Zwischen Eso-Kitsch & Trend: Was heißt Achtsamkeit für dich?

Jetzt mal Klartext: Achtsamkeit ist nicht nur ein Modewort! Finde heraus, was Achtsamkeit für dich bedeuten kann und wieso Meditation mehr ist als ein kurzweiliger Trend.

Achtsamkeit ist Trend. Das beweisen zahlreiche Blogs, Konferenzen und Produkte rund um das Thema “Mindfulness”. Achtsamkeit ist aber auch irgendwie ein sperriges Wort, das man nicht ganz so leicht ins Herz schließt. Sei es, weil man generell nicht mit dem Trend gehen möchten oder Meditationspraktiken bereits als spirituellen Humbug abgestempelt hat. Und doch ist in der Gesellschaft eine generelle Sehnsucht nach Ruhe und Gelassenheit spürbar. Von Journaling über Dankbarkeits-Tagebücher und achtsame Morgenroutinen - Achtsamkeit hat so viele Gesichter, dass manchen gar nicht bewusst ist, dass sie vielleicht sogar schon Achtsamkeit praktizieren.

Das Spektrum reicht von Büchern, die Erfolg durch Achtsamkeit versprechen, bis hin zu Tipps, wie man durch Achtsamkeit zu seiner Wunschfigur findet. Manches klingt fantastisch, vieles aus dem Hut gezaubert. Ist wirklich so viel Wunder in der Tüte? Oder alles nur wirklich gutes Marketing? Wir räumen auf.

#Mindfulness

Das tiefe Bedürfnis nach Ruhe, Zufriedenheit und Verbundenheit ist keinesfalls ein neues Phänomen. Wie kommt es also, dass das Thema heute so aktuell ist wie noch nie? Was verbirgt sich hinter Hashtags wie #mindfulness oder #mindfulliving?

Hinter den vielen Produkten und Aufrufen zu mehr Selbstfürsorge, steckt der Wunsch, sich selbst ein Stückchen näher zu kommen. War es zu Beginn der Menschheit lebensnotwendig, im Einklang mit seinem Umfeld zu leben, Gefahren frühzeitig zu erkennen und sich anzupassen - sei es um einem Tiger auszuweichen oder dem Regen zu folgen - ist es heute in Vergessenheit geraten, auf die Signale seines Umfeldes und seines Körpers zu achten. Irgendwie sind wir bequem geworden, träge. Gleichzeitig müssen wir nicht mehr nur Jahreszeiten folgen, sondern hunderten von Menschen auf Social Media.

Wir leben so sehr im Außen, dass psychische Belastungen gar nicht oder zu spät erst wahrgenommen werden, obgleich die Alarmglocken schon lange klingeln. Wir haben im 21. Jahrhundert den Blick dafür verloren, was uns wirklich gut tut und was nicht - zu gut ist das Marketing eines Fast Food Konzerns, zu verlockend die Betäubung durch Alkohol und Co. Und während vor einiger Zeit die Kommunikationswege über Briefe und Co. bestritten wurden und meist Tage benötigten, machen Mail, WhatsApp und iMessage heute eine direkte Kommunikation möglich. 24 Stunden lang, 7 Tage die Woche.

Der Achtsamkeitstrend ist wie ein Hilferuf, endlich wieder zurück zu seinen Wurzeln finden zu dürfen. Endlich wieder zurück zu dem Kern des Seins. Und der ist eben nicht neben einem 120 Dezibel Lautsprecher im Techno Club in Berlin-Neukölln zu finden.

Probieren geht über Studieren

Im Groben und Ganzen lässt sich Achtsamkeit wie folgt erklären: Es ist das Ankommen in diesem Moment, im Hier und Jetzt. Frei von Bewertungen, frei von Vergleichen.

Ziemlich abstrakt, insbesondere wenn in diesem Moment das Smartphone vibriert und eine unendlich lange To-Do-Liste darauf wartet, erledigt zu werden. Doch genau hier liegt der Knackpunkt. Was sich auf der einen Seite abstrakt anhört und nicht wirklich den Lifestyle des 21. Jahrhunderts matched, ist auf der anderen Seite eine wissenschaftlich erwiesene Methode, Stress zu reduzieren, Krankheiten vorzubeugen und Beziehungen zu intensivieren. Und im Prinzip bedeutet es einfach, wieder zurück zum Ursprung des Menschen zu gelangen. Also doch ganz schön viel Konfetti in der Wundertüte!

Ruhe, Gelassenheit und Stressreduktion sind Begleiterscheinungen der Achtsamkeitspraxis. Wie die Nebenwirkungen auf einem Beipackzettel. Es gibt viele verschiedene Wege, die eigene Achtsamkeit zu praktizieren. Sei es über die morgendliche Meditation, bewusstes Essen oder eine beruhigende Atemübungen vor dem Einschlafen. Jeder entscheidet selbst, wie und wo Achtsamkeit in sein Leben passt und wie sie gelebt werden kann. Es gibt nicht den einen richtigen Weg, vielmehr viele Wege, Tools und Hilfestellungen, die einen darin unterstützen, mehr im Hier und Jetzt zu leben und sich so voll und ganz zu erfahren. Sich schlichtweg besser kennenzulernen. Wir haben drei kleine Übungen für dich, mit denen du Achtsamkeit einmal ganz praktisch erfahren kannst.

