von Alex­an­dra Gojowy

Schuld­ge­fühle adé!

Die Son­nen­stun­den werden weni­ger, die Kla­mot­ten­schich­ten mehr, der Tee­kon­sum steigt… Der Herbst ist eine Zeit der Gemüt­lich­keit, des Lang­sam­wer­dens, und des Drin­nen­blei­bens (wobei das in dieses Jahr keine große Umstel­lung ist). Für viele bedeu­tet die Umstel­lung der Jah­res­zei­ten auch einen Wandel im Lebens­stil. Vor zwei Mona­ten haben wir noch selbst­ver­ständ­lich das Rad genom­men und an heißen Tagen gerne einen Salat geschnip­pelt, heute sehnen wir uns eher nach def­ti­ger Küche und einem Blech frisch geba­cke­ner Kekse.

Diese Ent­wick­lung ist an sich ganz natür­lich: Klar bewe­gen wir uns bei Kälte weni­ger, sehnen uns nach def­ti­gen, wär­men­den Gerich­ten und viel­leicht dem ein oder ande­ren Glüh­wein.
Die nega­tive Kon­no­ta­tion zu unge­sun­dem“ Essen ist bei immer mehr Men­schen so stark, dass wir die Köst­lich­kei­ten gar nicht mehr genie­ßen können – selbst wenn sich unser Körper danach sehnt. Bege­ben wir uns erst in die Gedan­ken­spi­rale der Selbst­ver­ur­tei­lung, ist es gar nicht so leicht, wieder raus zu kommen. Dabei sagt uns der eigne Körper auch in der gemüt­li­chen Jah­res­zeit ziem­lich genau, was er braucht und wie viel. 

Dieser Arti­kel ist für alle, die es satt haben, Essen mit Schuld­ge­füh­len zu ver­bin­den. Wenn wir unse­rem Körper zuhö­ren, merken wir, dass wir auch mal lust­voll schlem­men können — ganz ohne Schuld­ge­fühle.

Die Spra­che des Kör­pers

In der Theo­rie ist es gar nicht so schwer, denn die Spra­che des Kör­pers ist ein­fach. Dein Körper weiß, wann er Ruhe braucht. Er weiß, wann er satt ist und er weiß, welche Nah­rungs­mit­tel er wann gerne mag. Er bemerkt auch, wenn du dich in einer Situa­tion unwohl fühlst und sendet Signale, wenn dich jemand unfair behan­delt. Er weiß sogar, wann du die Wahr­heit sagst und wann du etwas aus­spricht, das eigent­lich nicht deinem Gefühl ent­spricht. Doch wie gehst du mit diesen feinen Infor­ma­tio­nen um, die dich aus deinem Innern errei­chen?

In Momen­ten, in denen du dich anpasst und zum Bei­spiel am Kaf­fee­tisch mit deinen Ver­wand­ten sitzt, obwohl es einen Kon­flikt gibt oder mit Freun­den nach der Arbeit über den Weih­nachts­markt schlen­derst, obwohl du lieber nach Hause gefah­ren wärst, musst du die Spra­che deines Kör­pers unter­drü­cken. Und auch die Stimme, die dir sagt, dass es eigent­lich ein Pro­blem gibt, dass du eigent­lich gerade deine Ruhe brauchst oder gar keine Lust auf Gesell­schaft hast. Meist ist das schlechte Gewis­sen in solch einem Moment stär­ker. Vor allem an Weih­nach­ten möchte man die schöne Stim­mung nicht zer­stö­ren, nie­man­den ent­täu­schen und keinen Streit ent­fa­chen. Lieber bis zur nächs­ten Gele­gen­heit warten, Zeit für sich selbst kann man ja auch noch am Wochen­ende nehmen und ach, die Fami­li­en­pro­bleme sind nächs­tes Jahr bestimmt immer noch prä­sent.

Um die Situa­tion aus­zu­hal­ten, greift man gern auf eine ein­fa­che Methode zurück: Ver­drän­gung und Ent­schä­di­gung! Ver­drän­gen tut nicht gut. Aber wenn man dafür einen Keks, einen Glüh­wein oder ein zwei­tes Stück Kuchen essen kann, tut es nicht ganz so weh. Und ob! Denn die Schuld­ge­fühle, die aus diesem Ver­hal­ten ent­ste­hen, sind gegen einen selbst gerich­tet. Spä­tes­tens jetzt geht es gar nicht mehr um den Keks, son­dern dass er als Bewäl­ti­gungs­stra­te­gie für eine Situa­tion ein­ge­setzt wird, die man nicht gut aus­hal­ten kann. Und das tut sehr wohl weh. Denn statt dem nach­zu­ge­hen, was man wirk­lich fühlt, haut man noch­mal ordent­lich oben drauf. 

