Gekommen, um zu bleiben: Enge Freundschaft stärken

Schon im Kindergarten lernen wir, was Freunde sind. Mit ihnen teilen wir das Pausenbrot, Liebeskummer und später vertrauen wir ihnen die eigenen Kinder an. Gibt es ein Rezept für Seelenverwandtschaft?

von Alexandra Gojowy

Enge Freundschaft stärken

Hast du noch Kontakt zu deinem besten Freund oder deiner besten Freundin aus der Kindheit? Viele Menschen beantworten diese Frage wahrscheinlich mit “Ja”. Für manche ist der Freundeskreis sogar Familienersatz, denn auch wenn wir heutzutage oft den Job oder den Partner wechseln, begleiten uns manche Freundschaften ein Leben lang. Als Kinder sind sie vor allem Spielgefährten, als Jugendliche werden sie zu treuen Begleitern auf dem schweren Weg des Erwachsenwerdens, und auch im Alter bleiben sie eine wichtige Säule für das Wohlbefinden.

Wir haben uns gefragt, was das Geheimnis guter Freundschaften ist und wie man sie langfristig am Leben hält. Antworten haben wir in der Soziologie gefunden und außerdem liefern wir dir drei kleine Ideen für die Freundschaftspflege.

Die Macht der Freundschaft

Gesundheitsexperten gehen mittlerweile davon aus, dass Einsamkeit genauso schädlich ist, wie rauchen oder ungesunde Ernährung. Unser soziales Umfeld hat also tatsächlich die Macht, unser Leben zu verlängern und spielt erwiesenermaßen sogar einen aktiven Part in unserer Lebenserwartung.

Dass gute soziale Beziehungen glücklicher machen als Geld und Erfolg, hat die Wissenschaft schon längst herausgefunden. Doch auch auf anderen Ebenen wirkt die Macht der Freundschaft: Laut aktueller Forschung reduzieren Freunde das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen. Planet Wissen berichtet außerdem, dass Menschen, die in Prüfungssituationen von Freunden begleitet wurden, weniger Stresshormone produzierten. Freunde stärken also nicht nur unseren Geist sondern tun auch dem Körper gut. Trotzdem kann es vorkommen, dass manche Wege plötzlich auseinandergehen. Auch das ist normal, denn so wie wir uns mit der Zeit verändern, tun dies auch unsere sozialen Beziehungen.

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Evolution der Freundschaft

Freundschaft kennt viele Formen und wandelt sich im Laufe des Lebens stetig. Während der Schulzeit haben die meisten von uns einen großen Freundeskreis. Mit zunehmendem Alter wird einem plötzlich bewusst, dass man jedes Jahr weniger Geburtstagsgrüße versendet - und erhält. Professor Neyer, der seit über zwanzig Jahren am psychologischen Institut der Uni Jena forscht sagt, dass die Zahl der Freundschaften ab dem jungen Erwachsenenalter kontinuierlich abnimmt. “Dies liegt daran, dass wir mit der Zeit unsere Freundinnen und Freunde sorgfältiger auswählen und die Beziehungen mit ihnen so gestalten, dass sie zu uns passen“, erklärt der Wissenschaftler in einem Artikel für das Online Magazin jetzt.

Wie viele Freundschaften man pflegt, hängt vor allem von den Lebensumständen und Prioritäten ab. Der Niederländische Sozialforscher Matthijs Kalmijn fand heraus, dass sich die Anzahl der Freunde drastisch reduziert, sobald man heiratet. So sank die Zahl der engen Beziehungen bei Männern von 14 auf 5 Kontakte und bei Frauen von 13 auf 6.

Dass Freundschaften auseinander gehen, ist ganz normal. Welche Menschen auf Dauer an unserer Seite bleiben lässt sich allerdings leicht herausfinden, denn es sind oft diejenigen, die uns manchmal schrecklich auf die Nerven gehen.

Ein Pulverfass namens Nähe

Freunde, die man schon ein halbes Leben lang kennt, haben eine ganz besondere Fähigkeit: Sie treiben uns in regelmäßigen Abständen auch mal in den Wahnsinn. Egal, ob man den besten Freund schon mindestens fünfzig Mal vor dem nächsten Beziehungsdrama gewarnt hat oder jedes Mal 30 Minuten versetzt wird, wenn man sich mit ihm verabredet hat – einem guten Freund gibt man anschließend nicht nur ein Küsschen, sondern verzeiht ihm auch gerne.

