Kundalini Energie: Was schlummert da in deiner Wirbelsäule?

Kundalini Yoga kann man mit großer Hoffnung, aber auch einer ordentlichen Portion Skepsis begegnen. Wir erklären, was es mit der Kundalini Energie auf sich hat.

Die mysteriöse Kundalini Energie

Kundalini Yoga gilt als eine der spirituellsten Yogaformen, die in der westlichen Kultur Anklang findet. Doch bei Schlangen in der Wirbelsäule und Energieflüsse nehmen viele erst mal großen Abstand ein. Nach der indischen Philosophie besitzt jeder Mensch eine potentielle Schöpferkraft, die am unteren Ende unserer Wirbelsäule sitzt und durch spirituelle Praxis zum Fluss gebracht werden kann. Existiert das schlummernde Potential im Menschen, das von Kundalini Yogis versprochen wird, wirklich? Auch wenn wir nicht in der Lage sind, diese Frage zu beantworten, wollen wir der Antwort in diesem Artikel einen Schritt näher kommen.

Was ist Kundalini überhaupt?

Kundalini ("die Aufgerollte", "Schlangenkraft") stammt aus der philosophischen Strömung des Tantra und bezeichnet eine schöpferische Kraft, die jeder Mensch besitzt. Symbolisch wird Kundalini oft als zusammengerollte Schlange am unteren Ende der Wirbelsäule dargestellt und steht für eine schöpferische Kraft, die in jedem Menschen schlummert.

Grundgedanke der Shiva-Shakti-Philosophie, auf der Kundalini basiert, sind die beiden Götter Shiva und Shakti. Ersterer steht für das absolute Bewusstsein, das Beständige, während die zweite die dynamische, schöpferische Kraft repräsentiert. Im Ursprung waren die beiden vereint, wurden jedoch laut der indischen Mythologie durch eine Schwingung getrennt. Ziel des Kundalini Yoga ist, sie wieder zu vereinen. Durch das Aufsteigen der Kundalini Energie von der unteren Wirbelsäule hinauf, könne sich die individuelle Seele mit der kosmischen vereinen.

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Der Aufstieg der Kundalini Energie

Energie, die die Wirbelsäule heraufsteigt und Seelen, die vereint werden? Falls du jetzt noch ein paar große Fragezeichen im Kopf hat, ist das verständlich. Deswegen noch mal ein kleiner Exkurs.

Im Yoga geht man davon aus, dass es Energiezentren (Chakras) gibt. Die sieben Hauptchakras verlaufen entlang der Wirbelsäule bis hoch zur Kopfkrone. Die mittleren vier von ihnen entstehen durch das Kreuzen der drei Energiekanäle Susumna, Ida und Pingala. Die Kundalini Energie sitzt am untersten Chakra, dem Wurzelchakra. Um diese Energie zu erwecken, muss der Fluss nach oben jedoch frei sein – und genau hier setzt das Kundalini Yoga an. Das Ziel ist die Vorbereitung der Kundalini-Erweckung durch das Reinigen und Öffnen der Chakras.

Erweckung der Kundalini

Beginnt man sich über Kundalini zu informieren, stößt man auf die ein oder andere abstruse Geschichten über Erweckungen. Denn nicht nur die Entfaltung der eigenen Fähigkeiten, auch Hitzewallungen oder gar schizophrene Symptome können den Prozess begleiten. Deswegen wird auch immer wieder betont, dass mit Kundalini nicht leichtfertig umgegangen werden sollte.

Generell kann eine Erweckung der Energie sowohl kurzfristig passieren – eine Art spontane Erleuchtung, zum Beispiel durch das Erleben eines Traumas – oder bewusst durch spirituelle Praxis hervorgerufen werden. Die zweite Methode wird aus Sicherheitsgründen von vielen Yogis bevorzugt. Kundalini Yoga ist hierbei als schnellste und sicherste Methode bekannt. Wie genau der Prozess der Erweckung aussieht ist wohl die Mystik, die man selbst erfahren muss, um es zu verstehen.

So funktioniert Kundalini Yoga

Kundalini Yoga kam im Jahr 1968 aus Indien durch Yogi Bhajan in den Westen. Er wurde schon mit 16 Jahren zum Meister des Kundalini Yoga ernannt und reiste in den 70er Jahren in die USA. Dort erkannte er schnell das Bedürfnis der Hippie-Bewegung nach innerem Frieden. Seither erfreut sich die Praxis große Beliebtheit.

Die Kundalini Yogapraxis besteht aus Bewegungsabläufen, Atemübungen, Meditationen, Gesang und Visualisierungen. Die körperlichen Übungen sind häufig fordernd, vor allem weil sie sehr lange ausgeführt werden (jeweils drei bis 15 Minuten). Neben der Praxis auf der Matte, wird aber auch eine yogische Lebensführung betont: Die Einhaltung der Yamas und Niyamas (mehr dazu in unserem Artikel über Yoga-Philosophie), selbstloser Dienst am Nächsten (Karma Yoga), Hingabe zu einer höheren Kraft und Aneignung von Wissen über die Philosophie gehören ebenfalls zum Kundalini Yoga.

Das heißt jedoch nicht, dass man Kundalini nur im Ashram erleben kann. Die schnelle Wirkung und Vereinbarkeit mit dem typischen westlichen Alltag war genau das, was zur Popularität in den USA führte. "Wir machen unsere Meditationen, unsere Gebete, Reinigungsübungen, leeren unseren Geist." sagt Gurmukh Kaur Khalsa, die bekannteste Lehrerin des Kundalini. "Und dann gehen wir hinaus, um der Menschheit zu dienen. Wir arbeiten hart und teilen unseren Verdienst mit anderen. Wir tun nichts, was uns von uns wegführt". Jemand, der ernsthaft Kundalini praktiziert, verzichtet auch auf Alkohol und Fleisch. Denn "dadurch sind wir nicht so verbunden mit der göttlichen Kraft, wie es eigentlich möglich wäre.", so Gurmukh Kaur Khalsa.

Wo genau liegt nun also der Unterschied zu anderen Yoga-Arten? Könnten diese nicht genauso zu einer Kundalini Erweckung führen?

"Beim Kundalini Yoga liegt der Schwerpunkt auf den geistig, spirituellen Aspekten. Neben den klassischen Haltungen nutzt Kundalini Yoga gezielt den Atem im Sinne einer energetischen Arbeit und spricht damit die Bewusstseinsebene viel stärker an." erzählt Yogalehrerin Martina Ferstl. "Ich unterrichte hauptsächlich Hatha Yoga, das dagegen durch Haltungen, Atemübungen und Meditation primär ein Gleichgewicht zwischen Körper und Geist anstrebt."

Ob du nun all deine Chakras reinigen willst oder einfach neugierig bist: Wer seine Yoga Praxis stärker auf eine Bewusstseinsebene bringen will, sollte Kundalini Yoga mal eine Chance geben.


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Bild: GMB Fitness auf Unsplash

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