von Daniela Obers

Wie sagt man?” große, erwach­sene Augen schauen mit einer elter­li­chen Strenge auf das Kind her­un­ter.

Danke.” Piepst es und schiebt sich den Bonbon in den Mund, den es gerade über die Theke beim Bäcker gereicht bekom­men hat. Den Eltern wird aner­ken­nend zuge­nickt, das Kind hat durch den Aus­druck der Dank­bar­keit höf­li­ches Beneh­men gezeigt. Braves Kind. Gutes Kind. So in etwa sieht bei den meis­ten die erste Asso­zia­tion aus, wenn es um Kinder und Dank­bar­keit geht. Die klas­si­sche Höf­lich­keits-Dank­bar­keit.

Für diesen Arti­kel habe ich mir die Aus­wir­kun­gen einer echten Dank­bar­keits­pra­xis bei Kin­dern ange­schaut. Echt in dem Sinne, dass sie die Dank­bar­keit tat­säch­lich spüren. Dass es wirk­lich darum geht, für etwas dank­bar zu sein und nicht um ein gemur­mel­tes Danke” aus Höf­lich­keit. Außer­dem gebe ich euch ein paar Tipps mit an die Hand, um jene Dank­bar­keits­pra­xis gemein­sam mit Kin­dern zu stär­ken.

Mehr Dank­bar­keit für (fast) alle, bitte!

Bevor wir uns Dank­bar­keit bei Kin­dern zuwen­den zuwen­den, möchte ich euch noch ein paar Dank­bar­keits-Basics an die Hand geben. So viel sei vorab gesagt: Es lebe die Dank­bar­keit! Aber nicht in jedem Alter…

Dank­bar­keit ist eine posi­tive Emo­tion, in der so viel mehr als nur Höf­lich­keit steckt. Und das gilt nicht nur für Kinder, son­dern für jede Alters­gruppe. For­schun­gen aus dem Bereich der posi­ti­ven Psy­cho­lo­gie zeigen, dass Dank­bar­keit einer der Schlüssele­mo­tio­nen ist, wenn es um Lebens­zu­frie­den­heit, Glück, bes­sere Gesund­heit und das Führen inten­si­ve­rer Bezie­hun­gen geht. Außer­dem zeigen meh­rere Stu­dien, dass dank­bare Men­schen hilfs­be­reit, tole­rant, gewis­sen­haf­ter und weni­ger neu­ro­tisch sind (vgl. Froh et al. 2010; Emmons & McCull­ough 2004; McCull­ough et al.)

Früh übt sich also in Sachen Dank­bar­keit. Aber je früher, desto besser? Nicht ganz!

Um Dank­bar­keit emp­fin­den zu können, sind eine Reihe von Fähig­kei­ten not­wen­dig, die wir erst im mitt­le­ren Kin­des­al­ter ent­wi­ckeln. Dank­bar­keit ist ein psy­chi­scher Denk- und Wahr­neh­mungs­pro­zess. Mit zu den not­wen­di­gen Fähig­kei­ten gehö­ren:

Gerade die Ursa­chen­zu­schrei­bung ist für die Qua­li­tät der emp­fun­de­nen Dank­bar­keit sehr wich­tig. Das emo­tio­nale Erle­ben der Dank­bar­keit wird ver­stärkt, wenn man sich Gedan­ken über die Zu-Taten dieses Gefühls, der Ursa­che macht. 

Das bedeu­tet weder die Höf­lich­keits­dank­bar­keit noch die dar­über hinaus gehende Dank­bar­keits­pra­xis soll­ten oder können schon mit dem ersten gespro­che­nen Wort geübt werden.

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Mit Dank­bar­keit Grund­steine legen

Warum soll­ten wir nun expli­zit mit Kin­dern die Fähig­keit der Dank­bar­keit üben? Weil sich die Kom­pe­ten­zen für ein gutes und zufrie­de­nes Leben umso besser ent­fal­ten und grei­fen können, je früher wir begin­nen sie zu üben. Dank­bar­keit wird in sich zur Lebens­kom­pe­tenz.

Dank­bar­keit för­dert Selbst­wahr­neh­mung und Refle­xi­ons­ver­mö­gen

Mit Kin­dern dar­über zu spre­chen, wofür sie dank­bar sind, schult deren Fähig­keit der Selbst­wahr­neh­mung und Refle­xion. Sie üben sich darin, die eige­nen Emo­tio­nen zu hin­ter­fra­gen und sich jene oben erwähnte Ursa­chen­zu­schrei­bung bewusst zu machen. Dank­bar­keit ist mit der Basis­e­mo­tion Freude ver­wandt. Wir sind für etwas dank­bar, das uns Freude berei­tet, etwas posi­ti­ves. Übt sich ein Kind schon früh in der Wahr­neh­mung dar­über, was es fröh­lich und somit dank­bar macht, so erhält es sehr früh einen Zugang zur Quelle des eige­nen Wohl­be­fin­dens.

Durch Dank­bar­keits­pra­xis üben sie sich darin, ihre Gefühle zu erken­nen. Es fällt uns zudem leich­ter, die Fähig­keit auch im Erwach­se­nen­al­ter zu behal­ten, wenn man schon als Kind übt. Im Erwach­se­nen­al­ter müssen wir viel inten­si­ver daran arbei­ten, einen sol­chen Zugang zu unse­ren Gefüh­len zu bekom­men, um in die Selbst­re­fle­xion zu gehen. Es ist eine neue Denk­weise für unser so rou­ti­nen-lie­ben­des Gehirn. Als Kind geht das viel spie­le­ri­scher und unge­zwun­ge­ner.

