Glau­bens­sätze sind tief in unse­rer Psyche ver­an­kert und können unter­schied­lichste Ursprünge haben. Dabei kann es sich zum Bei­spiel um ein­fa­che Flos­keln han­deln, die wir bereits in unse­rer Kind­heit häufig zu Ohren bekom­men haben. Schrei nicht so”, Beeil dich”, Sei nicht so schlam­pig” sind Sätze, die wir von unse­ren Eltern kennen und im Grunde schon lange hinter uns gelas­sen haben.

Plötz­lich sind wir selbst erwach­sen, viel­leicht sogar selber schon Eltern, und wun­dern uns, wieso wir uns stän­dig so hetzen, wieso wir immer wieder über den Hunger essen oder warum wir uns nicht trauen, ande­ren unsere offene und ehr­li­che Mei­nung zu sagen. Auch wenn Glau­bens­sätze nicht die allei­nige Ursa­che für unser Ver­hal­ten sind, können sie doch unse­ren Umgang mit schwie­ri­gen Situa­tio­nen, Her­aus­for­de­run­gen oder Kon­flik­ten beein­flus­sen. Wir zeigen dir, wie star­ren Vor­stel­lun­gen wieder mehr Leben ein­hau­chen kannst.

Train your brain

Acht­sam­keits­trai­ning ist ein wir­kungs­vol­les Werk­zeug, um den eige­nen Geist zu beob­ach­ten und mehr Kon­trolle über das eigene Gedan­ken­ka­rus­sell zu gewin­nen. Haben wir das einmal bestie­gen, kann es ganz schön schwer sein, sich von den eige­nen Gedan­ken zu dis­tan­zie­ren, eine klare Hal­tung zu finden und vor allem zu bemer­ken, wenn ein altes Glau­bens­mus­ter aktiv ist. Even­tu­ell haben wir uns so daran gewöhnt, dass wir wie auto­ma­tisch darauf zurück­grei­fen und so reagie­ren, wie es unser Glau­bens­satz ver­langt.

Wir alle basie­ren unser Ver­hal­ten auf bestimm­ten Über­zeu­gun­gen, Normen und Sys­te­men, die teil­weise gesell­schaft­lich vor­ge­ge­ben werden. In einer Zeit, in der wir täg­lich einer kon­stan­ten Reiz­über­flu­tung aus­ge­setzt sind, ver­lie­ren wir aller­dings den Zugang zu dem, was wir wirk­lich wollen. Denn der Auto­ma­tis­mus ist nicht nur Gewohn­heit, son­dern auch beque­mer für unser Gehirn. Das Pro­blem am Auto­pi­lo­ten: Wir rau­schen nur so durch den Alltag, wissen manch­mal gar nicht, wel­cher Wochen­tag eigent­lich ist, fühlen keine oder nur eine schwa­che Ver­bin­dung zu unse­ren eige­nen Bedürf­nis­sen. So können wir zwar eine ganze Weile funk­tio­nie­ren, doch lang­fris­tig werden wir eher unzu­frie­den, fühlen uns fremd­ge­steu­ert und finden keine Balance mehr zwi­schen dem, was wir tun wollen und dem, was wir tun soll­ten.
Zeit, sich einmal kri­tisch mit den eige­nen Glau­bens­sät­zen zu befas­sen. Viel­leicht fin­dest du dich direkt wieder, denn wir stel­len dir hier fünf Antrei­ber vor, die uns das Leben manch­mal ganz schön schwer machen können.

1. Geges­sen wird, was auf den Tisch kommt
- Ich über­höre die Signale meines Kör­pers.

Ein Satz, den viele von uns sicher­lich von den eige­nen Eltern oder sogar Groß­el­tern kennen. Und man kann es ihnen kaum übel nehmen, schließ­lich wissen einige von ihnen noch zu gut, was es bedeu­tet, Hunger zu leiden und sich selbst oder die Fami­lie nicht aus­rei­chend ernäh­ren zu können. Trotz­dem hört man immer wieder Geschich­ten von Men­schen mit den eigen­ar­tigs­ten Ess­ge­wohn­hei­ten. Wäh­rend manche den Geschmack von Zwie­beln nicht ertra­gen können, graut es ande­ren vor Toma­ten. Bei genauer Nach­frage hört man schon mal die Geschichte vom Mit­tag­es­sen bei der Oma, die einen als Kind dazu ver­pflich­tete, die geschmor­ten Zwie­beln auf dem Sonn­tags­bra­ten auf­zu­es­sen. Auch der Satz Iss deinen Teller leer” kann einen großen EIn­fluss auf die Ess­ge­wohn­hei­ten eines Kindes aus­üben. Schließ­lich muss man als Kind noch einen eige­nen Umgang mit dem Essen erler­nen, seine eige­nen Vor­lie­ben ken­nen­ler­nen und ein natür­li­ches Sät­ti­gungs­ge­fühl ent­wi­ckeln. Wenn man schon früh dabei ist, die Signale des eige­nen Kör­pers zu über­hö­ren, kann es einem auch im Erwach­se­nen­al­ter schwer fallen, ein Gefühl für Appe­tit und Sät­ti­gung zu ent­wi­ckeln. Gerade beim Essen kann der Atem eine große Hilfe sein. Nimm zwi­schen­durch immer wieder einen tiefen Atem­zug in den Bauch hinein. Wenn es schon kneift oder sich unan­ge­nehm anfühlt, ist dies ein gutes Zei­chen, das Besteck weg zu legen — egal, was sich noch auf dem Teller befin­det. Auch in der Psy­cho­lo­gie rät man dazu, Sätze wie Iss, dann wird morgen schö­nes Wetter” zu igno­rie­ren. Das Risiko für Über­ge­wicht steigt infolge dieser Regel sogar, wie eine US-Studie zeigt.