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Schritt 1: Die Wahr­neh­mung stär­ken

Wann hast du dir das letzte Mal Zeit genom­men, um so rich­tig in deinen Körper zu kommen? Ihn rich­tig zu fühlen und atmen zu lassen? Die Hände auf deinen Bauch zu legen und lie­be­voll zu halten? Nicht zöger­lich, in der Hoff­nung das man dir die Weih­nachts­kekse nicht schon ansieht, son­dern voll und ganz, mit allen zehn Fin­gern?

Natür­lich kann man auch in den Körper kommen, wäh­rend man sich beim Sport ver­aus­gabt, ein Bad nimmt, Zeit mit dem Part­ner oder der Part­ne­rin ver­bringt. Wovon hier die Rede ist, ist aber ein stil­ler Moment, nur mit dir selbst. Du kannst deinen Körper sogar begrü­ßen, ihn fragen, was er dir sagen will. Es ist wie ein inne­rer Dialog mit dir selbst. Schau dir deinen Körper an und hör mit deinem inne­ren Ohr zu. Je öfter du diese Übung machst, desto stär­ker wirst du die Ver­bin­dung wahr­neh­men.

Da Weih­nach­ten eine Zeit der Ver­lo­ckung und der äuße­ren Reize ist, kann die natür­li­che Ver­bin­dung zu dem, was in dir vor­geht, schnell gekappt werden. Wenn du das Gefühl hast, dir geht der Kon­takt ver­lo­ren, dann richte deine Auf­merk­sam­keit ein­fach auf deinen Bauch. Ver­weile dort so lange, bist du das Gefühl hast, wieder bei dir ange­kom­men zu sein.

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Acht­sam­keits­übun­gen, wie bei­spiels­weise der Body Scan, sind eben­falls bes­tens geeig­net, um deinen Körper ken­nen­zu­ler­nen. Und das ist unglaub­lich wich­tig, wenn du in schwie­ri­gen Situa­tio­nen einen Weg­wei­ser brauchst. Eigent­lich gibt es nicht viel mehr zu tun, als den Signa­len des Kör­pers zu lau­schen und dir zu erlau­ben, ihnen nach­zu­ge­hen.

Schritt 2: Selbst­mit­ge­fühl statt –ver­ur­tei­lung

Mache dir in einem zwei­ten Schritt bewusst, dass eine Selbst­ve­r­utei­lung immer eine kleine Strafe ist, die du dir selbst auf­er­legst. Und oft kommt diese Strafe zu einem Zeit­punkt, an dem Mit­ge­fühl für dich selbst, deine Gedan­ken und Hand­lun­gen am nötigs­ten wären. Egal wie schlimm du deine Situa­tion oder Tat auch bewer­test, egal, ob es darum geht, dass du zu viel geges­sen oder einen Men­schen ent­täuscht hast — begegne dir selbst mit einer freund­li­chen Hal­tung.

Eine freund­li­che Hal­tung beginnt ein­fach nur damit, zu erken­nen, was du inner­lich mit dir tust. Und das kann ein wahrer Aha-Moment sein! Aha, ich kom­pen­siere gerade mit Essen. Aha, ich fühle mich schul­dig, wenn meine Bedürf­nis­sen aus­spre­che. Aha, es fällt mir schwer, mit meiner Fami­lie an einem Tisch zu sitzen. Aha, ich brau­che Zeit für mich und bin dem nicht nach­ge­gan­gen. Aha, ich habe ver­sucht es allen recht zu machen außer mir selbst. 

Ein Aha-Moment ist ein Augen­blick, in dem du freund­lich betrach­test, was du tust. Er ver­ur­teilt nicht, fragt nicht warum und sagt dir nicht, was du als nächs­tes machen sollst. Er macht dich ein­fach nur auf­merk­sam, mehr nicht. Bleibe in diesem Moment stehen und lass das Gedan­ken­ka­rus­sell anhal­ten. Mehr braucht es für den Anfang nicht. 

Selbst­mit­ge­fühl lässt sich nicht erzwin­gen. Wenn dir Selbst­ver­ur­tei­lung bekannt ist, wirst du nicht plötz­lich und über Nacht zu radi­ka­ler Selbst­liebe über­ge­hen. Lass dir Zeit und gönne dir so viele Aha-Momente, wie du brauchst. Selbst­mit­ge­fühl ist ein lebens­lan­ger Pro­zess, der dir viel über dich selbst und deine Denk­mus­ter ver­ra­ten wird. Sei acht­sam mit dir, deinem Körper und was er dir zu sagen hat. Es ist deine Spra­che, deine Kom­mu­ni­ka­tion mit dir selbst. Mache eine Ent­de­ckungs­reise daraus und du wirst sehen, wie du dir und dem Leben einen Schritt näher kommst.

Die Pod­cast­folge zum Impuls der Woche:


Acht­sa­mer essen durch Medi­ta­tion:
7Mind kos­ten­los star­ten


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