von Julia Hof­mann

Was denkst du, wenn du in den Spie­gel schaust?

Sind wir einmal ganz ehr­lich: manch­mal gefällt einem nicht unbe­dingt, was man dabei sieht. Wenn du hin und wieder schlechte Tage hast, und die nega­ti­ven Gedan­ken über deinen Körper über­wie­gen, dann bist du damit nicht alleine. Viele von uns haben einen sehr star­ken inne­ren Kri­ti­ker. Doch häufig kommen diese Gedan­ken nicht von irgendwo — die meis­ten von uns haben es (leider) schon einmal erlebt: doofe, unan­ge­brachte und meis­tens nicht sehr nette Bemer­kun­gen, die unse­ren Körper betref­fen.

Dabei können diese Kom­men­tare unter­schied­lichste Formen anneh­men, wie bei­spiels­weise

Wofür uns bis vor eini­gen Jahren viel­leicht noch das Wort gefehlt hat, dem können wir heute einen Namen geben: Body­sha­ming

Was ist eigent­lich Body­sha­ming?

Unter Body­sha­ming (Body, eng­lisch Körper“ und Shaming, eng­lisch Beschä­mung“) ver­ste­hen wir heute vor allem, wenn eine Person auf­grund ihres Aus­se­hens abge­wer­tet, gehän­selt oder gemobbt wird. Diese Art der Dis­kri­mi­nie­rung kann im klei­nen statt­fin­den, etwa durch spitze Bemer­kun­gen über das Gewicht oder das Haut­bild — bis hin zu hand­fes­ten Belei­di­gun­gen, Mob­bing oder Aus­gren­zung. Nicht immer steckt hinter diesen Kom­men­ta­ren Bös­wil­lig­keit — was nicht heißt, dass uns solche Kom­men­tare dann nicht ebenso weh tun können.

Ver­schie­denste Fak­to­ren, unter ande­rem auch das Body­sha­ming von außen, führen im Laufe unse­res Lebens dazu, dass unser inne­rer Kri­ti­ker immer wieder neues Futter bekommt.
Wie können wir mit dieser Kritik acht­sam umge­hen? Was können wir gegen Body­sha­ming unter­neh­men?

4 Impulse, wie wir Body­sha­ming & unse­rem inne­ren Kri­ti­ker ent­ge­gen­tre­ten können

Über­denke, mit was du dich umgibst

Mit was umgibst du dich in deinem Alltag? Welche Pro­dukte, Ideen, Inhalte kon­su­mierst du tag­täg­lich? Wie fühlst du dich, wenn du dich am Morgen für den Tag fertig machst? Geben dir die Dinge (Klei­dung, Pfle­ge­pro­dukte, …) ein gutes Gefühl? Oder füt­tern sie den inne­ren Kri­ti­ker und geben dir indi­rekt das Gefühl, du müss­test dünner / schö­ner / fitter / … sein?
Dabei geht es nicht nur um Lebens­mit­tel oder Pro­dukte, son­dern auch Inhalte auf Social Media. Wie fühlst du dich, wenn du die Inhalte siehst?

Acht­sam­keits­im­puls: Frage dich im Alltag immer wieder selbst: Tut mir das gut? Wel­ches Gefühl gibt mir diese Sache? Und triff dann, je nach deinem Gefühl, viel­leicht hier und da einmal die Ent­schei­dung, hier eine Ver­än­de­rung vor­zu­neh­men.

Unrea­lis­ti­sche Ver­glei­che

Eine Sache, die für Viele den inne­ren Kri­ti­ker auf den Plan ruft: Wir ver­glei­chen unse­ren eige­nen Körper mit dem ande­ren Per­so­nen.

Bei Stars und Stern­chen ist es uns ver­mut­lich schon lange klar, dass die Fotos, die wir ins Zeit­schrif­ten und im Inter­net von ihnen sehen, häufig mit der ein oder ande­ren Nach­be­ar­bei­tung ver­bes­sert“ wurden. Doch mit dem zuneh­men­den Ein­satz von Fil­tern und Apps zur Foto­be­ar­bei­tung können auch Per­so­nen wie du und ich mit einem Klick die Haut rein und den Körper einige Kilo dünner zau­bern. Das Inter­net ist voll von opti­mier­ten“ Bil­dern, und so ist es kein Wunder, dass wir uns nach diesen Ver­glei­chen häufig nicht beson­ders wohl in unse­rer eige­nen Haut fühlen.

