Von Sarah Schömbs

Du hast das Gefühl, dein Leben, deine gesamte Exis­tenz hängt von einem ein­zi­gen Prü­fungs­er­geb­nis ab. Nur noch dieses eine Modul, nur noch dieses eine Fach und dann ist dein Stu­dium end­lich geschafft. Dein Mate-Konsum ist seit Stu­di­en­be­ginn expo­nen­ti­ell gestie­gen, innere Ner­vo­si­tät beglei­tet dich seit Wochen, und nachts beru­higst du dich mit einer ordent­li­chen Por­tion Bal­drian, wäh­rend du auf deinem Laven­del­kis­sen liegst, das eine gedan­ken­lose Nacht” ver­spricht.

Stu­die­ren ist nicht leicht und vor allem kein Selbst­läu­fer. Eine Haus­ar­beit jagt die nächste und in den Semes­ter­fe­rien heißt es ab zum Pflicht­prak­ti­kum, natür­lich unbe­zahlt. Die roman­ti­sche Vor­stel­lung von Semes­ter­par­tys, frei­wil­li­gem Lernen und intel­lek­tu­el­len Kon­ver­sa­tio­nen gehört spä­tes­tens nach dem ersten Semes­ter der Ver­gan­gen­heit an.

Wäh­rend die Gene­ra­tion unse­rer Eltern von Bücher­clubs, Stu­den­ten­fahr­ten, langen Gesprä­chen mit ihren Pro­fes­so­ren und der Zeit ihres Lebens spricht, fragst du dich regel­mä­ßig Was soll der ganze Mist?”. Das Stu­dium ist schon lange nicht mehr das, was es einst mal war. Über­füllte Uni­ver­si­tä­ten, Bolo­gna und ein stetig wach­sen­der Kampf auf dem Arbeits­markt führen dazu, dass Uni­ver­si­tä­ten sich immer mehr von ihren Stu­die­ren­den ent­frem­den und es nur noch um das eine große Ziel geht: End­lich den Abschluss in der Tasche zu haben. 

Hinzu kommt die Frage nach der Finan­zie­rung. So kostet das Stu­dium eine ganze Menge Bares. Um frei und unab­hän­gig stu­die­ren zu können und die Module, Semi­nare und Übun­gen nicht nach einer Schicht im Lager oder an der Kasse legen zu müssen, grei­fen viele Stu­die­rende auf BaföG, Stu­di­en­kre­dite und sons­tige Finan­zie­rungs­ar­ten zurück. Das sorgt für zusätz­li­chen Druck, das Stu­dium in der soge­nann­ten Regel­stu­di­en­zeit zu absol­vie­ren. Doch tat­säch­lich schaf­fen nur 38,5% der deut­schen Stu­die­ren­den ihren Bache­lor in der Regel­stu­di­en­zeit und ledig­lich 27% ihren Master in den vor­ge­ge­be­nen Semes­tern. Fakt ist, dass sich die Stu­die­ren­den heute müde, erschöpft und aus­ge­brannt fühlen — und das, obwohl das Berufs­le­ben noch nicht einmal begon­nen hat. 

Wir haben uns diesem Thema ange­nom­men und möch­ten dich darin unter­stüt­zen, mit mehr Acht­sam­keit dein Stu­dium zu absol­vie­ren.

Tipp 1: Gesun­der Abstand

So viel vorab: Deine Exis­tenz hängt nicht von deinem Stu­dium ab. Du bist nicht dein Stu­dium. Es pas­siert schnell, dass das Gefühl ent­steht, das gesamte Leben hänge von einer Klau­sur oder einer Prä­sen­ta­tion ab. Dem ist nicht so. Du bist mehr als eine Note im Fach Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten oder Ana­ly­sis 1. Werde dir dieser Tat­sa­che bewusst und ent­wickle einen gesun­den Abstand zu Prü­fungs­er­geb­nis­sen und Co. Es gibt immer einen Plan B, C oder sogar D und Men­schen, die dich dabei unter­stüt­zen. Probier’s doch ein­fach mal aus. Spinne mit deinen Kom­mi­li­to­nen oder deinem Part­ner einen Plan B oder C zusam­men. Lasse deiner Fan­ta­sie freien Lauf. Mit einem Van durch Por­tu­gal, mit Green­peace Vögel retten oder direkt in den Beruf ein­stei­gen?

