Sab­rina Schmidt

Kennst du deine per­sön­li­chen Werte?

Unsere Werte geben uns eine grund­le­gende Ori­en­tie­rung und bilden ab, was uns im Leben wich­tig ist. Wenn wir in einer schwie­ri­gen Situa­tion nicht weiter wissen, hilft es, sich auf unsere Werte zu besin­nen – denn sie leiten und unter­stüt­zen uns dabei, ein erfüll­tes Leben zu führen.

Wer sich im Klaren über seine per­sön­li­chen Werte ist, lebt nach einem inne­ren Kom­pass und kann weni­ger von Außen mani­pu­liert werden. Das klingt nach einem prak­ti­schen Fea­ture, das wir alle schon in uns tragen. Die ein­zige Frage, die sich stellt: Kennen wir unsere Werte? 

In einem Arti­kel schrie­ben wir bereits dar­über, wie du deine Werte defi­nie­ren und nach ihnen leben kannst. Auch unsere Kolleg:innen von Ein­Gu­ter­Plan stel­len in ihrem Blog eine tolle Mög­lich­keit vor, eigene Werte zu finden. Dabei fil­terst du aus einer langen Liste von A wie Aben­teuer bis Z wie Zuver­läs­sig­keit alle Werte heraus, die in dir Reso­nanz her­vor­ru­fen. Dabei geht es nicht darum, die Werte aus­zu­su­chen, die wir uns ganz klamm­heim­lich für uns selbst wün­schen, son­dern wirk­lich um die, die uns ein gutes Bauch­ge­fühl geben, wenn wir sie lesen.

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Einmal ein Wert, immer ein Wert?

Du hast deine Werte schon vor eini­ger Zeit für dich defi­niert? Super, dann weißt du schon viel dar­über, was dich im Leben antreibt. Trotz­dem lohnt es regel­mä­ßig inne­zu­hal­ten und sich zu fragen: Sind das noch immer die Werte, die zu mir passen? Denn die Vor­stel­lun­gen, die vor ein paar Jahren dein Ver­hal­ten und deine Ent­schei­dun­gen bestimmt haben, müssen heute nicht mehr aktu­ell sein. Dahin­ter steckt eine ein­fa­che Tat­sa­che: Wir Men­schen befin­den uns in einem per­ma­nen­ten Ver­än­de­rungs­pro­zess. Dem Leben sei Dank! Doch diese Ände­run­gen kommen nicht von heute auf morgen, son­dern schlei­chend und gar still, sodass wir ohne aktive Refle­xion viel­leicht gar nicht bemer­ken, wie sich auch unser Wer­te­sys­tem ver­än­dert. Wir haben hier für dich zwei Übun­gen, die dabei helfen, deine Werte von damals mit heute abzu­glei­chen.

1. Übung: Ver­su­che dich daran zu erin­nern, wie dein Leben vor fünf oder auch zehn Jahren aussah: Welche Themen haben dich beschäf­tigt, welche Men­schen waren Teil deines Lebens und wie genau sah ein typi­scher Tag damals aus? Stellst du Unter­schiede zu heute fest, die mit einer Ver­schie­bung deines Wer­te­sys­tems zusam­men­hän­gen können?

2. Übung: Nimm nun deine Erkennt­nisse aus der ersten Übung mit oder mache dir noch­mal die Werte bewusst, die du zuletzt für dich defi­niert hast. Dabei ist es nicht schlimm, wenn du dich nicht an alle erin­nerst. Glei­che sie nun mit deinem aktu­el­len Leben ab: Bist du heute im Ein­klang mit ihnen oder spürst du bei einem Wert einen inne­ren Wider­stand, wenn du ihn dir vor Augen hältst?

Sei acht­sam und achte darauf, was sich dir bei diesen Übun­gen zeigt: Es kann ein span­nen­der Ansatz­punkt sein, um deine Werte neu zu ergrün­den. Aller­dings ist es auch ver­wir­rend, wenn wir fest­stel­len, dass ein Wert nicht mehr so wich­tig für uns ist, wie noch vor 5 Jahren. Denn im Grunde ist unser Wer­te­sys­tem da, um uns in Momen­ten des Ver­lo­ren­seins die rich­tige Rich­tung zu weisen. Was also, wenn selbst der innere Kom­pass nicht mehr rich­tig funk­tio­niert?

