Sarah Schömbs

3 Ent­span­nungs­ri­tuale für jede Gele­gen­heit

Rituale ziehen sich durch unse­ren gesam­ten Alltag. Vom obli­ga­to­ri­schen Kaffee am Morgen über das Auf­schüt­teln der Kissen vor dem zu Bett gehen. Einige von ihnen leben wir bewusst, andere schlei­chen sich ein. Manche ver­hel­fen zu mehr Ent­span­nung, wäh­rend andere von unse­rem Part­ner lie­be­voll als die klei­nen Ticks und Macken” abge­nickt werden.

Fakt ist, dass Rituale in ver­schie­dens­ten Formen und Farben seit Jahr­tau­sen­den über­all auf unse­rer Erde prak­ti­ziert werden. Sie geben Auf­schluss über die Iden­ti­tät, Ver­hal­tens­wei­sen und das Zusam­men­ge­hö­rig­keits­ge­fühl ein­zel­ner Grup­pen und haben nicht — wie häufig ange­nom­men- aus­schließ­lich einen reli­giö­sen oder mys­ti­schen Cha­rak­ter.

So lernst du, durch Medi­ta­tion zu ent­span­nen:
7Mind kos­ten­los star­ten


Wäh­rend wir heute über Mor­gen­ri­tuale und Ent­span­nungs­rou­ti­nen spre­chen, zeig­ten sich Rituale früher bei­spiels­weise in beson­de­ren Bestat­tun­gen oder einem sym­bo­li­schen Farb­ge­brauch. Doch auch wenn wir heute unse­rem Part­ner keine Höh­len­ma­le­rei hin­ter­las­sen oder eine Feu­er­ze­re­mo­nie in unse­rem Wohn­zim­mer ver­an­stal­ten, bleibt eines im Kern gleich: Rituale sind wich­tig für die per­sön­li­che sowie kol­lek­tive Iden­ti­tät. Sie ver­lei­hen Struk­tur, geben Auf­schluss über Ver­hal­tens­ko­dexe und können zwi­schen­mensch­li­che Bezie­hun­gen stär­ken. In der Gruppe sowie in der Part­ner­schaft.

Auch in Sachen Ent­span­nung können Rituale ein hilf­rei­ches Mittel sein. Erfahre, was du tun kannst, wenn der Alltag dich gefan­gen hält, das Fass am über­lau­fen ist und du ein­fach mal eine Pause brauchst. Denn was könnte in so einem Moment schließ­lich schö­ner sein, als ein klei­nes Ritual, um wieder bei dir selbst anzu­kom­men? Klingt gut? Los geht’s!

1. Deine per­sön­li­che Tee­ze­re­mo­nie

Tee­ze­re­mo­nien exis­tie­ren bereits seit Jahr­hun­der­ten in den ver­schie­dens­ten Kul­tu­ren der Welt. Eine ganz beson­dere Tee­ze­re­mo­nie ist die japa­ni­sche, die soge­nannte Cha­noyu. Im Fokus dieses tra­di­tio­nel­lem Tee­ri­tu­als steht nicht nur das Trin­ken des Tees, son­dern der gesamte Ablauf, inklu­sive aller Uten­si­lien und dem beson­de­ren Set­ting.

Sinn des Ritu­als ist die Selbst­fin­dung sowie ein Leben in Har­mo­nie und Ein­klang — mit sich, der Umwelt und dem gesam­ten Uni­ver­sum. Dafür wird über ver­schie­dene Schritte zunächst der Alltag hinter sich gelas­sen, das Schlechte und Böse abge­wa­schen und gesell­schaft­li­che Unter­schied abge­legt. Bedeu­tet: Beim Tee­trin­ken ist jeder gleich. Der Tee bringt die Men­schen zusam­men, schenkt einen Raum für Ruhe und Besin­nung und ist eine echte Wohl­tat für Geist und Seele. 

Auch in der bri­ti­schen Kultur hat die klas­si­sche Tea Time” einen festen Platz in jedem bri­ti­schen Herzen. Hier steht vor allem die kleine Aus­zeit im Vor­der­grund. Der Tee wird mit Scones und beson­de­rer Kon­fi­türe ser­viert, es wird geplau­dert und ent­spannt. Strei­tig­kei­ten, Anspan­nung oder Hektik haben hier keinen Platz. 

