Car­lotta Koroll

Dein Bruder hat schon zwei Kinder, deine Freun­din macht sich selbst­stän­dig, der ehe­ma­lige Mit­schü­ler star­tet eine krea­tive Kar­riere – jeder scheint sein Leben mit Aben­teu­ern und Her­aus­for­de­run­gen zu füllen. Stän­dig werden wir Zeugen der Gescheh­nisse, die um uns herum pas­sie­ren. Hast du das Gefühl, alle führen irgend­wie ein beson­de­res Leben, außer dir? 

Was sich unge­recht anfüh­len mag, kann uns in Wirk­lich­keit sogar gut tun. Denn das Leben ver­läuft in Zyklen: In einem Jahr stel­len wir unser ganzes Leben auf den Kopf, im nächs­ten pas­siert eben mal nichts. Macht es das schlech­ter? Nein! Ein lang­wei­li­ges Leben kann und sollte hin und wieder genauso gefei­ert werden. 

Das mag gar nicht so leicht sein, denn unsere begrenzte Lebens­zeit setzt uns manch­mal ganz schön unter Druck, oder? Die Frage, ob man gerade viel­leicht etwas ver­passt oder nicht beson­ders genug“ ist, nagt hin und wieder an jedem von uns. Und auch wenn es sich anhört, wie aus dem Tage­buch unse­res 15 jäh­ri­gen Ichs. Bin ich etwas beson­de­res? Ob in einer fri­schen Bezie­hung oder im Job – das Bedürf­nis, sich abzu­he­ben ist mensch­lich. Wir möch­ten dir zeigen, warum ein lang­wei­li­ges Leben trotz­dem toll sein kann. So genießt du die unauf­re­gen­den Phasen des Lebens:

Ein Trai­ning, um kleine Dinge wert­zu­schät­zen

Wie geht es dir, wenn du in einer hoch­be­schäf­tig­ten Phase bist? Viel­leicht fühlst du dich erschöpft, viel­leicht aber auch gut, weil du auf­gehst in dem, was du tust. In beiden Fällen gehen die klei­nen Freu­den unter. Schließ­lich sind es die Tage, an denen wir ent­spannt sind, wenn uns plötz­lich die Schön­heit der Blät­ter im Wind auf­fällt oder wir jemand Frem­den auf der Straße anlä­cheln. Die Zeit zu haben, um nor­male Dinge zu beob­ach­ten und wert­zu­schät­zen, könnte man in unse­rer Gesell­schaft schon fast als Pri­vi­leg bezeich­nen – obwohl es das nicht sein sollte. Wenn sich dein Leben gerade beson­ders lang­sam ent­fal­tet oder dir repe­ti­tiv erscheint, werde dir dem ein­fach nur bewusst. Und dann beginne dich umzu­schauen, nach den klei­nen Wun­dern, die du nor­ma­ler­weise über­se­hen wür­dest. Genau jetzt ergibt sich die kost­bare Mög­lich­keit, deine Auf­merk­sam­keit darauf zu rich­ten, was sonst im Alltag unter­geht. Das können auch unan­ge­nehme Gefühle sein.

Finde mehr Dank­bar­keit für’s All­täg­li­che durch Medi­ta­tion:
7Mind kos­ten­los star­ten


Die Erfolge ande­rer feiern

Fühlst du dich gerade eher wie ein Neben­dar­stel­ler oder gar Zuschauer im auf­re­gen­den Leben ande­rer? Das ist okay, es geht uns allen hin und wieder so. In sol­chen Momen­ten kannst du dich ent­we­der dazu ent­schei­den, dich klein und unwich­tig zu fühlen. Oder du wählst die Per­spek­tive, in der du dank­bar bist, über­haupt im Leben ande­rer eine Rolle zu spie­len. Und wenn wir dar­über nach­den­ken, wird klar, dass wir viel mehr von den Erfol­gen und High­lights ande­rer haben, wenn wir sie mit­er­le­ben dürfen, als wenn sie nie­man­dem pas­sie­ren würden. Außer­dem können wir sie besser feiern, wenn wir eigene Ener­gie haben, um tat­säch­lich anwe­send zu sein. Werde dir deiner Rolle bewusst. Ob als frisch­ge­ba­cke­ner Onkel oder als Braut­jung­fer – mal die Rolle als Sup­port-Act ein­zu­neh­men bedeu­tet nicht, weni­ger wich­tig zu sein.

