Car­lotta Koroll

Ein Ein­blick in die Mind-Body-Medi­zin

Der Gedanke eines grund­le­gen­den Zusam­men­han­ges zwi­schen unse­ren Gedan­ken, unse­rem Lebens­stil und unse­rer Gesund­heit wird in der Gesell­schaft immer ver­brei­te­ter. Und auch in der Schul­me­di­zin wurde das Zusam­men­spiel von Körper und Psyche immer aner­kann­ter. So ent­wi­ckelte sich in den letz­ten Jahr­zehn­ten das For­schungs­feld der Mind-Body-Medi­zin. Sie beschäf­tigt sich mit der Über­schnei­dung von kör­per­li­cher Gesund­heit und psy­chi­schen Fak­to­ren.

Mit diesem Arti­kel werfen wir einen Blick auf unsere Selbst­hei­lungs­kräfte und fragen uns, was unser Geist mit ihnen zu tun hat. Wie können wir unsere Gesund­heit durch unse­ren Geist unter­stüt­zen? Wo über­schnei­den sich Körper und Psyche? Wie die Ent­wick­lung der Mind-Body-Medi­zin anfing und wo wir heute stehen, liest du hier.

Mind-Body-Medi­zin bedeu­tet…

Bevor wir die aktu­elle Ent­wick­lung der Mind-Body-Medi­zin (MBM) beleuch­ten können, müssen wir sie klar abgren­zen. Was ver­steht man also unter dem Begriff? Nach Defi­ni­tion des Imma­nuel Kant Kran­ken­hau­ses, spe­zia­li­siert im Bereich Natur­heil­kunde, bezieht sich die Mind-Body Medi­zin auf den wech­sel­sei­ti­gen Ein­fluss von Geist, Psyche, Körper und Ver­hal­ten. Außer­dem wird die Wir­kung von Gefüh­len, Gedan­ken, Ein­stel­lun­gen, sozia­len und spi­ri­tu­el­len Aspek­ten auf die Gesund­heit unter­sucht. Dabei wird die MBM als beglei­tende Kom­po­nente zur Schul­me­di­zin und Natur­heil­kunde ange­bo­ten, nicht als Ersatz. Sie soll uns bei der Selbst­hei­lung unter­stüt­zen und dazu ermu­ti­gen, aktiv am Erhalt unse­rer Gesund­heit mit­zu­wir­ken.

Die Mind-Body-Medi­zin betrach­tet im ersten Schritt Körper und Geist als Team. Darauf fol­gende Kon­se­quen­zen können sowohl schul­me­di­zi­ni­sche als auch natur­keil­kund­li­che Behand­lun­gen sein oder Metho­den zwi­schen den beiden Fel­dern. All das wird von der MBM nicht aus­ge­schlos­sen – denn die anfäng­li­che Her­an­ge­hens­weise ist das Wich­tigste.

Der Beginn der Mind-Body Medi­zin

His­to­risch gese­hen hat die Mind-Body-Medi­zin ihren ersten großen Auf­tritt im Jahr 1982. In der New York Times erschien ein auf­re­gen­der Arti­kel: Har­vard-Kar­dio­loge Dr. Her­bert Benson erforschte den Tem­pe­ra­tur­un­ter­schied von Mön­chen wäh­rend der Medi­ta­tion. Sie stei­ger­ten ihre Kör­per­tem­pe­ra­tur so, dass sie sogar Lei­nen­tü­cher trock­ne­ten.

Zur Ein­ord­nung: Vor 40 Jahren war der Gedanke, wir könn­ten unser auto­no­mes Ner­ven­sys­tem und die damit ver­bun­de­nen Funk­tio­nen wie Blut­druck, Herz­fre­quenz und Kör­per­tem­pe­ra­tur mit unse­rem Willen beein­flus­sen, noch kaum vor­zu­stel­len. Auch Stress galt aus­schließ­lich als Ant­wort auf bestimmte Reize und war von vielen Vor­ur­tei­len rund um Eso­te­rik behaf­tet. Dr. Benson befand sich also auf einem uner­kun­de­ten Pfad.

Dabei war er sich durch­aus bewusst, dass das Thema viel Skep­sis und Vor­ur­teile auf­brin­gen würde. Des­we­gen ver­suchte er, die For­schung so wis­sen­schaft­lich und uneso­te­risch wie mög­lich anzu­ge­hen. Es dau­erte bis zum Jahr 2001 bis das Phä­no­men, das Dr. Benson bei den Mön­chen beob­ach­ten konnte, wis­sen­schaft­lich unter­sucht werden konnte. In Expe­ri­men­ten in einem fran­zö­si­schen Klos­ter konnte man fest­stel­len, dass die Mönche ihren Sau­er­stoff­ver­brauch um 60% senken konn­ten: Der Beweis, dass sie ihre kör­per­li­chen Funk­tio­nen alleine durch ihren Geist ver­än­der­ten. Die Auf­re­gung um die Medi­ta­ti­ons­for­schung wurde immer größer. Seit 2006 gibt es nun das Benson-Henry Insti­tute für Mind-Body-Medi­zin an der Har­vard Medi­cal School, an dem geforscht, behan­delt und gelehrt wird.

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Selbst­hei­lung: Eine alte Idee

Die Idee der Selbst­hei­lung ist aber tat­säch­lich gar nicht neu. Schon im 3. Jahr­hun­dert ging der grie­chi­sche Medi­zi­ner Gelen davon aus, dass Gesund­heit der Nor­mal­zu­stand sei und durch innere Regu­la­ti­ons­pro­zesse immer wieder eine Ten­denz zum inne­ren Gleich­ge­wicht her­ge­stellt würde.