Gedan­ken beob­ach­ten mit Medi­ta­tion:
7Mind kos­ten­los star­ten


2. Ein India­ner kennt keinen Schmerz
- Ich darf keine Schwä­che zeigen.

Ein Satz, den nicht nur Jungs zu hören bekom­men. Geschickt ver­packt, schließ­lich haben wir eine roman­ti­sierte Vor­stel­lung davon, was es heißt ein India­ner zu sein. India­ner kennen keinen Schmerz, sind mutig und stark. Doch wer schon als Kind immer wieder hört, dass man keine Schwä­che zeigen darf, Schmer­zen auch mal aus­hal­ten muss oder nicht so quen­geln” soll, lebt womög­lich auch als erwach­sene Person noch nach diesem Glau­bens­satz. Dabei beweist es große Stärke, seine Schwä­chen zu zeigen und zu ihnen zu stehen. Wer sich auch mal ver­letz­lich zeigt, ermu­tigt außer­dem andere, Glei­ches zu tun. Vor allem sollte man sich daran erin­nern, dass jeder eine indi­vi­du­elle Schmerz­grenze hat. Was den einen nicht juckt, piekst den ande­ren schon ziem­lich tief. Sei nicht so sen­si­bel” oder Du über­treibst” sind Sätze, die eine ähn­li­che Wir­kung haben — man fühlt sich falsch, hin­ter­fragt die eigene Reak­tion. Statt­des­sen kannst du aber ver­su­chen, ein inne­res Ja!” zu dir und deinen Emo­tio­nen ent­ste­hen zu lassen. Egal, wie andere Men­schen dich auch bewer­ten — und das werden sie, ganze egal, was du tust — komme wieder zu dir zurück. Schmer­zen, kör­per­li­che wie see­li­sche, sind wich­tige Signale, die immer ihre eigene Geschichte erzäh­len. Eine Geschichte, deren Bedeu­tung nur du selber kennst.

3. Aus Nichts wird Nichts
- Ich bin nicht gut genug

Es reicht nicht aus, ein­fach nur zu sein. Wer etwas werden oder sein will, muss dafür auch etwas tun. Ein Glau­bens­satz, der gerne zur Moti­va­tion ein­ge­setzt wird und sug­ge­riert, dass man etwas werden soll. Daraus kann ein ganz schö­ner Anspruch wach­sen. Denn wer glaubt, er müsse sich erst­mal einen Namen, Titel, mehr Anse­hen oder mate­ri­elle Güter anschaf­fen, um jemand zu sein, ist schnell extrin­sisch moti­viert. Dann spielt vor allem die Außen­wir­kung eine große Rolle bei dem, was man tut. Des­halb ist der fol­gende Satz so unend­lich wich­tig für jeden von uns: Ich bin gut genug. Wer daran glaubt, dass er oder sie gut genug ist, wird auch daran glau­ben, dass jeder andere gut genug ist. Es kommt nicht darauf an, was jemand tut, denn tat­säch­lich kommen wir alle gut genug zur Welt. Wenn du davon über­zeugt bist, dass du schon alles hast, was du brauchst und nichts mehr werden musst, um wert­voll oder genug zu sein, kannst du unglaub­lich viel Ener­gie frei­set­zen. Ener­gie für die Dinge, die dir am Herzen liegen, egal ob sie in den Augen ande­rer nich­tig sind.

