Car­lotta Koroll

Die mys­te­riöse Kun­da­lini Ener­gie

Kun­da­lini Yoga gilt als eine der spi­ri­tu­ells­ten Yoga­for­men, die in der west­li­chen Kultur Anklang findet. Doch bei Schlan­gen in der Wir­bel­säule und Ener­gieflüsse nehmen viele erst mal großen Abstand ein. Nach der indi­schen Phi­lo­so­phie besitzt jeder Mensch eine poten­ti­elle Schöp­fer­kraft, die am unte­ren Ende unse­rer Wir­bel­säule sitzt und durch spi­ri­tu­elle Praxis zum Fluss gebracht werden kann. Exis­tiert das schlum­mernde Poten­tial im Men­schen, das von Kun­da­lini Yogis ver­spro­chen wird, wirk­lich? Auch wenn wir nicht in der Lage sind, diese Frage zu beant­wor­ten, wollen wir der Ant­wort in diesem Arti­kel einen Schritt näher kommen.

Was ist Kun­da­lini über­haupt?

Kun­da­lini stammt aus dem Tantra, einer Strö­mung der indi­schen Phi­lo­so­phie und bedeu­tet so viel wie die Auf­ge­rollte“ oder Schlan­gen­kaft“. Sym­bo­lisch wird Kun­da­lini oft als zusam­men­ge­rollte Schlange am unte­ren Ende der Wir­bel­säule dar­ge­stellt und steht für eine schöp­fe­ri­sche Kraft, die in jedem Men­schen schlum­mert.

Grund­ge­danke der Shiva-Shakti-Phi­lo­so­phie, auf der Kun­da­lini basiert, sind die beiden Götter Shiva und Shakti. Ers­te­rer steht für das abso­lute Bewusst­sein, das Bestän­dige, wäh­rend die zweite die dyna­mi­sche, schöp­fe­ri­sche Kraft reprä­sen­tiert. Im Ursprung waren die beiden ver­eint, wurden jedoch laut der indi­schen Mytho­lo­gie durch eine Schwin­gung getrennt. Ziel des Kun­da­lini Yoga ist, sie wieder zu ver­ei­nen. Durch das Auf­stei­gen der Kun­da­lini Ener­gie von der unte­ren Wir­bel­säule hinauf, könne sich die indi­vi­du­elle Seele mit der kos­mi­schen ver­ei­nen.

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Der Auf­stieg der Kun­da­lini Ener­gie

Ener­gie, die die Wir­bel­säule her­auf­steigt und Seelen, die ver­eint werden? Falls du jetzt noch ein paar große Fra­ge­zei­chen im Kopf hat, ist das ver­ständ­lich. Des­we­gen noch mal ein klei­ner Exkurs.

Im Yoga geht man davon aus, dass es Ener­gie­zen­tren (Cha­kras) gibt. Die sieben Haupt­cha­kras ver­lau­fen ent­lang der Wir­bel­säule bis hoch zur Kopf­krone. Die mitt­le­ren vier von ihnen ent­ste­hen durch das Kreu­zen der drei Ener­gie­ka­näle Sus­umna, Ida und Pin­gala. Die Kun­da­lini Ener­gie sitzt am unters­ten Chakra, dem Wur­zelcha­kra. Um diese Ener­gie zu erwe­cken, muss der Fluss nach oben jedoch frei sein – und genau hier setzt das Kun­da­lini Yoga an. Das Ziel ist die Vor­be­rei­tung der Kun­da­lini-Erwe­ckung durch das Rei­ni­gen und Öffnen der Cha­kras.

Erwe­ckung der Kun­da­lini

Beginnt man sich über Kun­da­lini zu infor­mie­ren, stößt man auf die ein oder andere abstruse Geschich­ten über Erwe­ckun­gen. Denn nicht nur die Ent­fal­tung der eige­nen Fähig­kei­ten, auch Hit­ze­wal­lun­gen oder gar schi­zo­phrene Sym­ptome können den Pro­zess beglei­ten. Des­we­gen wird auch immer wieder betont, dass mit Kun­da­lini nicht leicht­fer­tig umge­gan­gen werden sollte.

