jetzt. Bleib bei dir und erinnere dich an deine unerfüllten Bedürfnisse, die du jetzt endlich in den Fokus rücken kannst.

Verbundenheit beginnt bei dir:

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Lernen, was zu lernen war

Um neue Erfahrungen in dein Leben zu lassen, die sich wirklich anders anfühlen und nicht deine alte Geschichte wiederholen, musst du Integrationsarbeit leisten. Und zwar der Teile in dir, die von der alten Erfahrung geheilt werden möchte. Auch wenn dieser Prozess nochmal schmerzhaft sein kann, schau dir selbst ins Gesicht und lerne, was zu lernen war. Vielleicht hast du zu oft deine wahren Gefühle unterdrückt, Dinge über dich ergehen lassen oder bist in die Passivität gefallen, aus Angst vor Veränderung oder dem Alleinsein.

Unterschätze nicht das unglaubliche Bedürfnis nach Liebe und Anerkennung, dass jeder von uns in sich trägt. Akzeptiere diesen Wunsch in dir, denn er ist dein stärkster Motivator, neue Bindungen einzugehen und sich mutig in das nächste Abenteuer zu stürzen. Sei aber auch achtsam und sensibel für den Moment, wenn diese Angst Überhand nimmt und du anfängst, gegen deine Natur zu handeln oder den Fluss aufzuhalten. Sobald du gegen etwas ankämpfst, aus Angst den Schmerz des Alleinseins zu fühlen, hältst du den Lernprozess auf. Einmal angestoßen, ist es schwer ihn aufzuhalten, auch wenn er sich für eine lange Zeit ignorieren lässt.

Nimm Verbindung zu dir selbst auf und heile die Angst, nicht geliebt zu werden. Offenheit, Akzeptanz und Mitgefühl dir selbst gegenüber ist der wichtigste Schritt, um dich auf Neues einzulassen. Die alte Beziehung ist vorüber, die Beziehung zu dir selbst hält hingegen ein Leben lang.

Gegen das Ende einer Partnerschaft darfst du dich auch eine Zeit lang wehren, du darfst das Aus betrauern, begießen und am Ende auch feiern. Der Moment wird kommen, an dem du die Erfahrung integriert hast, die Vergangenheit ruhen und die Zukunft kommen lässt. Wenn du dann eines Morgens in der U-Bahn sitzt und dich die Person gegenüber fragt, wie es dir geht, erkennst du ganz leicht, ob es soweit ist. Denn eventuell stolpert dein Herz in diesem Moment ganz unverhofft über die Türschwelle. Und plötzlich ist es wieder taghell.

Die Podcastfolge zum Impuls der Woche:

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Bild: Sydney Sims auf Unsplash Bild: Joshua Fuller auf Unsplash Bild: Ryan Hafey auf Unsplash

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