Car­lotta Koroll

Acht­sa­mes Arbei­ten: So funktioniert’s

Acht­sam­keit bedeu­tet, den Ist-Zustand wahr­zu­neh­men ohne ihm eine innere Wer­tung zu geben. Immer mehr Men­schen werden von dieser Idee ange­fixt, berich­ten von inne­rer Gelas­sen­heit, inten­si­vem Glücks­emp­fin­den, Ruhe und Zufrie­den­heit – Klingt ja alles schön, aber sind das nicht genau die Dinge, die wir mor­gens vor der Büro­tür able­gen? Dabei beschert uns innere Ruhe nicht nur ein zufrie­de­nes, son­dern auch ein gesün­de­res Leben. Die Stu­di­en­lage über­zeugt, auch im Rahmen des betrieb­li­chen Gesund­heits­ma­nage­ments Acht­sam­keit einen Platz zu geben. Denn men­tale Gesund­heit gehört genauso zur Prä­ven­tion wie ein gesun­der Körper. Des­we­gen schauen uns wir an, mit wel­chen Kon­zep­ten große Unter­neh­men Erfolg haben. Und auch du kannst Acht­sam­keit im Job üben, ohne dafür zwei Zen­ti­me­ter über dem Boden zu schwe­ben. Wir zeigen dir, wie.

First things first: Woher kommt eigent­lich die Idee, Arbeit und Acht­sam­keit zu ver­bin­den?

Die Arbeits­welt braucht Acht­sam­keit

Neue Arbeits­mo­delle, Home Office, Work­shops oder Sport­an­ge­bote: Der Trend, den Arbeit­neh­mern mehr als einen siche­ren Job mit Auf­stiegs­mög­lich­kei­ten und attrak­ti­ver Ver­gü­tung zu bieten, steigt seit Jahren an. Es scheint, als würden wir nun die Aus­wir­kun­gen des stetig wach­sen­den Drucks unse­rer Leis­tungs­ge­sell­schaft erken­nen – Laut einer Studie der pro­nova BKK steht jeder zweite Berufs­tä­tige unter dem Risiko eines Bur­nouts. Dar­über, ob die Lösung des Pro­blems in einer vier-Tage-Woche oder einem viel­fäl­ti­gen Frei­zeit­an­ge­bot liegt, lässt sich strei­ten. Doch wir sind uns sicher: Der Wandel hin zu einer gesun­den Arbeits­welt muss mit Acht­sam­keit begin­nen. Ein reflek­tier­ter Umgang mit der Arbeits­zeit, dem Team und den eige­nen Emo­tio­nen sind Vor­aus­set­zung für einen pro­duk­ti­ven und erfüll­ten Arbeit­neh­mer — und damit ein nach­hal­tig erfolg­rei­ches Unter­neh­men.

Durch Acht­sam­keit arbei­ten Mit­ar­bei­ter kon­zen­trier­ter, Teams kom­mu­ni­zie­ren klarer und Füh­rungs­kräfte können die Fähig­kei­ten der Arbeit­neh­me­rin­nen besser ein­schät­zen. Eine Studie mit 1200 Men­schen zeigt deut­lich, dass Acht­sam­keits­trai­nings sowohl auf emo­tio­na­ler als auch auf phy­si­scher und kogni­ti­ver Ebene zu Ver­än­de­run­gen führen. In der Studie nahmen die Mit­ar­bei­ter an einem Acht­sam­keits­trai­ning von 10 Ein­hei­ten teil, das sich über 12 Wochen erstreckte. Den Teil­neh­mern gelang es unter ande­rem, den Zwi­schen­raum zwi­schen Reiz und Reak­tion in Stress­si­tua­tio­nen zu erken­nen und bedach­ter zu han­deln. Mehr Gelas­sen­heit, eine ange­neh­mere Atmo­sphäre und höhere Krea­ti­vi­tät waren die Folge. Kein Wunder, dass solche Trai­nings in immer mehr Firmen ange­bo­ten werden.

