Acht­sam­keit ist Trend. Das bewei­sen zahl­rei­che Blogs, Kon­fe­ren­zen und Pro­dukte rund um das Thema Mind­ful­ness”. Acht­sam­keit ist aber auch irgend­wie ein sper­ri­ges Wort, das man nicht ganz so leicht ins Herz schließt. Sei es, weil man gene­rell nicht mit dem Trend gehen möch­ten oder Medi­ta­ti­ons­prak­ti­ken bereits als spi­ri­tu­el­len Humbug abge­stem­pelt hat. Und doch ist in der Gesell­schaft eine gene­relle Sehn­sucht nach Ruhe und Gelas­sen­heit spür­bar. Von Jour­na­ling über Dank­bar­keits-Tage­bü­cher und acht­same Mor­gen­rou­ti­nen — Acht­sam­keit hat so viele Gesich­ter, dass man­chen gar nicht bewusst ist, dass sie viel­leicht sogar schon Acht­sam­keit prak­ti­zie­ren.

Das Spek­trum reicht von Büchern, die Erfolg durch Acht­sam­keit ver­spre­chen, bis hin zu Tipps, wie man durch Acht­sam­keit zu seiner Wunsch­fi­gur findet. Man­ches klingt fan­tas­tisch, vieles aus dem Hut gezau­bert. Ist wirk­lich so viel Wunder in der Tüte? Oder alles nur wirk­lich gutes Mar­ke­ting? Wir räumen auf.

Mind­ful­ness

Das tiefe Bedürf­nis nach Ruhe, Zufrie­den­heit und Ver­bun­den­heit ist kei­nes­falls ein neues Phä­no­men. Wie kommt es also, dass das Thema heute so aktu­ell ist wie noch nie?
Was ver­birgt sich hinter Hash­tags wie #mind­ful­ness oder #mind­ful­li­ving?

Hinter den vielen Pro­duk­ten und Auf­ru­fen zu mehr Selbst­für­sorge, steckt der Wunsch, sich selbst ein Stück­chen näher zu kommen. War es zu Beginn der Mensch­heit lebens­not­wen­dig, im Ein­klang mit seinem Umfeld zu leben, Gefah­ren früh­zei­tig zu erken­nen und sich anzu­pas­sen — sei es um einem Tiger aus­zu­wei­chen oder dem Regen zu folgen — ist es heute in Ver­ges­sen­heit gera­ten, auf die Signale seines Umfel­des und seines Kör­pers zu achten. Irgend­wie sind wir bequem gewor­den, träge. Gleich­zei­tig müssen wir nicht mehr nur Jah­res­zei­ten folgen, son­dern hun­der­ten von Men­schen auf Social Media. 

Wir leben so sehr im Außen, dass psy­chi­sche Belas­tun­gen gar nicht oder zu spät erst wahr­ge­nom­men werden, obgleich die Alarm­glo­cken schon lange klin­geln. Wir haben im 21. Jahr­hun­dert den Blick dafür ver­lo­ren, was uns wirk­lich gut tut und was nicht — zu gut ist das Mar­ke­ting eines Fast Food Kon­zerns, zu ver­lo­ckend die Betäu­bung durch Alko­hol und Co. Und wäh­rend vor eini­ger Zeit die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wege über Briefe und Co. bestrit­ten wurden und meist Tage benö­tig­ten, machen Mail, Whats­App und iMes­sage heute eine direkte Kom­mu­ni­ka­tion mög­lich. 24 Stun­den lang, 7 Tage die Woche. 

Der Acht­sam­keits­trend ist wie ein Hil­fe­ruf, end­lich wieder zurück zu seinen Wur­zeln finden zu dürfen. End­lich wieder zurück zu dem Kern des Seins. Und der ist eben nicht neben einem 120 Dezi­bel Laut­spre­cher im Techno Club in Berlin-Neu­kölln zu finden.

Pro­bie­ren geht über Stu­die­ren

Im Groben und Ganzen lässt sich Acht­sam­keit wie folgt erklä­ren: Es ist das Ankom­men in diesem Moment, im Hier und Jetzt. Frei von Bewer­tun­gen, frei von Ver­glei­chen.