Tat­säch­lich ist es völlig okay und kein Grund zur Sorge, wenn wir bemer­ken, dass ein paar unse­rer defi­nier­ten Werte nicht mehr zu uns passen. Denn diese Ver­än­de­rung zeigt: Wir reagie­ren auf das, was uns im Leben begeg­net, und ent­wi­ckeln uns in unse­rer Per­sön­lich­keit. Du kannst es dir also so vor­stel­len, als wür­dest du ab und an deinen inne­ren Kom­pass neu nach Norden aus­rich­ten – um so wieder im Ein­klang mit deinen aktu­el­len Werten zu leben.

Wer oder was prägt unsere Werte?

Span­nend ist es, wenn wir uns genauer anse­hen, was oder wer unser Wer­te­sys­tem im Laufe des Lebens bewegt. Eine Studie zur Wer­te­land­schaft in Deutsch­land fand heraus, dass wir uns am meis­ten durch unsere Eltern geprägt fühlen. Doch auch andere nahe­ste­hende Bezugs­per­so­nen wie Freunde und Freun­din­nen, Part­ner und Part­ne­rin­nen oder das Arbeits- und Stu­di­en­um­feld beein­flus­sen, was uns wich­tig im Leben ist. 

Es über­rascht nicht, dass auch Schick­sals­schläge oder andere große Ver­än­de­run­gen im Leben einen Ein­fluss auf unsere Wert­vor­stel­lung haben: So können sich in per­sön­li­chen Krisen Werte her­vor­tun, die wir noch nicht für uns gesich­tet hatten, wäh­rend andere etwas ins Wanken gera­ten. Auch der Beginn einer Lebens­phase, ein Wohn­ort- oder Job­wech­sel oder andere Umbrü­che im Alltag sind beson­ders span­nende Zeit­punkte, um die eigene Ent­wick­lung und die damit ver­bun­de­nen Werte zu reflek­tie­ren.

Und welche Fak­to­ren haben am wenigs­tens das Zeug dazu, unsere Werte zu beein­flus­sen? Ein Blick auf die Schluss­lich­ter zeigt, dass soziale Medien und Per­so­nen, denen wir folgen, zwar für ein großes Grund­rau­schen im Alltag sorgen, sie aber aus Sicht der Befrag­ten nicht die Macht haben, ihr Wer­te­sys­tem zu erschüt­tern. Das sahen übri­gens die Jugend­li­chen unter den Befrag­ten genauso wie die Erwach­se­nen.

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Die Werte, die uns ver­bin­den

Lassen wir den Blick nun etwas weiter werden und zoomen aus unse­rem direk­ten Umfeld heraus: Wie sieht es mit den Werten der Vielen” aus, also der Gesell­schaft, in der wir leben?

Die Werte-Studie von 2019 zeigt, was die Indi­vi­duen in unse­rer Gemein­schaft am erstre­bens­wer­tes­ten finden: Freunde, Fami­lie und Bezie­hun­gen. Das sind übri­gens auch die Werte, die über Kul­tur­kreise und Jahr­zehnte hinweg wei­test­ge­hend stabil blei­ben.

Auch Unab­hän­gig­keit und Eigen­ver­ant­wor­tung für sich und sein Han­deln zu über­neh­men, schaf­fen es unter die Top 5 Werte der Deut­schen – gemein­sam mit Das Leben genie­ßen”, was laut For­schungs­team nicht als reiner Hedo­nis­mus zu ver­ste­hen ist. Viel­mehr ver­mi­schen sich hier hedo­nis­ti­sche Ideen mit dem Wunsch nach sinn­stif­ten­der Arbeit und einem erfül­len­den Leben.

Die Forscher:innen sehen in den Ergeb­nis­sen einen Trend hin zu einer indi­vi­dua­li­sier­ten-gemein­schafts­be­zo­ge­nen Wer­te­welt, mit einem großen Anteil, der sich an idea­lis­ti­schen Werten ori­en­tiert. Das heißt: Die Gemein­schaft gewinnt zwar für uns an Bedeu­tung, doch soll nicht zulas­ten unse­rer Selbst­be­stim­mung und –ver­wirk­li­chung gehen.

Das Ziel dahin­ter scheint zu sein, sich dem eige­nen sozia­len Umfeld zuzu­wen­den und damit ein­her­ge­hend ein bewuss­te­res und acht­sa­me­res Leben zu führen. Das ist ein Trend, mit dem wir von 7Mind sehr gerne mit­ge­hen!