Erfolg­rei­che Unter­neh­men, die Acht­sam­keit prä­di­gen

Wie oben schon gemerkt, expe­ri­men­tie­ren immer mehr Unter­neh­men mit ihrer Kultur. Auch Helmut Lind, Vor­stands­vor­sit­zen­der der Sparda-Bank Mün­chen nimmt Acht­sam­keit ernst. Das bedeu­tet für ihn, den Mit­ar­bei­ter als Mensch in den Vor­der­grund zu stel­len, nicht nur den Nutzen für das Unter­neh­men. Mensch­sein im Beruf und im Pri­va­ten zu tren­nen, halte ich für absurd“. Prak­tisch bedeu­tet das für ihn, seinen Mit­ar­bei­te­rIn­nen Acht­sam­keits­se­mi­nare und Medi­ta­tio­nen anzu­bie­ten und gegen­sei­tige Unter­stüt­zung zum Bei­spiel in pri­va­ten Krisen zu geben. Das kann in Form von beruf­li­cher Wei­ter­bil­dung, finan­zi­el­ler Hilfe oder einem gene­rel­len Inter­esse für das Leben der Mit­ar­bei­ter gezeigt werden.

Selbst große Unter­neh­men wie SAP, Bosch und Con­ti­nen­tal schla­gen einen acht­sa­me­ren Kurs ein. Sie bieten ihren Mit­ar­bei­tern das bekannte Acht­sam­keits­trai­ning von Google Search Inside Yours­elf“ an. Das Pro­gramm wurde 2007 von Google Mit­ar­bei­ter Chade-Meng Tan mit Unter­stüt­zung von Jon Kabat-Zinn und ande­ren Exper­ten ent­wi­ckelt. Mitt­ler­weile gehört es bei zu den Semi­na­ren mit den längs­ten War­te­lis­ten.

Was zeich­net ein acht­sa­mes Unter­neh­men aus?

Ein Blick in das Search Inside Yours­elf“ Pro­gramm lässt drei Grund­pfei­ler erken­nen: Acht­sam­keit, emo­tio­nale Intel­li­genz und neu­ro­wis­sen­schaft­li­che For­schung. Diese drei Punkte ergän­zen sich näm­lich wun­der­bar. Acht­sam­keit unter­stützt die Selbst­wahr­neh­mung und Selbst­re­gu­la­tion, sie lässt uns also gelas­se­ner mit Stress umge­hen. Durch emo­tio­nale Intel­li­genz wird die Kom­mu­ni­ka­tion und die Team­ar­beit gestärkt, aber auch der Umgang mit Kunden und Part­nern pro­fi­tiert davon. Und die neu­ro­wis­sen­schaft­li­che For­schung gibt Auf­klä­rung über die Aus­wir­kung unse­rer Denk­ge­wohn­hei­ten, emo­tio­na­len Muster und Hand­lungs­wei­sen.

Zusam­men­fas­send bedeu­tet Acht­sam­keit im Unter­neh­men, reflek­tiert mit den eige­nen Emo­tio­nen und Denk­mus­tern umzu­ge­hen, ein­an­der zu respek­tie­ren und so nicht nur das Gemein­schafts­ge­fühl, son­dern auch die indi­vi­du­elle und gemein­same Effi­zi­enz zu stei­gern.

Und was, wenn mein Arbeit­ge­ber keinen Wert auf Acht­sam­keit legt?

Je nach Unter­neh­mens­struk­tur ergibt sich nicht immer die Mög­lich­keit, ein neues Semi­nar anzu­sto­ßen. Trotz­dem kannst du etwas tun. Als erstes ist es wich­tig, mit gutem Bei­spiel voran zu gehen. Setze dich per­sön­lich mit dem Thema Acht­sam­keit aus­ein­an­der und ent­wickle deine eigene Praxis. Medi­ta­tion, Yoga, MBSR – an Ange­bo­ten man­gelt es heute glück­li­cher­weise nicht mehr. Auch in unse­rer 7Mind App fin­dest du kurze Ein­hei­ten, die auf den Joball­tag zuge­schnit­ten sind und ganz leicht in den Arbeits­tag ein­ge­scho­ben werden können. Spürst du die Effekte am eige­nen Leib, kannst du auch andere Men­schen mit deiner Über­zeu­gung anste­cken. So kannst du deinem Vor­ge­setz­tem vom wis­sen­schaft­li­chen Hin­ter­grund und posi­ti­ven Fall­bei­spie­len in Unter­neh­men erzäh­len. Stelle auch deut­lich dar, wie Acht­sam­keit euer Team posi­tiv beein­flus­sen könnte. Viel­leicht erweckst du dadurch Inter­esse oder stößt zumin­dest eine Kon­ver­sa­tion an.