7mind_z_inspiration_mindset



4. Ohne Fleiß kein Preis
- Ich muss etwas leis­ten, um Aner­ken­nung zu ver­die­nen

Noch so ein Moti­va­ti­ons­spruch, der eigent­lich ver­mit­telt, dass man erst­mal etwas zu leis­ten hat, um über­haupt etwas erwar­ten zu können. Aner­ken­nung will ver­dient sein, ein gutes Leben auch. Prak­tisch gese­hen stimmt das natür­lich auch, man geht arbei­ten, um sich seinen Lebens­un­ter­halt zu ver­die­nen, um sich Dinge leis­ten zu können, die man gerne macht. Wenn man sich aber durch den Arbeits­all­tag quält oder jah­re­lang einen Job ausübt, den man eigent­lich nicht mag, nur um einmal im Jahr in den Som­mer­ur­laub zu fahren, dann fehlt einem womög­lich die Balance. Natür­lich ist gegen Fleiß gene­rell nichts ein­zu­wen­den, denn er zeigt auch, dass man mit Herz­blut und Lei­den­schaft bei der Sache ist. Den­noch sollte man sich auch für kleine Erfolge beloh­nen. Für die klei­nen Schritte, für die viel­leicht noch kein Schweiß geflos­sen ist, die aber trotz­dem zeigen, dass man auf dem Weg ist. Auch wenn die Leis­tungs­ge­sell­schaft immer noch ver­spricht, dass jeder, der wirk­lich will, es bis ganz nach oben schafft, heißt das noch lange nicht, dass sich dieser Weg lohnt — und das am Ende die rechte BEloh­nung wartet. Wie defi­nierst du Leis­tung für dich? Das muss nicht immer nur Arbeits­leis­tung sein. Was leis­test du zum Bei­spiel für deine Gesund­heit? Gib dir vor allem die Aner­ken­nung, die du ver­dienst und warte nicht darauf, sie im Außen zu erfah­ren. Das ist immer­hin der größte Preis, den du gewin­nen kannst und er ist immer dann zum Grei­fen nahe, wenn du freund­lich und lie­be­voll mit dir sprichst.

5. Vor­sicht ist besser als Nach­sicht
- Ich kann der Welt nicht ver­trauen

Jeder wird in seiner Kind­heit zu Vor­sicht ermahnt. Und das hat sicher­lich auch seine Berech­ti­gung, schließ­lich führt der unge­bremste Ent­de­cker­drang schon mal dazu, dass Kinder blind­lings über die Straße rennen, die Herd­platte mit den Fin­gern ertas­ten oder sich unge­nieß­bare Gegen­stände in den Mund ste­cken. Wäh­rend es in man­chen Situa­tio­nen defi­ni­tiv ratsam ist, vor­sich­tig zu sein, wird die Welt unter diesem Glau­bens­satz aber auch schnell zu einem bedroh­li­chen Ort. Gefah­ren lauern über­all, man sollte also auf der Hut sein, lieber zwei­mal hin­schauen, besser nicht auf­fal­len, nicht zu schnell rennen und vor allem keinen frem­den Men­schen ver­trauen! Wer diesen Glau­bens­satz ver­in­ner­licht kann Schwie­rig­kei­ten haben, der Welt zu ver­trauen, die Dinge auch mal los­zu­las­sen und die Kon­trolle abzu­ge­ben. Natür­lich macht es keinen Spaß, ver­letzt zu werden, hin­zu­fal­len oder her­aus­zu­fin­den, dass man Dreck nicht essen kann. Trotz­dem sollte man sich ab und zu

daran erin­nern, dass die Welt per se nicht gegen einen ist. Und nicht selten kommt man erst über Umwege zu den schöns­ten Aus­sich­ten! Also lasse Vor­sicht walten, wenn es darum geht, Gefah­ren zu ver­mei­den. Wenn du aller­dings spürst, dass Vor­sicht und Miss­trauen eher auto­ma­ti­sche Reak­tio­nen sind, die nicht zwin­gend etwas mit der Situa­tion im Hier und Jetzt zu tun haben, dann schau, ob du nicht doch mal ins kalte Wasser springst. Viel­leicht wartet eine erfri­schend neue Erfah­rung auf dich!

Glau­bens­sätze wirken oft in Stein gemei­ßelt, doch das sind sie nicht. In einem ersten Schritt reicht es schon, sie zu erken­nen und sich bewusst zu machen, wann man aus einem ver­al­te­ten Glau­bens­mus­ter heraus han­delt. In diesem Moment können wir inner­lich einen Stopp” setzen und sagen Ha! Das ist es schon wieder”. Mehr braucht es gar nicht. In dem Moment, in dem wir beob­ach­ten, statt zu reagie­ren, haben wir nicht nur den Glau­bens­satz durch­bro­chen, son­dern ein ganzes Stück Frei­heit dazu­ge­won­nen.

Diesen Arti­kel gibt es auch als Pod­cast­folge! Hier reinnhö­ren:


Gedan­ken­mus­ter durch­bre­chen mit Medi­ta­tion:
7Mind kos­ten­los star­ten


Das könnte dich auch inter­es­sie­ren:

5 Man­tras für eine posi­tive Gedan­ken­welt
So stärkt Medi­ta­tion dein Selbst­ver­trauen
Selbst­ak­zep­tanz: Was, wenn du rich­tig bist, wie du bist?