Was tun bei Weltschmerz? 3 Ideen zum Überwinden

Viele Menschen fühlen sich aufgrund der politischen Weltlage und gesellschaftlichen Umbrüche entmutigt. Wir gehen der Frage nach, ob Weltschmerz ein Luxusproblem ist was wir stattdessen tun können.

Weltschmerz überwinden

Hast du auch manchmal das Gefühl, alles würde irgendwie den Bach heruntergehen? Wann immer wir das Radio oder den Fernseher einschalten, eine Zeitung aufschlagen oder die News-App öffnen, werden wir mit negativen Schlagzeilen konfrontiert. Manche Menschen fühlen sich aufgrund der tagtäglichen “Bad News” so niedergeschlagen, dass sie lieber gar keine Nachrichten mehr konsumieren. Noch dazu kommen die Debatten um “Fake News”, “Hate Speech” und “Framing”, die zu allgemeiner Verunsicherung führen.

Tierleid, Umweltkatastrophen, Rechtsruck, Populismus - verständlich, dass wir uns an manchen Tagen einfach nur die Decke über den Kopf ziehen möchten. Wenn wir die Dinge wirklich an uns heranlassen, kommen wir schnell an einen Punkt von Weltschmerz - ein Gefühl der Hilflosigkeit, Ohnmacht oder auch Ärger angesichts der Realität, in der wir leben. Nichts mehr zu fühlen, wäre keine Lösung, dennoch kann man der Melancholie auch Taten entgegensetzen. Wir haben 3 Tipps gesammelt, mit denen du die Last der Welt von deinen Schultern nehmen, und vom Leiden ins Tun kommen kannst.

Ist Weltschmerz ein Luxusproblem?

Der Deutsche Schriftsteller Jean Paul prägte im 19. Jahrhundert den Begriff des Weltschmerzes, wenn auch in einem anderen Kontext. In Pauls Definition spielte der “Genuss am Leid” eine große Rolle, wobei sich seine Definition vor allem auf Künstler bezog, die sich ihrem Schmerz in Form von Musik oder Literatur hingeben, und ihn so verarbeiten.

Natürlich empfindet heute niemand, der sich für das Wohl der Tiere einsetzt oder gegen Waffenexporte ausspricht, Genuss am eigenen Leid oder dem anderer Lebewesen. Wenn wir heute von Weltschmerz sprechen, geht es eher um eine tiefe Traurigkeit, die wir aufgrund der Ungerechtigkeit des Systems, in dem wir leben, empfinden. Die Redakteurin Julia Wild sagt: “Wir empfinden Weltschmerz, wenn die Entwicklungen unseren persönlichen Vorstellungen widersprechen, was mitunter Furcht erzeugen kann. Wir fühlen uns paralysiert, weil wir an dem gegenwärtigen Zustand nichts ändern können. Das Leid des großen Ganzen trifft uns damit auf persönlicher Ebene.”

Die Philosophin Sabine Döhring betrachtet das Phänomen Weltschmerz aus einer weiteren Perspektive. Sie sagt, dass es sich dabei vor allem um ein “First World Problem” handle: “Wenn Sie ums nackte Überleben kämpfen müssen, ist da kein Platz für Weltschmerz.” Sollten wir uns also lieber auf unseren eigenen kleinen Kosmos konzentrieren oder uns lautstark über den Zustand der Welt empören? Döhring kommt zu dem Schluss, dass “Prozesse wie Globalisierung, Digitalisierung oder Massenmigration zwar unaufhaltsam sind, wir sie aber durchaus steuern können. Wir sind nicht hilflos ausgeliefert.“

Wenn du dich also fragst, wie du deinen Schmerz lindern und trotzdem nicht gleichgültig mit dem Zustand der Welt umgehen kannst, dann probiere einen der folgenden Tipps:

Weltschmerz überwinden: 3 Impulse um ins Tun zu kommen

1. Mitgefühl praktizieren

Mitgefühl verändert den Blick auf die Welt, denn es öffnet dein Herz für alles was ist - auch für den Schmerz. Mitgefühl und vor allem das Selbstmitgefühl, sind wichtige Ausgangspunkte, um das eigene Wirken in der Welt zu betrachten. Bei Selbstmitgefühl geht es laut Psychologie Heute vor allem um eine freundliche Haltung, das Erkennen und Akzeptieren der eigenen Gedanken und Gefühle, aber auch “die Konfrontation mit der eigenen Fähigkeit zu Grausamkeit, die Auseinandersetzung mit Angst, Mut, Schuld und Vergebung”. Du siehst, in Mitgefühl steckt so viel mehr als emotionale Streicheleinheiten.

Mithilfe von Metta-Meditationen zum Beispiel, kann man das Selbstmitgefühl, aber auch das Mitgefühl gegenüber allen anderen fühlenden Wesen, stärken. Bei dieser Meditation veränderst du dein inneres Gefühlserleben. Bei der Metta-Meditation handelt es sich tatsächlich um eine der ältesten Meditationsformen aus dem Buddhismus. Ziel ist es, eine wohlwollende Haltung gegenüber der Welt einzunehmen. Bei Weltschmerz kann diese Übung helfen, sich aus dem Gefühl der Ohnmacht zu befreien und wieder bei sich selbst anzukommen. Zugegeben, das ist nicht ganz leicht, denn während einer Metta-Meditation richtet man die eigene liebevolle Güte auch auf Menschen oder Dinge, mit denen man in Konflikt steht.