Impulse für einen acht­sa­men Arbeits­tag

Bist du neu­gie­rig gewor­den? Wir haben noch vier Impulse, wie du Acht­sam­keit in deinen Arbeits­tag inte­grie­ren kannst.

Beginne den Arbeits­tag lang­sam

Anstatt ins Büro zu kommen und sofort Mails und Nach­rich­ten zu che­cken, gehe den Tag mit Ruhe an. Viel­leicht räumst du dir erst deinen Arbeits­platz zurecht, stellst dir etwas zum Trin­ken bereit oder nimmst ein paar tiefe Atem­züge. Bereite dich vor, indem du dir deinen Fokus und Prio­ri­tä­ten bewusst machst. So kann auch ein voller Arbeits­tag ent­spannt begin­nen – und eine ruhige Basis wird dich die nächs­ten Stun­den über stär­ken.

Steige recht­zei­tig aus dem Auto­pi­lo­ten aus

Jeder gerät mal unter Druck. Viel­leicht ist es die Kritik von der Chefin oder die zusätz­li­chen Auf­ga­ben des kran­ken Kol­le­gen, die deinen Puls schnel­ler schla­gen lassen. Oft läuft es eben nicht nach Plan. Aber denk dran: Dein Körper ist ein wun­der­ba­rer Stress­de­tek­tor. Dein Atem wird flach? Die Kör­per­tem­pe­ra­tur steigt? Das sind deine Signale, um inne­zu­hal­ten und den Raum zwi­schen Reiz und Reak­tion aus­zu­kos­ten. Was setzt dich gerade wirk­lich unter Druck und wie sieht die Welt ganz sach­lich gese­hen gerade aus? Ja, manch­mal hat der Tag ein­fach nicht genü­gend Stun­den oder der Kom­men­tar von der Chefin trifft dich per­sön­lich. Aber deine Reak­tion hast du in genau diesem Moment in der Hand. Halte inne. Atme. Und handle dann.

Kom­mu­ni­ziere acht­sam mit Kol­le­gIn­nen

Manch­mal läuft es im Team wie geschmiert und dann kommt eben wieder eine Phase, in der man anein­an­der vorbei redet, unter­schied­li­che Mei­nun­gen hat oder einen per­sön­li­chen Kon­flikt. In diesen Situa­tio­nen heißt es: Zuhö­ren und Ver­ständ­nis auf­brin­gen. Bevor du dich in den Stru­del der passiv aggres­si­ven Mails oder dem gegen­sei­ti­gen Unter­bre­chen begiebst, nimm ein mal die Per­spek­tive deines Gegen­über ein. Was könnte hinter seinem oder ihrem Han­deln stehen? Welche Wün­sche oder Ängste trei­ben ihn oder sie gerade mög­li­cher­weise an? Auch wenn wir uns jeden Tag sehen, können wir nie wissen, was im Leben des ande­ren pas­siert. Sei dir dessen bewusst und bleibe auf einer Ebene des Zuhö­rens und der acht­sa­men Kom­mu­ni­ka­tion.

So unter­stüt­zen wir dein Unter­neh­men

Möch­test du dein Unter­neh­men unter­stüt­zen und Acht­sam­keit in dein Team brin­gen? 7Mind hat ein Ange­bot ent­wi­ckelt, dass Medi­ta­tion im Unter­neh­men ver­an­kert. Mit den 750 Ent­span­nungs­übun­gen unse­rer App, beglei­ten­den Impul­sen und Work­shops werden Mit­ar­bei­ter Schritt für Schritt an das Thema her­an­ge­führt. Stres­sprä­ven­tion, Resi­li­enz im Berufs­all­tag und acht­sa­mes Führen sind nur einige unse­rer Themen! Mehr Infor­ma­tio­nen über 7Mind für Unter­neh­men fin­dest du hier. Oder kon­tak­tiere uns direkt für ein indi­vi­du­el­les Ange­bot oder Gespräch.


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Bild: Andrea Pia­c­qua­dio auf Pexels