Ähn­lich bei Para­cel­sus, Arzt und Natur­phi­lo­soph, im 16. Jahr­hun­dert: Das Zusam­men­spiel von Medi­cus und Archa­eus“ beinhal­tet eine ord­nende Kraft, die zur Hei­lung bei­trägt. Der Arzt war also mehr Unter­stüt­zer, als der Heiler. Und Medi­zin bedeu­tete, mit der Natur zusam­men zu arbei­ten – ihre hei­lende Kraft zu unter­stüt­zen.

Und sogar in der Schul­me­di­zin taucht der Glaube an Selbst­re­gu­la­tion in Form des Pla­ce­bo­ef­fek­tes immer wieder auf. Um das Mys­te­rium Pla­cebo kurz auf­zu­räu­men: Es han­delt sich um die Fähig­keit unse­res Kör­pers, sich auch ohne medi­ka­men­töse Ein­flüsse, oft mit Unter­stüt­zung der eige­nen psy­chi­schen Kraft, zu heilen. Dabei taucht dieser Effekt sowohl in der Schul­me­di­zin, als auch in der Natur­heil­kunde auf – Er hat also, wenn auch noch nicht voll­stän­dig erforscht, nichts mit Hokus­po­kus zu tun. Die Selbst­hei­lung unse­res Kör­pers, die uns bei einer harm­lo­sen Erkäl­tung ganz selbst­ver­ständ­lich unter­stützt, bildet den Ansatz der Mind-Body-Medi­zin.

Wie unser Körper sich selbst heilt

Der große Durch­bruch von Dr. Henry Benson kam mit der Ent­de­ckung der Rela­xa­tion Res­ponse“. Diese Tech­nik erklärt als Teil der MBM die per­sön­li­che Fähig­keit, den Körper dazu zu brin­gen, Mus­keln zu ent­span­nen, Organe zu ver­lang­sa­men und den Blut­fluss zum Gehirn anzu­kur­beln. Kurz gesagt der Gegen­spie­ler der Kampf-oder-Flucht-Reak­tion, die uns unter Stress zu beson­de­ren Leis­tun­gen ver­hilft.

Durch die Rela­xa­tion Res­ponse wird eine tiefe Ent­span­nung ein­ge­lei­tet, die unser para­sym­pa­thi­sches Ner­ven­sys­tem akti­viert. Klei­ner Bio­lo­gie-Exkurs: Der Para­sym­pa­thi­kus ist Teil unse­res auto­no­men Ner­ven­sy­tems und ver­ant­wort­lich für Kör­per­funk­tio­nen, die unse­rer Rege­ne­ra­tion und dem Aufbau von Ener­gie­re­ser­ven dienen.

Somit kann diese Ent­span­nung eine effek­tive Behand­lung für stress­be­dingte Krank­hei­ten sein – und diese werden gesell­schaft­lich ten­den­zi­ell immer mehr. Denn mit der Akti­vie­rung des paraysmpath­si­chen Ner­ven­sys­tems besitzt unser Körper die besten Vor­raus­set­zun­gen für einen Hei­lungs­pro­zess. Dabei gibt es ganz unter­schied­li­che Wege, diesen Zustand her­vor­zu­ru­fen. Pro­gres­sive Mus­kel­ent­span­nung, Mas­sage, Atem­tech­ni­ken, Tai Chi und viel mehr. Und ja — auch Medi­ta­tion kann uns helfen, mit einer Rela­xa­tion Res­ponse“ zu reagie­ren.

Rela­xa­tion Res­ponse in 7 Schrit­ten

Eine Mög­lich­keit, die Ent­span­nung der Rela­xa­tion Res­pone her­vor­zu­ru­fen, gibt Dr. Her­bert Benson in seinem Buch The Rela­xa­tion Rep­sonse“.

  1. Bringe dich in eine bequeme Posi­tion.
  2. Schließe deine Augen.
  3. Bodyscan: Gehe mit deiner Auf­merk­sam­keit deinen Körper ent­lang, von den Füßen bis zum Kopf. Ent­spanne dabei die ein­zel­nen Kör­per­re­gio­nen.
  4. Atme durch die Nase und denke dir beim Aus­at­men Eins“ (oder ein ande­res beru­hi­gen­des Wort, das keine Asso­zia­tion her­vor­ruft).
  5. Mach die Übung für 10 – 20 Minu­ten. Setze dich danach für ein paar Minu­ten in Ruhe, lasse deine Augen noch eine Weile geschlos­sen.
  6. Nimm wäh­rend der Übung eine pas­sive, beob­ach­tende Ein­stel­lung ein und lass die Ent­span­nung im eige­nen Level ein­tre­ten.
  7. Die Übung soll 1 – 2 Mal am Tag gemacht werden, am besten min­des­tens zwei Stun­den nach dem Essen.

Nach Dr. Benson sollte die Medi­zin in der Zukunft auf drei Säulen stehen: Medi­ka­men­ten, medi­zi­ni­schen Ein­grif­fen und der eige­nen Selbst­für­sorge. Die beinhal­tet nicht nur genug Ent­span­nung, son­dern auch eine aus­ge­wo­gene Ernäh­rung, Bewe­gung und die Ver­än­de­rung von kon­tra­pro­duk­ti­ven Ver­hal­tens­wei­sen. Das also ist die Mind-Body-Medi­zin: Eine Wis­sen­schaft zur Hei­lung und Prä­ven­tion, die Körper und Geist ver­bin­det.

Ent­span­nung in der Medi­ta­tion finden:
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Bild: Yoann Boyer auf Uns­plash