Je mehr Nähe wir zu jemandem aufbauen, desto höher die Chance, dass man mit dieser Person regelmäßig Konflikte auszutragen hat. Schließlich ist das Schöne an einer wahren Freundschaft, dass beide Parteien einfach so sein können, wie sie sind und sich nicht verbiegen müssen, um zu gefallen.

Sich für andere öffnen mit Achtsamkeit:

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Konflikte sind nicht nur ein Zeichen guter Freundschaft, sie können auch die Beziehung stärken. Nicht nur, dass während eines Streits kreative Lösungen und Kompromisse gefragt sind, die man gemeinsam ausklügeln kann, auch im Nachhinein bringt einen das Band der gemeinsamen Erlebnisse und Geschichten wieder zusammen.

Freunde bringen uns an unsere Grenzen, lehren uns Versöhnung, stärken uns den Rücken und akzeptieren uns so, wie wir sind. Für das nächste Treffen mit deinen Wahlverwandten, haben wir drei kleine Ideen, die euch etwas näher zusammenbringen:

Meditieren unter Freunden Meditation wird häufig alleine praktiziert. Kein Wunder, schließlich befindet man sich in einer sehr verletzlichen Position. Die Augen sind geschlossen, man fokussiert sich auf sich selbst und spürt in sich hinein. Ohne Frage ein intimer Moment. Was zunächst etwas ungewohnt erscheinen mag, kann mit etwas Übung zu einem schönen Ritual werden. Versucht doch einmal, zusammen zu meditieren. Im Anschluss könnt ihr eure Erfahrungen während der Praxis teilen und vielleicht noch ganz neue Seiten aneinander entdecken.

Einfach mal Danke sagen Auch wenn es sich ganz leicht anhört, im täglichen Trubel vergessen wir schnell, kleine Gesten der Aufmerksamkeit zu verteilen. Es gibt zwar viele besondere Anlässe, um dankbar zu sein, doch gerade im Alltag kann ein “Danke, dass du da bist” Wunder bewirken. Oder wie wäre es mit einer kurzen Nachricht, die einfach nur “Wie geht es dir heute?” fragt? In einem unerwarteten Moment kann sie jemanden dazu animieren, in sich hinein zu spüren und mal kurz anzuhalten. Lass es deine Freunde wissen, wenn du an sie denkst. Auch das ist eine kleine Achtsamkeitsübung, die garantiert jemandem den Tag versüßt.

Neue Erlebnisse teilen Mit manchen Freunden verbindet einen die gemeinsame Vergangenheit. Stundenlang könnte man sich über verrückte Parties aus der Jugendzeit unterhalten, alte CD’s hören oder über ehemalige Lehrer lästern. Gemeinsame Geschichten sind wichtig für jede Freundschaft aber auch neue Erlebnisse können Freundschaftsbande festigen. Außerdem bieten sie eine Chance, die andere Person noch einmal ganz neu kennenzulernen.

Vielleicht habt ihr Lust, bei eurem nächsten Treffen einfach mal was ganz anderes zu machen, als die gewohnten Aktivitäten. Wie wäre es mit einer Radtour statt der morgendlichen Joggingrunde oder einer Food Tour durch die eigene Stadt statt Spa Besuch? Sicherlich gibt es auch in deiner Stadt viele Möglichkeiten für gemeinsame Unternehmungen. Alles was man braucht, ist etwas Muße, alte Routinen zu durchbrechen.

Dass Freundschaft eine Seele in zwei Körpern ist, wusste schon Aristoteles. Tatsächlich kann es schon die Laune heben, nur an eine liebe Person aus seinem Umfeld zu denken. Am Ende also eine Einladung an dich, mal kurz die Augen zu schließen und zu schauen, welches Gesicht sich als erstes zeigt. Genieße kurz das Gefühl der Verbundenheit und nimm es mit in deinen restlichen Tag.

Die Podcastfolge zum Impuls der Woche:

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