Die Super­kraft, die nie­mand mehr besitzt

Ob du es glaubst oder nicht: Lang­sam leben können viele Men­schen nicht mehr. Kaum ver­liert das Leben etwas an Geschwin­dig­keit, wird die nächste Her­aus­for­de­rung auf den Teller gepackt. So gehen viele von uns heut­zu­tage vor. Pass bloß auf, dass du dich nicht lang­weilst oder gar einen Schritt zurück gehst, heißt es. Unsere Lebens­zeit ist kost­bar und wir soll­ten so viel wie mög­lich daraus machen – oder? 

Statt durch das Leben zu sprin­ten, lege doch einen gemüt­li­chen Spa­zier­gang ein. Genieße den Aus­blick, lass den Blick schwei­fen und ent­de­cke, was du sonst über­se­hen wür­dest. Das Leben nicht immer her­aus­for­dern zu müssen, son­dern auch mit dem zufrie­den zu sein, was ist, ist eine unglaub­lich wert­volle und rare Fähig­keit.

Ver­traue in die Zukunft

Wenn du das Gefühl hast, dass dein Leben gerade nicht genug her­gibt, befin­dest du dich ver­mut­lich nicht in der Gegen­wart. Du machst dir Sorgen, über­legst was nächste Woche oder in einem Jahr pas­sie­ren kann, damit sich etwas ver­än­dert. Dabei ist jetzt genau der rich­tige Zeit­punkt, um in die Zukunft zu ver­trauen. Viel­leicht fällt dir eine Situa­tion deines Lebens ein, in der du dir Sorgen gemacht hast über die Zukunft – und am Ende ist alles nicht so schlimm gekom­men? Oft machen wir uns Gedan­ken, die kaum Daseins­be­rech­ti­gung haben und uns nahezu ver­rückt machen. Atme durch und komme im Hier und Jetzt an. Viel­leicht merkst du dann: Jetzt, in diesem Moment, ist alles gut. 

Erkenne zutiefst, dass dein ganzes Leben sich im gegen­wär­ti­gen Moment abspielt. Stelle das Jetzt ins Zen­trum deines Lebens. Wäh­rend du vorher in der Zeit gelebt und dem Jetzt nur kurze Besu­che abge­stat­tet hast, ver­bleibe von nun an im Jetzt und statte der Ver­gan­gen­heit und Zukunft kurze Besu­che ab, wenn das nötig ist, um mit den prak­ti­schen Aspek­ten deiner Lebens­si­tua­tion umzu­ge­hen. – Eck­hart Tolle

Mit Medi­ta­tion mehr Ver­trauen in dich und dein Leben brin­gen:
7Mind kos­ten­los star­ten


Oft hegen wir die Sorge, nicht genug zu sein oder zu wenig zu tun aus einem Gefühl der Abgren­zung heraus. Wir sehen uns als Ein­zel­kämp­fer neben ande­ren Men­schen, die andere Leben führen. Aber wie klar können wir unsere Leben von­ein­an­der tren­nen? Die Kau­sa­li­tä­ten und Über­schnei­dun­gen sind nicht zu leug­nen. Du beein­flusst das Leben deiner Freunde, deiner Fami­lie und Men­schen, denen du begeg­nest, genauso wie anders­herum. Viel­leicht soll­ten wir uns über­le­gen, wie viel Sinn es ergibt, uns als so getrennte Indi­vi­duen wahr­zu­neh­men und statt­des­sen einmal mit mehr Dis­tanz das ganze Zusam­men­spiel als Leben erken­nen.

Am Ende des Tages ist es normal, hin und wieder den Wunsch nach etwas Aben­teuer und dem Gefühl, beson­ders zu sein, zu hegen. Uns dafür zu ver­ur­tei­len oder es zu ver­drän­gen, macht es nicht besser. Wir alle sind Men­schen und haben ein klei­nes oder grö­ße­res Ego, das manch­mal gefüt­tert werden will. Nutze diese Momente, um immer wieder zu lernen, was das Essen­ti­elle im Leben ist: Was in dir selbst pas­siert, statt in dem äuße­ren Tohu­wa­bohu. Ruhige, rou­ti­nierte Phasen sind die, in denen wir genau das lernen können. Vor­aus­ge­setzt, wir geben uns die Chance, in der Gegen­wart zu ver­wei­len.


Die Pod­cast­folge zum Impuls der Woche:


Das könnte dich auch inter­es­sie­ren:

Die Kunst des Wun­derns: Inspi­ra­tion im Alltag finden
Mut zur Nor­ma­li­tät
Wie man sich davon löst, impo­nie­ren zu wollen
Bild: Toa Hef­tiba auf Uns­plash