Tipp 2: Fach­idiot oder Metho­den-Chef

Natür­lich ist es schön, wenn man im Laufe seines Stu­di­ums das Peri­oden­sys­tem her­be­ten, Tay­lor­po­ly­nome lösen und die Inves­ti­ti­ons­ri­si­ken von Anlei­hen berech­nen kann. Doch auch wenn es in dem einen oder ande­ren Fach hapert bedeu­tet das nicht, dass du unge­eig­net oder unfä­hig bist. Das Stu­dium besteht zwar aus Ein­zel­tei­len und tau­sen­den von Vor­le­sungs­fo­lien, doch das, was wirk­lich ver­mit­telt wird, sind Kom­pe­ten­zen, die tiefer gehen als das Aus­wen­dig­ler­nen von Krus­kal, Dijk­s­tra oder Sim­plex-Algo­rith­men.

Es geht, außer in weni­gen Aus­nah­men, vor allem um die Metho­dik, die du erwirbst. Die Art und Weise, Lösungs­stra­te­gien zu finden, im Team zu arbei­ten, dich zu ver­netz­ten und durch­zu­hal­ten, auch wenn drau­ßen die Sonne scheint und der Eis­mann auf dem Campus sein neues Him­beer-Sorbet ver­kauft. Du lernst fürs Leben und nicht für den Moment.

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Tipp 3: Sharing is Caring

Sharing is Caring. So abge­dro­schen das auch klin­gen mag, bedeu­tet acht­sa­mes Stu­die­ren, sich gegen­sei­tig zu unter­stüt­zen und zu helfen. Das führt nicht nur zu einem star­ken Gemein­schafts­ge­fühl und neuen Freund­schaf­ten, son­dern auch zu weni­ger Arbeit. Teile den Workload wie Haus­auf­ga­ben oder Zusam­men­fas­sun­gen mit deinen Kom­mi­li­to­nen und tau­sche Lern­ma­te­rial und Erfah­rungs­be­richte aus. Work smar­ter not harder. Du wirst schnell merken, dass du mit deinen Sorgen, Prü­fungs­ängs­ten und finan­zi­el­len Pro­ble­men nicht alleine bist. Meist sitzen noch eine ganze Menge ande­rer im selben Boot. 

Wir leben in einer Gemein­schaft, die nur gemein­sam funk­tio­niert. Also, schnapp dir vor der nächs­ten Prü­fungs­phase deine Kom­mi­li­to­nen und gründe eine Lern­gruppe. Oder tau­sche dich in stu­di­en­in­terne Netz­werke über Prü­fungs­in­halte und Co. aus.

Tipp 4: Setze Gren­zen

Das Stu­dium ist die Zeit, in der du unab­hän­gig wirst. Mit großer Wahr­schein­lich­keit hast du das Eltern­haus ver­las­sen oder bist sogar in eine neue Stadt gezo­gen. So lang­sam lernst du, auf eige­nen Füßen zu stehen und das bedeu­tet auch, neue Gren­zen auf­zu­zei­gen. Wenn dich das stän­dige Fragen deiner Eltern nach Noten, Klau­su­ren und neuen Freund­schaf­ten auf die Palme bringt und du trotz Klau­su­ren­stress bei dem nächs­ten Tele­fon­ge­spräch eifrig erklärst, dass alles mehr als supi läuft, dann ist es Zeit, Stop” zu sagen. Du stehst in nie­man­des Schuld, du hast keine Pflicht, dich erklä­ren zu müssen und du darfst deine eige­nen Erfah­run­gen und Fehler machen. 

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Tipp 5: Schaffe dir Raum

Wie immer geht es um eine gesunde Balance im Leben. Natür­lich gehö­ren stun­den­lange Lern­ses­si­ons in der Uni-Biblio­thek zum Stu­dium dazu. Nichts­des­to­trotz ist es wich­tig, Frei­räume zu schaf­fen. Sei es, um einem Hobby nach­zu­ge­hen, sich mit Freun­den zu tref­fen, oder auch ein­fach mal nichts zu tun. Lerne, Lan­ge­weile zuzu­las­sen und Leere anzu­neh­men. Du musst nicht jede Lücke deines Ter­min­ka­len­ders füllen. Genieße die Frei­heit eines Stu­die­ren­den und gehe mitten in der Woche zum Sport, zu deinem Lieb­lings­café oder zu der neuen Aus­stel­lung von der Fakul­tät für freie Kunst. Krea­ti­vi­tät benö­tigt Leere und in einem vollen Kopf können weder neuen Ideen ent­ste­hen, noch alte Infor­ma­tio­nen ver­ar­bei­tet werden. Also, schaffe dir Raum.

