Ein Gast­bei­trag von Leonie Zabel von Ryzon

Warum wir Acht­sam­keit im Sport brau­chen

Ob bei der Arbeit oder in unse­rer Frei­zeit: Es fällt uns immer schwe­rer, abzu­schal­ten, den Fokus zu finden und in uns zu kehren. Stän­dige Erreich­bar­keit, ein hoher Anspruch an uns selbst und eine Infor­ma­ti­ons­flut, welche uns täg­lich wie eine große Welle mit sich reißt.

Wie ist das bei der doch eigent­lich gesün­des­ten aller Frei­zeit­be­schäf­ti­gun­gen, dem Sport? In den letz­ten Jahren ist ein Trend zum quan­ti­fied self” erkenn­bar. Das bedeu­tet, Ziele und Bewer­tung der Leis­tung gehen von Zah­len­wer­ten aus, nicht dem Grad des eige­nen Wohl­be­fin­dens. Doch auch im Sport sind Ruhe und Acht­sam­keit der Gegen­pol zur Leis­tung — ganz gleich, ob es die Fei­er­abend­runde auf dem Rad oder inten­si­ves Trai­ning ist. Denn auch im Sport gilt: Wir haben die Chance, unse­ren Körper und Geist neu ken­nen­zu­ler­nen, daraus Kraft zu schöp­fen und die Momente im Hier und Jetzt wirk­lich zu erle­ben. Der Blick auf die Smart­watch trägt da nicht gezwun­ge­ner­ma­ßen zur Zufrie­den­heit und Erho­lung bei.

Übe Acht­sam­keit durch Medi­ta­tion:
7Mind kos­ten­los star­ten


Woher kommt die Moti­va­tion? Zurück zum Anfang

Um den Fokus beim Sport von Zah­len­wer­ten zurück auf innere Zufrie­den­heit zu lenken, kann es helfen, darauf zu schauen, warum wir mit dieser Sport­art ange­fan­gen haben. Was war der Grund dafür und was erfüllt uns mit Freude? Wann haben wir das letzte Mal eine Rad­tour oder Läufe durch den Wald unter­nom­men, ohne dabei unsere Leis­tung zu kon­trol­lie­ren? Ein­fach nur sein, genie­ßen und den eige­nen Körper der Umwelt hin­ge­ge­ben? Wir soll­ten uns regel­mä­ßig erin­nern, dass es die Lei­den­schaft ist, die uns antreibt. Die Liebe zum Sport, zum eige­nen Körper, zur Natur. Und falls es bei dir doch mehr das Pflicht­ge­fühl als eine Lei­den­schaft beim Sport ist, dann hast du viel­leicht ein­fach noch nicht die rich­tige Sport­art für dich ent­deckt. Auch bei der Ent­de­ckungs­reise hin zu der Sport­art, die dich begeis­tert und ent­spannt, wirst du eine Menge über dich lernen.

Bye Bye quan­ti­fied self” – Zeit, dich zu spüren

Es gilt, die Gedan­ken an ein bestimm­tes Ziel los­zu­las­sen. Oft­mals steht man unter einem eigens her­bei­ge­führ­ten Druck, eine bestimmte Kilo­me­ter­zahl in einer bestimm­ten Zeit gelau­fen oder gefah­ren zu sein. Es ist an der Zeit, das Handy, den Fahr­rad­com­pu­ter mit Watt­mes­ser oder die Lau­fuhr Zuhause zu lassen, sich trei­ben zu lassen, zu genie­ßen — ohne Ziel.

Erwar­tun­gen und Druck warten an vielen Ecken und Enden des All­tags auf uns. Müssen wir das auch noch mit in den Sport nehmen? Wir können uns heute dazu ent­schei­den, den Druck, der uns häufig auch beim Sport beglei­tet, für eine Weile bewusst außer Acht zu lassen. Viel­leicht stehen wir gerade unter Strom und viel Stress in ande­ren Lebens­la­gen treibt uns dazu an, uns zu bewe­gen. Gerade dann ist es ein guter Zeit­punkt, bewusst alle tech­ni­schen Geräte zur Mes­sung der Leis­tung Zuhause zu lassen. Ein­fach auf das Rad stei­gen, ohne eine bestimmte Route im Kopf zu haben. Los­fah­ren. Sich dem Gefühl hin­ge­ben. Schaue nach links und rechts und nimm bewusst wahr, wie deine Umge­bung aus­sieht, anstatt die Geschwin­dig­keit zu che­cken. Stre­cken, die du schon unzäh­lige Male gefah­ren bist, werden zu einem kom­plett neuen Erleb­nis. Die Schön­heit der Natur, in der du dich befin­dest, wird dich trei­ben. Damit gibst du der Natur um dich herum erst die Chance, deinen Stres­spe­gel, mit dem du in diese Rad­tour gestar­tet bist, auch tat­säch­lich zu senken. Genieße die neu gewon­ne­nen Ent­de­ckun­gen auf alten Wegen. Auch kleine Pausen im Grünen werden dir zeigen, was unter Druck kaum erkenn­bar ist. Steig ab und setze dich auf eine Bank im Wald oder lege dich auf eine Wiese. Lass deinen Körper fühlen, welche Kraft dir die Natur gibt. Gerade waren deine Ober­schen­kel noch ange­spannt, auf der Wiese finden sie lang­sam Ent­span­nung. Genieße den Über­gang von Anspan­nung zu Ent­span­nung. Alle Sinne laufen dabei auf Hoch­tou­ren und erfül­len dich mit einem Gefühl von Zufrie­den­heit und einer Prä­senz im Hier und Jetzt. Die Sonne, die deinen Körper wärmt, das Rau­schen der Bäume im Wind oder der Duft der Gräser. Wäh­rend du dich lang­sam wieder deinem Ruhe­puls annä­herst, kannst du deinen Atem besser denn je wahr­neh­men. Körper und Geist werden dir Danken für diesen Moment, für diese Aus­zeit.