Wäre es nicht total prak­tisch, erleich­ternd und wohl­tu­end, mit dem klaren Ver­ständ­nis dar­über auf­zu­wach­sen, was uns Freude macht? So mit Blick auf all die Lebens­ent­schei­dun­gen ange­fan­gen beim Sport­ver­ein, dem Stu­di­en­fach oder Aus­bil­dungs­be­ruf oder dem Wohn­ort?

Spre­chen wir mit den Kin­dern regel­mä­ßig über so etwas abs­trak­tes wie Emo­tio­nen und deren Ursa­chen — z. B. Dank­bar­keit, so schult es zudem ihre Aus­drucks­fä­hig­keit.

Ver­bun­den­heit und Selbst­ver­trauen mit Dank­bar­keit stär­ken

Dank­bar­keit schafft Ver­bun­den­heit mit ande­ren, es ist so etwas wie ein sozia­les Bin­de­mit­tel unse­rer Gesell­schaft. Reflek­tie­ren Kinder z. B. über den Wert ihrer Freund­schaft oder der Bezie­hung zu ihren Geschwis­tern, so werden sie sich dem Wert dieser Bezie­hun­gen bewusst. Äußern sie diese Dank­bar­keit dann auch, so hilft sie, Bezie­hun­gen auf­zu­bauen und diese auch auf­recht zu erhal­ten und zu stär­ken.

Durch Ver­bun­den­heit schaf­fen Kinder es eher, eine Ich schaffe das Hal­tung” auf­zu­bauen, sie fühlen sich unter­stützt. So stärkt Dank­bar­keit durch gelebte Ver­bun­den­heit auch das Selbst­ver­trauen.

3 Tipps für die Dank­bar­keits­pra­xis mit Kin­dern

Und wie übt man nun Dank­bar­keit mit Kin­dern? Hier gibt es drei Tipps für euch — ganz egal ob für das eigene Kind oder — viel­leicht noch eige­ner“ – euer inne­res Kind. 

1. Nicht ver­za­gen, weiter fragen

Emo­tio­nen zu spüren, Dank­bar­keit als solche im eige­nen klei­nen Kin­der­herz zu erken­nen und das Ganze dann auch noch in Worte zu fassen, ist gar nicht so ein­fach. Fragt des­we­gen ein­fach jeden Tag, wofür euer Kind heute dank­bar ist. Gebt Bei­spiele aus eurem eige­nen Leben. Ob für den Besuch der Oma, den Son­nen­schein oder die lecke­ren Pommes zum Abend­es­sen – man kann für so vieles dank­bar sein. Macht ihr es zum Ritual, so fragt sich euer Kind bald ganz von selbst wofür es heute dank­bar ist.

2. Schreibs auf!

Ein belieb­tes Medium, um Dank­bar­keit fest­zu­hal­ten, sind Dank­bar­keits­ta­ge­bü­cher. Auch hier wird die Dank­bar­keit mit dem täg­li­chen Schrei­ben zur Rou­tine. Für Kinder haben sich in Stu­dien ins­be­son­dere Foto­ta­ge­bü­cher als gewinn­brin­gend gezeigt. Sowohl Wahr­neh­mung als auch die Aus­drucks­fä­hig­keit werden mit dem Tage­buch geför­dert. Ein Dank­bar­keits­ta­ge­buch extra für Kinder findet ihr z. B. bei urbest­self. Man kennt sie bereits von den 6-Minu­ten Tage­bü­cher für Erwach­sene, jetzt haben sie extra für die Klei­nen noch­mal nach­ge­legt.

3. Ruhe und Raum mit Medi­ta­tion geben

Und last but not least, hier kommt die größte Über­ra­schung: Die Medi­ta­tion ist eine wun­der­bare Mög­lich­keit, eine Dank­bar­keits­pra­xis bei den Kids zu ent­wi­ckeln und zu stär­ken. Sie bekom­men dabei eine Methode an die Hand, wie sie in aller Ruhe und ohne Druck in sich hinein spüren können. In unse­rem Kids Bereich in der App findet ihr hier­für die Medi­ta­tion Dank­bar­keit”.

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Der Phi­lo­soph und Sozio­loge Georg Simmel sagte schon 1908, dass Dank­bar­keit das Bin­de­mit­tel unse­rer Gesell­schaft sei. Heute, über hun­dert Jahre später, ist diese Aus­sage kein Stück­chen weni­ger wahr. Dank­bar­keit hilft uns bei der Ent­de­ckung unsere per­sön­li­chen Quel­len der Freude, stärkt Ver­bun­den­heit und macht auch den Emp­fän­ger unse­rer Dank­bar­keit glück­li­cher.

Eine Defi­ni­tion der Dank­bar­keit des nie­der­säch­si­schen Insti­tuts für früh­kind­li­che Bil­dung und Ent­wick­lung, die ich auch im Sinne der Acht­sam­keit sehr pas­send finde: Dank­bar­keit zu emp­fin­den bedeu­tet, sich des Wertes von etwas bewusst zu werden und die Auf­merk­sam­keit ganz auf die Gegen­wart zu rich­ten.“

LiebeR Lese­rIn dieses Arti­kels, egal ein Kind wel­chen Alters du bist, wofür bist du dank­bar? Schrei es in die Welt hinaus. Oder falls du nun gerade wie ich aus dem Fens­ter schaust und dich fragst, wie die Nach­barn das finden: Schreibs in dein Tage­buch.

Wer mehr über dieses Thema erfah­ren möchte, dem kann ich diese Studie. des nie­der­säch­si­schen Insti­tuts für früh­kind­li­che Bil­dung und Ent­wick­lung emp­feh­len.


Die Pod­cast­folge zum Arti­kel:


Bild: Daria Obymaha auf Pexels