Tipp 6: Mache Fei­er­abend

Wäh­rend des Stu­di­ums befin­det man sich in einem Wirr­warr aus Vor- und Nach­be­rei­tung, Grup­pen­ar­beit, Übun­gen, Tuto­rien, Vor­le­sun­gen, Prak­ti­kas und Semi­na­ren. Es gibt kaum feste Arbeits­zei­ten und die größte Kunst besteht darin, sich zu orga­ni­sie­ren und die vielen klei­nen Ein­zel­teile zu einem großen Ganzen namens Stun­den­plan zusam­men zu fügen. Schnell kommen ins­ge­samt mehr Stun­den zusam­men, als ein klas­si­scher 9 to 5 Job beinhal­tet. Wich­tig in der Pla­nung deines Stun­den­pla­nes ist, dir im Vor­hin­ein feste Fei­er­abende ein­zu­tra­gen. Diese sind genauso wich­tig, wie all die ande­ren Ter­mine in deinem Kalen­der. Erlaube dir, abzu­schal­ten und einen Uni-Tag abzu­schlie­ßen.

Tipp 7: Self­care is mehr

Wie in allen ande­ren Lebens­la­gen, so nimmt das Thema Selbst­für­sorge auch hier einen wich­ti­gen Platz ein. Gerade zu Beginn eines neuen Stu­di­ums herrscht große Ver­pas­sungs­angst und die Sorge davor, keinen Anschluss zu finden und Prü­fungs­mo­da­li­tä­ten nicht ein­zu­hal­ten. Übe dich in Self­care! Das heißt, übe dich darin, dich um dich selbst zu küm­mern und für dich zu sorgen. 

Schaue auf deine eige­nen Bedürf­nisse, auch wenn die nächste WG-Party winkt. Erkenne, was dir wirk­lich gut tut, anstatt blind den ande­ren zu folgen. Gehe nicht zu hart mit dir ins Gericht und zeige nicht jedes Mal mit dem Zei­ge­fin­ger auf dich, sobald du deine Erwar­tun­gen nicht erfül­len konn­test. Self­care bedeu­tet, Mit­ge­fühl dir selbst gegen­über zu üben und dir Fehler und schlechte Tage zu ver­zei­hen. Es bedeu­tet, dich und dein Stu­dium nicht zu ernst zu nehmen und über ver­patzte Prä­sen­ta­tio­nen, ver­spä­tete Dead­line und ver­passte Fris­ten früher oder später lachen zu können.

Wie du siehst, ist das Stu­dium kein Zucker­schle­cken. Nichts­des­to­trotz ist dir eine ein­ma­lige Chance gege­ben, dich wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, zu lernen, zu bilden und neue Bezie­hun­gen zu knüp­fen. Das Stu­dium ver­schafft dir eine ein­zig­ar­tige Mög­lich­keit, bereits jetzt Prio­ri­tä­ten zu setzen und dich aktiv dafür zu ent­schei­den, Acht­sam­keit in dein Leben zu lassen. 

Natür­lich ist eini­ges leich­ter gesagt als getan — mit einem Stu­di­en­kre­dit im Nacken, einem ner­vi­gen Mit­be­woh­ner und einem Meer aus Mög­lich­kei­ten, das über­wäl­ti­gend scheint — doch ver­su­che, dich wäh­rend deines Stu­di­ums, immer wieder auf das Hier und Jetzt zu kon­zen­trie­ren. Werde dir bewusst, dass dein Stu­dium nicht alles im Leben ist und du mehr bist, als das Prü­fungs­er­geb­nis in Lineare Alge­bra.

Die Pod­cast­folge zum Impuls der Woche:


Acht­sam­keit im Uni-Alltag inte­grie­ren:
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