Lerne, deinen Atem zu beobachten:

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1. Spüre deinen Körper

Eine erste und gute Möglichkeit Achtsamkeit zu üben, ist, dich erst einmal auf der rein physischen Ebene zu spüren und Kontakt zu dir aufzunehmen. Versuche über den Tastsinn dein Körpergefühl zu stärken. Nimm dir heute Abend Zeit, deine Füße zu massieren. Versuche zu unterscheiden, welche Empfindungen zu deinen Füßen gehören und welche zu deinen Händen. Versuche die Wärme oder Kälte wahrzunehmen. Den Druck deiner Hände. Spüre ob du intuitiv liebevoll oder grob mit dir umgehst. Nutze die Gelegenheit, um so mit Körperbereichen auseinanderzusetzen, die du sonst als ganz selbstverständlich nimmst. Was wärest du ohne Füße und Hände? Was für wundervolle Dienste leisten sie tagtäglich? Im Vergleich zu anderen Körperstellen berührst du deine Füße vielleicht eher selten. Es kann also zunächst ungewohnt erscheinen, die eigenen Fußsohlen zu berühren. Denk aber mal nur für einen Moment darüber nach, wo diese Füße schon überall waren! In welchen Ländern, an welchen Orten, neben welchen Menschen sie schon gelaufen sind. Du wirst sehen, dass sich schnell ein Gefühl der Dankbarkeit einstellen kann.

2. Eine Ebene tiefer

Füße und Hände sind ziemlich konkret. Wir wissen wie sie aussehen, können sie spüren, können sie betrachten. Ein bisschen abstrakter wird es in Sachen Atem. Der Atem ist etwas Wunderbares. Er geschieht, ohne dass du dir jemals Gedanken darüber gemacht hast und hält dich jede Sekunde am Leben. Heute beweisen zahlreiche Studien die stressreduzierende Wirkung des Atems. Umso wichtiger, dich in der Achtsamkeitspraxis deinem Atem zu widmen und Atmung als Objekt deiner Achtsamkeit zu etablieren.

Beginne damit, dich beim Atmen zu beobachten. Schaue dir gedanklich von Außen zu, wie du hier sitzt und atmest. Beobachte auch die Bewegungen, die der Atem in deinem Körper verursacht. Das Weiten und Zusammenziehen deines Brustkorbs und das sanfte Heben und Senken deiner Schultern sowie deiner Bauchdecke. Vielleicht kannst du sogar kleine Bewegungen in deinem Rücken wahrnehmen. Bleibe einfach nur bei der Bewegung deines Atems. Versuche immer wieder herauszufinden, wie und wo deine Atem fließt. Einfach dasitzen und beobachten. Mehr nicht.

Durch das einfache Beobachten des Atems gewinnst du schnell ein Gefühl dafür, wie es dir in diesem Moment geht. Atmest du schnell und flach, bist du mit großer Wahrscheinlichkeit nervös, angespannt oder gestresst. Dein Atem steht in direkter Resonanz mit deiner Gefühlslage. Lerne dich kennen! Den Atem zu beobachten bringt dich mit einem körperlichen Phänomen in Kontakt. An sich ist das nichts Mystisches. Atemübungen sind genau so unesoterisch wie deine Füße. Probier es einfach aus.

3. Have a break

Das Gefühl, nicht genug Zeit zu haben, kann schnell darin münden, vollkommen ausgebrannt zu sein. Klar gehören Belastungen zum Alltag und dafür ist unser Körper auch ausgelegt, doch genauso wie Aktivität zum Leben dazu gehört, sollten Pausen und Zeiten zur Regeneration ein Teil deines Alltages sein. Frage dich: “Wann habe ich mir das letzte mal eine Pause genommen? Sowohl kleine Pausen zwischendurch, als auch große, geplante Auszeiten wie Urlaub, Sabbatical oder Kuren sollten wenn nötig genommen werden.

Die Grundidee hinter der Achtsamkeit ist, dich selbst und deine Bedürfnisse kennenzulernen. Das wird sich dann auch auf deine Beziehungen und die Art und Weise, wie du mit der Natur und deinem Umfeld umgehst, übertragen. Wie und ob Achtsamkeit funktioniert, ist deine individuelle Entscheidung und Erfahrung. Es liegt auch hier in deinem eigenen Herrschaftsbereich, Achtsamkeit so zu gestalten, dass es für dich sinnvoll ist. Suche den für dich geeigneten Bereich, um mit deiner Achtsamkeit zu beginnen. Für den einen ist Meditation ein guter Einstieg, für den anderen die Fußmassage. Wieder andere schreiben gerne auf, für was sie dankbar sind und versuchen, sich auf diese Art etwas näher zu kommen. In der Achtsamkeit kannst du nichts falsch machen. Es existiert weder ein Grundgesetz noch eine Achtsamkeits-Polizei. Versuche deine für dich geeignete Methode und Praxis zu finden und lasse den Rest einfach geschehen. Du wirst sehen: Es lohnt sich, diese Wundertüte zu öffnen.

Die Podcastfolge zum Impuls der Woche:


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