Acht­sam­keits­im­puls: Sich bei diesen Gedan­ken zu ertap­pen, ist schon ein wun­der­ba­rer und acht­sa­mer Schritt in die rich­tige Rich­tung. Wenn du dich bei einem sol­chen Ver­gleich ertappst, rufe dir immer wieder ins Gedächt­nis, was du hier mit­ein­an­der ver­gleichst: du ver­gleichst hier dich selbst im hier und jetzt, deine Haut und deinen Körper mit bear­bei­te­ten und gestell­ten Bil­dern ande­rer. Es ist ein Ver­gleich zwi­schen Rea­li­tät und Fik­tion. Rufe dir also ins Gedächt­nis: du bist echt und wun­der­bar wie du bist. 

Fotos und Videos sind nicht die Rea­li­tät

Kannst du das Bild wieder löschen?“ — gerade Momente, in denen wir uns auf Fotos oder Videos sehen, sorgen bei vielen von uns dafür, dass die nega­ti­ven Kom­men­tare im eige­nen Kopf ins Rollen kommen. Dabei können wir uns immer wieder ins Gedächt­nis rufen: Wir Men­schen sind Wesen, die in ihrer Umwelt exis­tie­ren, drei­di­men­sio­nal und stän­dig in Bewe­gung. Weder ein Foto noch ein Video können die ganze Rea­li­tät deines Seins abde­cken. So ist es kein Wunder, dass wir uns alle hin und wieder auf einem Foto etwas ungüns­tig getrof­fen fühlen — zeigt es doch nur eine Moment­auf­nahme und damit einen klei­nen Teil von dem, wer du wirk­lich bist.

Acht­sam­keits­im­puls: Wenn du mal wieder das Gefühl hast, jemand hätte ein schlech­tes Foto von dir gemacht: denke dran: Weder Foto- noch Video­auf­nah­men können die Rea­li­tät deiner Person abde­cken — du bist so viel mehr!

Ver­ant­wor­tung über­neh­men

So wich­tig es auch ist, sich selbst besser kennen zu lernen und mit sich acht­sa­mer umzu­ge­hen: manch­mal sorgt die Dyna­mik einer Gruppe dafür, dass es zu Body­sha­ming kommt. Wird in deinem Freun­des­kreis über das Aus­se­hen ande­rer geläs­tert? Werden ein­an­der Kom­pli­mente gemacht oder gibt es hier Per­so­nen, von denen du häufig unschöne Kom­men­tare über deinen Körper oder deine Haut erhältst? Wenn du nicht gleich die Freund­schaft kün­di­gen möch­test, dann ver­su­che dich gerne an fol­gen­dem Acht­sam­keits­im­puls:

Acht­sam­keits­im­puls: Übe dich darin, mit gutem Bei­spiel voran zu gehen. Das kann einer­seits bedeu­ten, nicht in die Läs­ter­runde“ ein­zu­stei­gen, aber auch: sei die Person, die den Stein der Ver­än­de­rung ins Rollen bringt! Fange an, Kom­pli­mente statt nega­tive Kom­men­tare zu ver­tei­len — und beob­achte, wie die Grup­pen­dy­na­mik sich ver­än­dern kann.

Wahre Schön­heit kommt eben doch von innen

Unser inne­rer Kri­ti­ker ist da — ob wir ihn wollen, oder nicht. Er wird ver­mut­lich auch nie ganz ver­schwin­den, aber wir können ver­su­chen, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Es ist keine kleine Auf­gabe, aber mit genü­gend Übung und Geduld können wir einen Weg finden, uns mit ihm zu arran­gie­ren.

Hast du dich bei dem ein oder ande­ren Sze­na­rio selbst erkannt? Viel­leicht möch­test du dich, wenn du beim nächs­ten mal in dieser Situa­tion bist, einmal an einem der Acht­sam­keits­im­pulse ver­su­chen. Eine eigene Acht­sam­keits­pra­xis ist kein Quick Fix”, der sofort alles besser macht. Aber im Laufe der Zeit kannst du viel­leicht fest­stel­len, wie sich nach und nach dein Blick­win­kel auf viele Dinge ändert. Gehen wir mit uns acht­sa­mer um, haben wir auch die Mög­lich­keit, auch uns selbst mit neuen Augen zu betrach­ten. Und wäh­rend sich dabei an deinem Körper nicht unbe­dingt etwas ver­än­dert und von außen” kein Unter­schied zu erken­nen ist, sieht es in unse­rem Inne­ren ganz anders aus. Und so kann uns Acht­sam­keit kann uns dabei helfen, mehr anzu­kom­men und zu erken­nen: wahre Schön­heit kommt eben doch von Innen.

In diesem Bei­trag werden behan­deln wir einige Themen, die viel­leicht beun­ru­hi­gen oder nega­tive Gedan­ken bei dir wecken.

Wenn du das Gefühl hast, mit jeman­dem dar­über reden zu wollen oder Hilfe zu benö­ti­gen fin­dest du hier:

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Bild: KoolShoo­ters auf Pexels