2. Aktiv werden, aber Erwartungsdruck loslassen

Heutzutage ist es kaum mehr möglich, zu sagen “Krieg und Elend sind so weit entfernt, das betrifft mich nicht”. Dank der Globalisierung und des technischen Fortschritts sind wir so gut vernetzt wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Täglich erreichen uns Bilder aus den entferntesten Winkeln der Welt. Würden wir die Augen vor Leid und Elend verschließen, wären wir auch abgeschnitten von einem wichtigen Teil der Realität.

Es ist wichtig, dass wir uns bewegen, dass wir aktiv werden, trotzdem sollten wir auch den Bereich des Möglichen für uns definieren. Einen Bereich, in dem wir wirksam sein können, ohne uns zu überfordern. So nobel es auch ist, sich für das große Ganze einzusetzen, wenn wir dabei unsere eigenen Grenzen überschreiten, ist niemandem geholfen. Deshalb sollten wir akzeptieren, dass jeder das Maß und den Umfang seines Einsatzes selbst bestimmen darf. Für den einen bedeutet das, sich vegan zu ernähren, andere sind Teil der “Friday for Futures” Bewegung. Wieder andere verzichten auf Plastik oder fahren ehrenamtlich in Krisengebiete, um den Menschen vor Ort zu helfen.

So sehr du dich auch bemühst, erinnere dich daran, dass niemand immer alles perfekt machen kann. Und schon gar nicht in jedem Lebensbereich. Ebenso wenig, wie du selbst immerzu gerecht und liebevoll handeln kannst, wird sich die Welt auch nicht ausschließlich gerecht und liebevoll darstellen. Schau, was du tun kannst, akzeptiere aber auch deine Grenzen und lass dich nicht von deinem eigenen Erwartungsdruck herunterziehen.

Vielleicht hilft es dir auch, gemeinsam mit anderen aktiv zu werden, einen Verein, eine Demo oder Organisation zu suchen, die sich für deine Interessen und Veränderungswünsche einsetzt. In einer Gruppe kommt eine ganz andere Dynamik zustande, die vor allem die Hoffnungslosigkeit nimmt und das Gefühl der Verbundenheit stärkt.

3. Akzeptieren, dass alles da ist

Kommen wir zum letzten und schwierigsten Punkt: Akzeptanz für alles, was ist. Die Bestsellerautorin Byron Katie, sagt „Wenn du gegen die Wirklichkeit kämpfst, verlierst du, jedes Mal.” Auch wenn wir Mitgefühl entwickeln und aktiv werden können, so lassen sich viele Dinge trotzdem nicht sofort ändern. Die Welt wird morgen noch keine bessere sein und auch kleine Veränderungen brauchen Zeit und Muße, um ihre Wirkung zu entfalten. Doch solange wir uns im ständigen Kampf gegen den Zustand der Welt befinden, wird auch der Schmerz nicht weichen. Eine annehmende Haltung kannst du vor allem durch deine Meditationspraxis kultivieren.

Eines der Grundprinzipien der Achtsamkeit ist eine nicht wertende Haltung gegenüber dem, was ist. Wenn du dich angesichts der globalen Herausforderungen sträubst, diese Haltung einzunehmen, dann hilft dir vielleicht das Gesetz der Polarität. Das Gesetz der Polarität besagt, dass alles in der Welt zwei Pole hat und diese auch braucht, um im Gleichgewicht zu bleiben. Genauso wie beim Ein- und Ausatmen, ist das Leben ein Wechselpiel von zwei Seiten und beide Seiten werden gebraucht, damit ein universelles Gleichgewicht hergestellt werden kann.

Für etwas mehr Gleichgewicht in deinem News-Feed können auch gute Nachrichten helfen. Blogs wie Mit Vergnügen, Good Impact oder Good News Network sammeln wöchentlich gute Nachrichten aus aller Welt, um dem scheinbaren “Negativity Bias” der Massenmedien etwas entgegenzusetzen.

Während wir uns also mit den großen Problemen der Welt auseinandersetzen, können wir dabei drei Dinge mit in Betracht ziehen, um uns nicht vom Weltschmerz lähmen zu lassen: Eine mitfühlende Haltung uns selbst und allen Lebewesen gegenüber, eine realistische Einschätzung unserer Ressourcen und Fähigkeiten, die wir bewusst einsetzen können, um nach unseren Möglichkeiten aktiv zu werden und eine Akzeptanz für die Dinge, die sich so schnell nicht ändern lassen. Übrigens nicht zu vergessen als Erste-Hilfe-Tipp bei Weltschmerz: Ein guter Freund oder eine gute Freundin, mit der du deine Gedanken, Sorgen und Ängste, aber das ein Gefühl der tiefen Verbundenheit teilen kannst.


Die Podcastfolge zum Impuls der Woche:

Bild: Jordan Bauer auf Unsplash

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