Kre­iere auch du dein eige­nes Tee­ri­tual. Gestalte dein klei­nes Gesamt­kunst­werk der Ent­span­nung. Gieße deinen Lieb­lings­tee auf, suche dir einen schö­nen, auf­ge­räum­ten Ort und widme dich voll und ganz dem bewuss­ten Trin­ken deines Tees. Erlaube dir einen Moment der Stille. Drücke auf die Stopp­taste und schalte wäh­rend deiner Tee­ze­re­mo­nie alle elek­tro­ni­schen Geräte off­line. Diese 15 Minu­ten gehö­ren dir. 

Viele Tees, die wir hier­zu­lande gerne trin­ken, haben eine beson­dere Tra­di­tion und Art der Zube­rei­tung. Wuss­test du zum Bei­spiel, dass Ost­frie­si­scher Schwarz­tee mit Kluntje und Kon­dens­milch oder Sahne getrun­ken wird? Pro­biers doch mal aus. Schließ­lich muss es nicht immer der Matcha-Latte sein. 

Du kannst deine per­sön­li­che Tee­ze­re­mo­nie erwei­tern und aus­schmü­cken wie du möch­test. Blumen, Kekse, eine kusche­lige Decke oder Kerzen können dich atmo­sphä­risch unter­stüt­zen und einen hilf­rei­chen Ent­span­nungs­im­puls geben.

7mind_entspannungsrituale


2. Aben­d­rou­tine zu zweit

Schlaf­stö­run­gen sind mitt­ler­weile keine Sel­ten­heit in unse­rer schnell­le­bi­gen Gesell­schaft. Stän­dige Erreich­bar­keit, ein per­ma­nen­ter Aus­tausch über Social Media und schein­bar nie endende Auf­ga­ben führen dazu, dass am Abend das Abschal­ten immer schwe­rer fällt. Ein Ent­span­nungs­ri­tual vor dem Ein­schla­fen kann helfen! Und das Beste? Du kannst es mit deinem Part­ner gemein­sam durch­füh­ren. So könnt ihr gemein­sam den Tag abschlie­ßen und ent­spannt in den Schlaf finden. Wir möch­ten dir ein paar Anre­gun­gen geben: 

1. Arbeit hat hier nichts zu suchen. Achte darauf, dass du weder deine Mails, noch das Lern­ma­te­rial aus der Klau­su­ren­phase mit ins Bett nimmst. Die zwei bis vier Qua­drat­me­ter deines Bettes sind dem Schlaf gewid­met. Schaffe hier Dis­tanz zu dem, was dich im Alltag beschäf­tigt und löse dich von tag­täg­li­chen Auf­ga­ben, der Arbeit oder sons­ti­gen Ablen­kun­gen. Dein Bett ist ein Ort der Ruhe. Hier hat außer­dem weder Social Media noch Game of Thro­nes etwas zu suchen. Stoppt die Infor­ma­ti­ons­flut, sobald ihr das Schlaf­zim­mer betre­tet. So könnt ihr den Geist und den Körper darauf kon­di­tio­nie­ren, im Schlaf­zim­mer abzu­schal­ten und das Gedan­ken­ka­rus­sell hinter euch zu lassen.

2. Vor­hang zu. Ver­sucht, wenn mög­lich, das Schlaf­zim­mer abzu­dun­keln, sobald ihr ins Bett geht. Der Körper benö­tigt Hell- und Dun­kel­in­for­ma­tio­nen, um sich auf einen Tages- oder Nacht­rhyth­mus ein­zu­stel­len.

3. Schafft auch hier gemein­sam die rich­tige Atmo­sphäre. Ein frisch gemach­tes Bett, ein nach Laven­del duf­ten­des Schlaf­zim­mer oder fri­sche Blumen auf dem Nacht­tisch laden doch schon förm­lich dazu ein, sich der Nacht­ruhe hin­zu­ge­ben.

