Altern in der Welt: Was Kulturen unterscheidet und verbindet

Das Alter wird in westlichen Ländern selten mit Vorfreude erwartet, doch ist das überall so? Wie andere Kulturen das Älterwerden betrachten und damit umgehen.

Lasst uns übers Altwerden sprechen! Das ruft bei den meisten wahrscheinlich keine Begeisterung hervor. Denn Alter wird vor allem mit Verlusten - von Freiheit, Kontrolle, und geliebten Menschen - assoziiert. Doch wir alle (nun ja, die Glücklichen unter uns) werden irgendwann ein höheres Alter erreichen. Die wirklich spannende Frage ist, ab wann wir wirklich "alt" sind und wer diesen Zeitpunkt bestimmt. Darum soll es heute aber nicht gehen.

Heute umrunden wir lieber den Globus und finden heraus, wie das Alter in anderen Kulturen angesehen wird. Haben die Menschen überall Angst vor dem Altwerden? Oder haben die Ältesten in manchen Regionen gar eine besondere Stellung in der Gesellschaft? Wie wir herausfinden werden, sind wir uns alle tatsächlich sehr ähnlich.

Richtig relevant wurde die Forschung der Gerontologie (Alterswissenschaft) für die Gesellschaft, seit diese älter wurde. Und genau dieser demographische Wandel findet gerade statt, übrigens nicht nur in Europa: Auf allen Kontinenten, außer Afrika, steigt der Anteil der über 65-jährigen seit 1950 kontinuierlich. Bevor wir uns mit dem Rest der Welt beschäftigen, sollten wir aber erst mal klären, wie die deutsche Gesellschaft auf das Altern blickt.

Wie blickt Deutschland auf das Alter?

Nach dem deutschen Alterssurvey von 2014 wird dem Alter sowohl mit positiven Erwartungen, wie die Chance zur persönlichen Weiterentwicklung, aber auch mit Sorgen über körperliche Einschränkungen entgegen gesehen.

Laut Altersforscherin Carolin Kollewe überwiegen im Moment noch die Sorgen und Ängste der Deutschen, doch die Wahrnehmung weist einen positiven Trend auf. Einen Hinweis dafür liefern auch Medien und Werbung. Es werden immer mehr fröhliche, optimistische Bilder von älteren Menschen, die fit und aktiv aussehen, verbreitet, anstatt Pflegeprodukte und Einschränkungen in den Vordergrund zu stellen. Eine Gefahr davon wiederum sei, laut C. Kollewe, dass sich Menschen unter Druck fühlen, wenn sie es nicht schaffen, diese vitale Lebensweise umzusetzen. "Es zeigt sich also, dass ein differenziertes Altersbild notwendig ist, das sowohl die Stärken als auch die Grenzen des Alters berücksichtigt", sagt Carolin Kollewe.

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Altern in anderen Kulturen

Blicken wir über den Tellerrand hinaus - Wie altert es sich in anderen Ländern und Kontinenten?

In den USA ziehen sich ältere Menschen gerne in klimatisch angenehme Orte zurück, um dort ihr Leben nach ihren persönlichen Vorstellungen zu leben. Da dies jedoch nur für eine soziale Oberschicht möglich ist, müssen viele andere ihre Rente durch Nebenjobs aufbessern.

In Nordeuropa ist es für Senioren üblich, sich durch ehrenamtliche Arbeit in Vereinen oder Verbänden zu engagieren, während in Südeuropa durch Mehr-Generationen-Haushalte die Beziehung zwischen den Generationen im Vordergrund steht.

In China herrscht die lange Tradition, dass sich die Kinder um die älteren Familienmitglieder kümmern. Doch durch die Ein-Kind-Politik ist das für die Jungen mittlerweile kaum mehr zu tragen.

Und in Afrika, wo der Anteil der Menschen, die älter als sechzig werden, im Gegensatz zu Industriestaaten sehr gering ist, herrschen besonders starke Unterschiede zwischen Land- und Stadtbevölkerung: Die jungen Menschen ziehen in die Städte, während die Älteren sich auf dem Land zum Großteil selbst versorgen.

Der gemeinsame Nenner

Wie wir erkennen, variieren die Umstände des Alterns in den Kulturen durch verschiedene politische Rahmenbedingungen stark. Klar, wie (und ob) sich deine Rente zusammensetzt oder wie stark die Integration der älteren Bevölkerung in die Gesellschaft gefördert wird, macht einen großen Unterschied für die Lebensqualität im Alter. Gleichzeitig gleichen sich die Probleme und Sorgen des Alters durch die Globalisierung immer mehr an.

Eine Studie der Bosch-Stiftung, die die Altersbilder in sieben Länder verglich, zeigt, dass ein optimistisches Altersbild vor allem in jenen Ländern herrscht, in denen ältere Menschen eher erwerbstätig sind, wie Japan und Norwegen. Die Tätigkeit im hohen Alter führe zu einem hohen Maß an sozialer Integration.

Das Ziel der Integration in die Arbeitswelt wurde in allen sieben Ländern der Studie erkannt, wobei es durch unterschiedliche Maßnahmen verfolgt wird: So gibt es in England das Antidiskriminierungsgesetz, das die Chancen älterer Menschen auf dem Arbeitsmarkt sichern soll. In Frankreich wird eher das gesellschaftliche Engagement durch Angebote für Senioren gefördert.

Heißt die Lösung also Integration?

Es leuchtet ein, dass die Teilhabe am sozialen Leben, sei es durch einen Job oder eine ehrenamtliche Tätigkeit, die Lebensqualität stärkt. Solche Aufgaben und Ziele sind sinnstiftend und die allermeisten Menschen möchten sich auf die eine oder andere Weise nützlich fühlen, da es sie zufrieden und glücklich macht.

Ist Integration also die Lösung für ein glückliches Altwerden? Wir haben gesehen, dass auch politische Rahmenbedingungen, kulturelle Traditionen und Herausforderungen, mit denen ein Land zu kämpfen hat, berücksichtigt werden müssen. Die Beantwortung dieser Frage überlassen wir also lieber den GerontologInnen.

Dennoch zeigt der Blick über den Tellerrand, wie vielschichtig das Älterwerden ist. Ein Schritt aus der eigenen Blase heraus schadet eben nie.

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Bild: Tristan Le auf Unsplash

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