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Mit Acht­sam­keit im Sport die eige­nen Gren­zen ken­nen­ler­nen

Acht­sam­keit schult uns darin, die Signale unse­res Kör­pers wahr­zu­neh­men und uns damit selbst besser ken­nen­zu­ler­nen. Welche Situa­tio­nen ver­set­zen dich in Stress und wie reagiert dein Körper darauf? Genauso ver­hält es sich im Sport mit dem Aus­rei­zen unse­rer eige­nen Gren­zen. Wie viel tut dir gut, wie weit kannst du dich selbst her­aus­for­dern? Wenn wir zu einer Lauf­runde auf­bre­chen und uns nur auf uns und unse­ren Körper fokus­sie­ren können, kommen wir in einen Flow, der uns trägt. Die Beine tragen uns Schritt für Schritt, der Rhyth­mus passt sich der Atem­fre­quenz an und die Gedan­ken rich­ten sich alleine auf den Moment im Hier und Jetzt. Wir fallen in eine Art Trance, einen Flow, der uns weiter und weiter trägt. Dabei rich­ten wir die Auf­merk­sam­keit so auf unse­ren Körper, dass wir ihn ver­ste­hen. Wir erken­nen, wann es für ihn genug ist und wir auf­hö­ren soll­ten. Wir geben uns aber ebenso die Gele­gen­heit zu echter Ent­span­nung.

Dieser Moment, in dem wir uns einzig auf uns kon­zen­trie­ren, ist ein Zustand der Acht­sam­keit. Es zeigt sich immer deut­li­cher, dass Acht­sam­keit ein wich­ti­ger Bestand­teil von sport­li­cher Leis­tung ist. Bei Acht­sam­keit im Sport han­delt es sich um einen effek­ti­ven Umgang mit eige­nen Emo­tio­nen und Gedan­ken, mit der Auf­merk­sam­keit auf die aktu­elle Situa­tion. Das Ziel ist es, im Hier und Jetzt zu ver­wei­len, ohne dabei den Moment zu bewer­ten.

Medi­tie­ren lernen kann jeder:
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Leis­tungs­sport und Acht­sam­keit — passt das zusam­men?

Auch im Leis­tungs­sport wird der Acht­sam­keit eine immer grö­ßere Rolle zuge­schrie­ben. Der Sport­psy­cho­loge Dr. Rene Paasch hat drei Wirk­me­cha­nis­men ent­wi­ckelt, wie die Leis­tung beim Sport beein­flusst werden kann. Hier­bei han­delt es sich um das Trai­ning der Acht­sam­keit. Durch das Trai­ning kann die Ent­ste­hung des Flows begüns­tigt werden, der als ein opti­ma­ler Zustand der Leis­tungs­fä­hig­keit gilt. Es ver­bes­sert die Kon­zen­tra­ti­ons­leis­tung und beein­flusst die Emo­ti­ons­re­gu­la­tion. Wei­tere Infor­ma­tio­nen zu den drei Wirk­me­cha­nis­men fin­dest du hier. Ob Leis­tungs­sport­ler oder Hob­by­sport­ler — für Körper und Geist ist Acht­sam­keit nicht nur leis­tungs­för­dernd, son­dern spielt auch einen enorm wich­ti­gen Aspekt bei der Gesund­heit. Was ver­lie­ren wir dabei, Sport für uns — für Körper und Geist einmal aus­zu­pro­bie­ren? Erwar­tungs­druck und der Hang zur Selbst­op­ti­mie­rung dürfen dabei Zuhause blei­ben. Nach eini­gen Wie­der­ho­lun­gen wird es immer leich­ter fallen, sich in den Flow zu bege­ben und sich trei­ben zu lassen. Du wirst schnell die Ver­bes­se­rung deines Geis­tes spüren und — Über­ra­schung — sogar eine höhere Leis­tung erbrin­gen.


Die Pod­cast­folge zum Impuls der Woche:

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Bild: Victor Xok auf Uns­plash