von Car­lotta Koroll

Wie uns Musik beein­flusst

Beim Jog­gen­ge­hen ist sie nicht weg­zu­den­ken, wäh­rend des Kochens lässt sie uns fröh­lich den Koch­löf­fel schwin­gen und zum Ent­span­nen am Sonn­tag beglei­tet sie uns auch. Musik ist aus unse­rem Leben nicht mehr weg­zu­den­ken.

Han­delt es sich dabei immer nur um Hin­ter­grund­be­rie­se­lung? Nein, sagt die Wis­sen­schaft. Ob bewusst zuge­hört oder Geplän­kel aus dem Super­mark­t­ra­dio — Musik beein­flusst sowohl Körper als auch Psyche. Wie genau sie das anstellt und wel­chen Nutzen Musik uns brin­gen kann, erklä­ren wir dir in diesem Arti­kel.

Der Weg der Musik vom Ohr zum Hirn

Selbst beim pas­si­ven Hören ist unser Kopf gut beschäf­tigt: Da sind unter­schied­li­che Ton­hö­hen, Melo­dien und Akkorde und die setzen wir unbe­wusst alle ins Ver­hält­nis zuein­an­der. Wie kommt es zu Reak­tio­nen wie Gän­se­haut, gestei­gerte Ener­gie oder star­ken Emo­tio­nen, wenn wir Musik hören?

Um den Weg der Musik zu ver­ste­hen, soll­ten wir beim Ohr anfan­gen. Wuss­test du, dass das Ohr eins der ältes­ten Organe des Men­schen ist? For­sche­rIn­nen fanden heraus, dass die Gehör­zel­len im Innen­ohr eine der ersten spe­zia­li­sie­ren Zellen der Evo­lu­tion waren. Über feine Ohren­här­chen werden Schall­wel­len in elek­tri­sche Signale umge­wan­delt und über den Hör­nerv zur Hörr­inde im Gehirn gelei­tet.

Dort wird Musik kom­plex ver­ar­bei­tet. Sowohl das Klein­hirn, das zustän­dig für unsere Kör­per­be­we­gun­gen und Gleich­ge­wichts­sinn ist, als auch das für höhere Funk­tio­nen des Bewusst­seins ver­ant­wort­li­che Groß­hirn wird durch Musik ange­spro­chen. Nicht zu ver­ges­sen ist auch das lim­bi­sche System, das unsere Emo­tio­nen lenkt. Aus dieser viel­schich­ti­gen Ver­ar­bei­tung kann man schon auf viele Effekte von Musik auf den Men­schen schlie­ßen. Aber dazu gleich mehr.

Übri­gens: Da Musik so viele ver­schie­dene Gehirn­areale anspricht, kann sie uns dabei helfen, uns an Dinge zu erin­nern. For­sche­rIn­nen ließen Ana­to­mie­stu­den­ten den Stoff durch Singen lernen. Her­aus­kam, dass sie sich die Infor­ma­tio­nen so tat­säch­lich leich­ter merk­ten.

meditationsmusik


Die Ver­bin­dung zu unse­ren Gefüh­len

Wir wissen schon, dass Musik unser lim­bi­sches System anspricht und Musik Hand in Hand mit unse­rem Gedächt­nis geht. Das erklärt, warum uns ein Song sofort in eine Situa­tio­nen zurück­ver­set­zen kann, auch wenn sie schon fünf Jahre her ist. Oder warum wir den ersten Her­schmerz allein durch eine alte CD noch mal durch­le­ben. Dazu kommen dann noch Hor­mone. Denn je nach Art der Musik schüt­tet unser Körper ver­schie­dene Hor­mone aus. 

Bei schnel­ler oder aggres­si­ver Musik erhöht sich das Adre­na­lin in unse­rem Körper — Sag Hallo zum Kraft­schub wäh­rend des Work­outs!

Bei sanf­ter Musik hin­ge­gen erhöht sich unser Nor­ad­re­na­lin­spie­gel. Das wie­derum kann die Aus­schüt­tung von Stress­hor­mo­nen ver­rin­gern und die Kon­zen­tra­tion von schmerz­kon­trol­lie­ren­den Beta­en­dor­phi­nen erhö­hen. Kein Wunder, dass die Schmerz­the­ra­pie schon länger zu Musik als Hilfs­mit­tel greift.