Ziem­lich abs­trakt, ins­be­son­dere wenn in diesem Moment das Smart­phone vibriert und eine unend­lich lange To-Do-Liste darauf wartet, erle­digt zu werden. Doch genau hier liegt der Knack­punkt. Was sich auf der einen Seite abs­trakt anhört und nicht wirk­lich den Life­style des 21. Jahr­hun­derts matched, ist auf der ande­ren Seite eine wis­sen­schaft­lich erwie­sene Methode, Stress zu redu­zie­ren, Krank­hei­ten vor­zu­beu­gen und Bezie­hun­gen zu inten­si­vie­ren. Und im Prin­zip bedeu­tet es ein­fach, wieder zurück zum Ursprung des Men­schen zu gelan­gen. Also doch ganz schön viel Kon­fetti in der Wun­der­tüte!

Ruhe, Gelas­sen­heit und Stress­re­duk­tion sind Begleit­erschei­nun­gen der Acht­sam­keits­pra­xis. Wie die Neben­wir­kun­gen auf einem Bei­pack­zet­tel. Es gibt viele ver­schie­dene Wege, die eigene Acht­sam­keit zu prak­ti­zie­ren. Sei es über die mor­gend­li­che Medi­ta­tion, bewuss­tes Essen oder eine beru­hi­gende Atem­übun­gen vor dem Ein­schla­fen. Jeder ent­schei­det selbst, wie und wo Acht­sam­keit in sein Leben passt und wie sie gelebt werden kann. Es gibt nicht den einen rich­ti­gen Weg, viel­mehr viele Wege, Tools und Hil­fe­stel­lun­gen, die einen darin unter­stüt­zen, mehr im Hier und Jetzt zu leben und sich so voll und ganz zu erfah­ren. Sich schlicht­weg besser ken­nen­zu­ler­nen. Wir haben drei kleine Übun­gen für dich, mit denen du Acht­sam­keit einmal ganz prak­tisch erfah­ren kannst.

Lerne, deinen Atem zu beob­ach­ten:
7Mind kos­ten­los star­ten


1. Spüre deinen Körper

Eine erste und gute Mög­lich­keit Acht­sam­keit zu üben, ist, dich erst einmal auf der rein phy­si­schen Ebene zu spüren und Kon­takt zu dir auf­zu­neh­men. Ver­su­che über den Tast­sinn dein Kör­per­ge­fühl zu stär­ken. Nimm dir heute Abend Zeit, deine Füße zu mas­sie­ren. Ver­su­che zu unter­schei­den, welche Emp­fin­dun­gen zu deinen Füßen gehö­ren und welche zu deinen Händen. Ver­su­che die Wärme oder Kälte wahr­zu­neh­men. Den Druck deiner Hände. Spüre ob du intui­tiv lie­be­voll oder grob mit dir umgehst. Nutze die Gele­gen­heit, um so mit Kör­per­be­rei­chen aus­ein­an­der­zu­set­zen, die du sonst als ganz selbst­ver­ständ­lich nimmst. Was wärest du ohne Füße und Hände? Was für wun­der­volle Dienste leis­ten sie tag­täg­lich? Im Ver­gleich zu ande­ren Kör­per­stel­len berührst du deine Füße viel­leicht eher selten. Es kann also zunächst unge­wohnt erschei­nen, die eige­nen Fuß­soh­len zu berüh­ren. Denk aber mal nur für einen Moment dar­über nach, wo diese Füße schon über­all waren! In wel­chen Län­dern, an wel­chen Orten, neben wel­chen Men­schen sie schon gelau­fen sind. Du wirst sehen, dass sich schnell ein Gefühl der Dank­bar­keit ein­stel­len kann.

2. Eine Ebene tiefer

Füße und Hände sind ziem­lich kon­kret. Wir wissen wie sie aus­se­hen, können sie spüren, können sie betrach­ten. Ein biss­chen abs­trak­ter wird es in Sachen Atem. Der Atem ist etwas Wun­der­ba­res. Er geschieht, ohne dass du dir jemals Gedan­ken dar­über gemacht hast und hält dich jede Sekunde am Leben. Heute bewei­sen zahl­rei­che Stu­dien die stress­re­du­zie­rende Wir­kung des Atems. Umso wich­ti­ger, dich in der Acht­sam­keits­pra­xis deinem Atem zu widmen und Atmung als Objekt deiner Acht­sam­keit zu eta­blie­ren.