Gene­rell kann eine Erwe­ckung der Ener­gie sowohl kurz­fris­tig pas­sie­ren – eine Art spon­tane Erleuch­tung, zum Bei­spiel durch das Erle­ben eines Trau­mas – oder bewusst durch spi­ri­tu­elle Praxis her­vor­ge­ru­fen werden. Die zweite Methode wird aus Sicher­heits­grün­den von vielen Yogis bevor­zugt. Kun­da­lini Yoga ist hier­bei als schnellste und sicherste Methode bekannt. Wie genau der Pro­zess der Erwe­ckung aus­sieht ist wohl die Mystik, die man selbst erfah­ren muss, um es zu ver­ste­hen.

So funk­tio­niert Kun­da­lini Yoga

Kun­da­lini Yoga kam im Jahr 1968 aus Indien durch Yogi Bhajan in den Westen. Er wurde schon mit 16 Jahren zum Meis­ter des Kun­da­lini Yoga ernannt und reiste in den 70er Jahren in die USA. Dort erkannte er schnell das Bedürf­nis der Hippie-Bewe­gung nach inne­rem Frie­den. Seit­her erlangt die Praxis große Beliebt­heit.

Die Kun­da­lini Yoga­pra­xis besteht aus Bewe­gungs­ab­läu­fen, Atem­übun­gen, Medi­ta­tio­nen, Gesang und Visua­li­sie­run­gen. Die kör­per­li­chen Übun­gen sind häufig for­dernd, vor allem weil sie sehr lange aus­ge­führt werden (jeweils drei bis 15 Minu­ten). Neben der Praxis auf der Matte, wird aber auch eine yogi­sche Lebens­füh­rung betont: Die Ein­hal­tung der Yamas und Niya­mas (mehr dazu in unse­rem Arti­kel über Yoga-Phi­lo­so­phie), selbst­lo­ser Dienst am Nächs­ten (Karma Yoga), Hin­gabe zu einer höhe­ren Kraft und Aneig­nung von Wissen über die Phi­lo­so­phie gehö­ren eben­falls zum Kun­da­lini Yoga.

Das heißt jedoch nicht, dass man Kun­da­lini nur im Ashram erle­ben kann. Die schnelle Wir­kung und Ver­ein­bar­keit mit dem typi­schen west­li­chen Alltag war genau das, was zur Popu­la­ri­tät in den USA führte. Wir machen unsere Medi­ta­tio­nen, unsere Gebete, Rei­ni­gungs­übun­gen, leeren unse­ren Geist.“ sagt Gur­mukh Kaur Khalsa, die bekann­teste Leh­re­rin des Kun­da­lini. Und dann gehen wir hinaus, um der Mensch­heit zu dienen. Wir arbei­ten hart und teilen unse­ren Ver­dienst mit ande­ren. Wir tun nichts, was uns von uns weg­führt“. Jemand, der ernst­haft Kun­da­lini prak­ti­ziert, ver­zich­tet auch auf Alko­hol und Fleisch. Denn dadurch sind wir nicht so ver­bun­den mit der gött­li­chen Kraft, wie es eigent­lich mög­lich wäre.“, so Gur­mukh Kaur Khalsa.

Wo genau liegt nun also der Unter­schied zu ande­ren Yoga-Arten? Könn­ten diese nicht genauso zu einer Kun­da­lini Erwe­ckung führen?

Beim Kun­da­lini Yoga liegt der Schwer­punkt auf den geis­tig, spi­ri­tu­el­len Aspek­ten. Neben den klas­si­schen Hal­tun­gen nutzt Kun­da­lini Yoga gezielt den Atem im Sinne einer ener­ge­ti­schen Arbeit und spricht damit die Bewusst­seins­ebene viel stär­ker an.“ erzählt Yogal­eh­re­rin Mar­tina Ferstl. Ich unter­richte haupt­säch­lich Hatha Yoga, das dage­gen durch Hal­tun­gen, Atem­übun­gen und Medi­ta­tion primär ein Gleich­ge­wicht zwi­schen Körper und Geist anstrebt.“

Ob du nun all deine Cha­kras rei­ni­gen willst oder ein­fach neu­gie­rig bist: Wer seine Yoga Praxis stär­ker auf eine Bewusst­seins­ebene brin­gen will, sollte Kun­da­lini Yoga mal eine Chance geben.

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Bild: GMB Fit­ness auf Uns­plash