4. Nehmt euch im Anschluss eine halbe Stunde, um euch bewusst zuzu­hö­ren. Die Übung funk­tio­niert fol­gen­der­ma­ßen: Jeder von euch bekommt 15 Minu­ten Rede­zeit. In dieser Zeit darf der andere den Rede­fluss nicht unter­bre­chen oder auf Gesag­tes ein­ge­hen. Erst nach Ablauf der 15 Minu­ten darf der andere etwas erwi­dern. Dann wird getauscht. Das ganze kann gerne über meh­rere Runden gehen. Wich­tig ist, dass ihr euch wäh­rend der Übung nicht gegen­über sitzt. Am besten ist es, wenn sich einer bei­spiels­weise hin­setzt und sich der andere hin­legt. Direk­ter Augen­kon­takt sollte mög­lichst ver­mie­den werden. Es geht hier schließ­lich ums Zuhö­ren und darum, das Gesagte auf­zu­neh­men, zu ver­ar­bei­ten und dem Spre­cher Raum und Zeit zu geben, sich aus­zu­drü­cken und ein­fach zu erzäh­len. ;-)

Schüt­telt bei­spiels­weise zuerst das Bett auf, schlagt die Decken bei­seite, zieht die Vor­hänge zu, gönnt euch zwei, drei Sprit­zer von einem Ent­span­nungs-Raum­spray und übt im Anschluss euch bewusst zuzu­hö­ren. Eine feste Aben­d­rou­tine kann dabei helfen, gemein­sam den Tag abzu­schlie­ßen und Körper sowie Geist zu signa­li­sie­ren, dass jetzt Schla­fens­zeit ist.

3. Gemein­sam ent­span­nen

Auch im Team oder unter Freun­den können Rituale für Ent­span­nung, Zusam­men­halt und Gemein­schaft sorgen. Wäh­rend im Büro meist jedes Team­mit­glied intui­tiv sein eige­nes Ritual gefun­den hat, um sich auf den Arbeits­all­tag ein­zu­stim­men und im Büro anzu­kom­men, kann es für das gesamte Team hilf­reich sein, regel­mä­ßig ein gemein­sa­mes Ritual zu haben. 

Das kann ein gemein­sa­mes Früh­stück sein, bei dem jedes Team­mit­glied etwas mit­bringt, eine Medi­ta­ti­ons­runde oder ein Aus­flug in ein Nah­erho­lungs­ge­biet. Hier ist es weni­ger wich­tig, in wel­chem Abstand diese Rituale statt­fin­den — viel­mehr ist die Regel­mä­ßig­keit von Bedeu­tung. Egal ob wöchent­lich, monat­lich oder einmal im Quar­tal — alle Team­mit­glie­der soll­ten sich bereits im Vor­hin­ein auf das Ritual ein­stel­len können, um sich den nöti­gen Frei­raum dafür zu schaf­fen.

Auch im Freun­des­kreis können gemein­same Rituale zusam­men­schwei­ßen. Einmal im Monat gemein­sam zu kochen, einen Kul­tur­abend zu orga­ni­sie­ren oder einen Aus­flug zu machen, stärkt die Freund­schaft und sorgt für viele schöne gemein­same Erin­ne­run­gen.

Wich­tig ist, dass das Ritual etwas ist, bei dem sich jedes Mit­glied wohl­fühlt und los­las­sen sowie ent­span­nen kann. Gemein­same Rituale sollen eine schöne Zeit bedeu­ten und nie­man­den in unan­ge­nehme Situa­tio­nen brin­gen. Eine vor­he­rige Abspra­che und Eini­gung kann helfen, Rituale zu kre­ieren, die für jeden etwa sind! 

Egal ob eine Tee­ze­re­mo­nie, das gemein­same Abend­ri­tual oder ein wöchent­li­ches Früh­stück im Büro — Rituale sorgen für Struk­tur und Sicher­heit. Sie stär­ken die Bin­dung zwi­schen Men­schen und ermög­li­chen Ent­span­nung dort, wo Rituale geschaf­fen werden.
Wie letzt­lich das Ent­span­nungs­ri­tual aus­sieht, ist dir, deinem Part­ner, deinen Freun­den und deinem Team über­las­sen. Der Krea­ti­vi­tät sind keine Gren­zen gesetzt. Schließ­lich bedeu­tet ein Ent­span­nungs­ri­tual ledig­lich, dass man sich regel­mä­ßig Zeit für das nimmt, was gut tut. Für Körper, Geist und Seele.

Die Pod­cast­folge zum Impuls der Woche:


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