Beginne damit, dich beim Atmen zu beob­ach­ten. Schaue dir gedank­lich von Außen zu, wie du hier sitzt und atmest. Beob­achte auch die Bewe­gun­gen, die der Atem in deinem Körper ver­ur­sacht. Das Weiten und Zusam­men­zie­hen deines Brust­korbs und das sanfte Heben und Senken deiner Schul­tern sowie deiner Bauch­de­cke. Viel­leicht kannst du sogar kleine Bewe­gun­gen in deinem Rücken wahr­neh­men. Bleibe ein­fach nur bei der Bewe­gung deines Atems. Ver­su­che immer wieder her­aus­zu­fin­den, wie und wo deine Atem fließt. Ein­fach dasit­zen und beob­ach­ten. Mehr nicht.

Durch das ein­fa­che Beob­ach­ten des Atems gewinnst du schnell ein Gefühl dafür, wie es dir in diesem Moment geht. Atmest du schnell und flach, bist du mit großer Wahr­schein­lich­keit nervös, ange­spannt oder gestresst. Dein Atem steht in direk­ter Reso­nanz mit deiner Gefühls­lage. Lerne dich kennen! Den Atem zu beob­ach­ten bringt dich mit einem kör­per­li­chen Phä­no­men in Kon­takt. An sich ist das nichts Mys­ti­sches. Atem­übun­gen sind genau so uneso­te­risch wie deine Füße. Pro­bier es ein­fach aus.

3. Have a break

Das Gefühl, nicht genug Zeit zu haben, kann schnell darin münden, voll­kom­men aus­ge­brannt zu sein. Klar gehö­ren Belas­tun­gen zum Alltag und dafür ist unser Körper auch aus­ge­legt, doch genauso wie Akti­vi­tät zum Leben dazu gehört, soll­ten Pausen und Zeiten zur Rege­ne­ra­tion ein Teil deines All­ta­ges sein. Frage dich: Wann habe ich mir das letzte mal eine Pause genom­men? Sowohl kleine Pausen zwi­schen­durch, als auch große, geplante Aus­zei­ten wie Urlaub, Sab­ba­ti­cal oder Kuren soll­ten wenn nötig genom­men werden. 

Die Grund­idee hinter der Acht­sam­keit ist, dich selbst und deine Bedürf­nisse ken­nen­zu­ler­nen. Das wird sich dann auch auf deine Bezie­hun­gen und die Art und Weise, wie du mit der Natur und deinem Umfeld umgehst, über­tra­gen. Wie und ob Acht­sam­keit funk­tio­niert, ist deine indi­vi­du­elle Ent­schei­dung und Erfah­rung. Es liegt auch hier in deinem eige­nen Herr­schafts­be­reich, Acht­sam­keit so zu gestal­ten, dass es für dich sinn­voll ist. Suche den für dich geeig­ne­ten Bereich, um mit deiner Acht­sam­keit zu begin­nen. Für den einen ist Medi­ta­tion ein guter Ein­stieg, für den ande­ren die Fuß­mas­sage. Wieder andere schrei­ben gerne auf, für was sie dank­bar sind und ver­su­chen, sich auf diese Art etwas näher zu kommen. In der Acht­sam­keit kannst du nichts falsch machen. Es exis­tiert weder ein Grund­ge­setz noch eine Acht­sam­keits-Poli­zei. Ver­su­che deine für dich geeig­nete Methode und Praxis zu finden und lasse den Rest ein­fach gesche­hen. Du wirst sehen: Es lohnt sich, diese Wun­der­tüte zu öffnen.

Die Pod­cast­folge zum Impuls der Woche:


Jetzt ent­span­nen mit Medi­ta­tion:
7Mind kos­ten­los star­ten


Das könnte dich auch inter­es­sie­ren:

3 ein­fa­che Ent­span­nungs­übun­gen für jeden Tag
5 Atem­tech­ni­ken für mehr Ruhe und Gelas­sen­heit im Alltag
Acht­sam­keit für Ein­stei­ger: Welche Medi­ta­tion passt zu mir?

Bild: Wil­liam Farlow auf Uns­plash