Ver­schie­ben sich Werte in Kri­sen­zei­ten?

Wie wir durch die Studie erfah­ren haben, können ein­schnei­dende Erleb­nisse im Leben unser Wer­te­sys­tem in Frage stel­len. Doch was macht die aktu­el­len Krise, die uns alle gemein­sam betrifft, mit den Werten einer ganzen Gesell­schaft?

Dieser Frage ist der deut­sche Werte-Index in seiner Son­der­be­fra­gung zur Corona-Krise nach­ge­gan­gen. Wäh­rend Gesund­heit schon immer einer der wich­tigs­ten Werte ist, hat sie in der aktu­el­len Lage nur noch mehr an Bedeu­tung gewon­nen – das glei­che gilt für Fami­lie und Frei­heit. Dabei gehe es nicht bloß um die Sehn­sucht nach dem alten, gren­zen­lo­sen Normal”, son­dern vor allem um den Wunsch nach einem selbst­be­stimm­ten Leben, in dem wir Selbst­wirk­sam­keit erfah­ren. Gerade in Phasen, in denen wir uns nicht frei bewe­gen können, sei es den Men­schen wich­tig, selbst ins Gestal­ten zu gehen, für sich oder die eige­nen Fami­lie. Das ver­schafft Momente, die uns das Gefühl geben, zumin­dest etwas unter Kon­trolle zu haben.

Prof. Wip­per­mann vom deut­schen Werte-Index sieht bei all dem noch eine wei­tere Ent­wick­lung: Durch die Pan­de­mie wurde deut­lich, dass Men­schen, Gesell­schaft und Unter­neh­men ohne Gesund­heit nichts machen können. Die zuvor bedeu­tungs­volle Selbst­op­ti­mie­rung geht nun in Rich­tung Self­care. Das heißt authen­tisch mit dem Körper umge­hen und einen Aus­gleich zwi­schen phy­si­scher sowie men­ta­ler Gesund­heit schaf­fen. Somit in einer Situa­tion intakt blei­ben, wo es gesell­schaft­lich schwie­rig ist soziale Nähe zu pfle­gen.”

Der beschrie­bene Weg Rich­tung Self­care zeigt, dass wir gerade als Gesell­schaft gemein­sam lernen, uns gegen­über eine acht­same Hal­tung ein­zu­neh­men und unsere men­tale sowie kör­per­li­che Gesund­heit mehr wert­zu­schät­zen. Denn wenn wir uns selbst freund­lich und lie­be­voll begeg­nen, können wir uns eine Stütze sein und im Inne­ren Halt finden, wenn wir nicht auf die gewohnte Unter­stüt­zung durch unsere Bezugs­per­so­nen setzen können. In unse­rer 7Mind-App gibt es übri­gens dazu einen kos­ten­lo­sen Kurs für Zeiten in Krise.

Im Ein­klang mit den Werten – wie geht’s?

Um im Kon­takt mit den eige­nen Werten zu blei­ben braucht es die Bereit­schaft, den Blick ehr­lich und bewer­tungs­frei nach innen zu rich­ten: Sind die Werte, die ich einst für mich defi­niert habe, wirk­lich noch die, nach denen ich heute lebe? Zu erken­nen, dass die Aufs und Abs im Leben auch unser Wer­te­sys­tem beein­flusst haben, kann uns auf den ersten Blick auf­wüh­len und gar ver­un­si­chern – gerade wenn wir gelernt haben, dass es schluss­end­lich immer unsere Werte sind, die uns zuver­läs­sig durch das Gewirr an Ent­schei­dun­gen navi­gie­ren.

Und doch lohnt es sich, den Mut auf­zu­brin­gen, das eigene Wer­te­sys­tem zu hin­ter­fra­gen: Denn nur so können wir der per­sön­li­chen Ent­wick­lung, die wir durch­lau­fen, gerecht werden. Lass uns unsere neuen Werten mit einer freund­li­chen, offe­nen Hal­tung begeg­nen und acht­sam inte­grie­ren. Den sie sind es, die uns helfen, ein authen­ti­sches, erfül­len­des Leben zu führen. 

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Die Pod­cast­folge zum Arti­kel:


Bild: Dylan Fer­reira auf Uns­plash