Erle­ben wir Musik mit ande­ren Men­schen zusam­men — auf einem Kon­zert oder beim gemein­sa­men Musik machen — schüt­tet unser Körper Oxy­to­cin aus. Das Bin­dungs­hor­mon tut genau das, wonach es benannt wurde. Es stärkt unsere emo­tio­nale Bin­dun­gen. Da haben wir also die bio­che­mi­sche Erklä­rung, warum Kon­zerte uns seit über einem Jahr so sehr fehlen…

Und wie steht es um trau­rige Musik? Dir geht es gerade rich­tig mies, du willst dich kom­plett deinen Gefüh­len hin­ge­ben und machst dafür erst mal das schwerste Album aus deiner Samm­lung an. In diesem Loch waren wir alle schon mal…
Die Frage ist: Zieht dich das noch tiefer in dein Loch oder erleich­tern dich die frei­ge­las­se­nen Gefühle? For­schun­gen zeigen: Letz­te­res. Nicht nur hoff­nungs­volle Musik ver­bes­sert unsere Stim­mung, son­dern gene­rell Musik, die unsere Stim­mung auf­greift und in Klänge formt. 

Musik in der Medi­zin

Dadurch, dass Musik eine Ent­span­nungs­re­ak­tion in unse­rem Körper aus­löst, findet Musik auch in der The­ra­pie­an­wen­dung ihren Platz. Zwei Expe­ri­mente unter­such­ten die Wir­kung genauer:

Expe­ri­ment 1: Musik im OP

In einem Sam­mel­be­richt von 73 Stu­dien zum Effekt von Musik ging hervor, dass Musik vor, wäh­rend und nach Ope­ra­tio­nen meh­rere posi­tive Aus­wir­kun­gen auf Pati­en­ten hat. Die Pro­ban­den, denen Musik gespielt wurde, hatten einen gerin­ge­ren Schmerz­mit­tel­be­darf und post­ope­ra­ti­ver Stress und Angst­zu­stänge gingen zurück. Span­nend ist außer­dem, dass selbst Musik, die nur wäh­rend der Voll­nar­kose gespielt wurde, ihren posi­ti­ven Effekt behielt! Welche Musik genau machte dabei keinen Unter­schied. Natür­li­cher­weise wurde ins­ge­samt aber nur ent­span­nende Musik gewählt. 

Expe­ri­ment 2: Gehirn­wel­len­än­de­rung

Das zweite Expe­ri­ment stammt vom Bul­ga­rier Geor­gie Losa­now, der die Wir­kung vom Musik im Gehirn maß. Spielte er seinen Pro­ban­den Barock­mu­sik mit 60 Hz vor, ver­rin­gerte sich der Herz­rhyth­mus um 5 Hz. Der Blut­druck sank und die Gehirn­wel­len­ak­ti­vi­tät ver­lang­samte sich auf Ent­span­nungs­ni­veau. Ähn­lich wie die Wir­kun­gen von Yoga und Medi­ta­tion!
Als zwei­tes maß er die Gehirn­ak­ti­vi­tät beim Hören des Rhyth­mu­ses von Uhr oder Metro­nom. Trotz glei­cher rhyth­mi­scher Geschwin­dig­keit, störte die Pro­ban­den schnell die Mono­to­nie, was dazu führte, dass sie die Geräu­sche als unan­ge­nehm emp­fan­den. Zur wahren Ent­span­nung brau­chen wir also den rich­ti­gen Rhyth­mus, jedoch ver­packt in ange­nehme Musik.

gerueche-gehirn


Wie Musik im Alltag unter­stützt

Zum Abschluss noch ein paar hand­feste Tipps, wie dich Musik im Alltag unter­stüt­zen kann:

Am Ende ist und bleibt obers­tes Gesetz: Musik ist Geschmacks­sa­che. Den besten Effekt hat Musik schließ­lich immer noch, wenn sie uns per­sön­lich gefällt und wir ihr mit Genuss zuhö­ren.

Und als Medi­ta­ti­ons­app dürfen wir natür­lich nicht ver­ges­sen: Stille ist hin und wieder auch nicht ver­kehrt. ;)


Die Pod­cast­folge zum Arti­kel:



Bild: Karo­lina Gra­bow­ska auf Pexels