von Car­lotta Koroll

Das letzte Kalen­der­blatt wurde umge­blät­tert und wir kramen die Weih­nachts­deko aus den Kisten: Jetzt ist offi­zi­ell Jah­res­ende. Zwi­schen Weih­nachts­fei­ern, Geschenk­be­sor­gun­gen und Plätz­chen backen ist diese Zeit manch­mal ziem­lich stres­sig – den­noch bringt sie eine Atmo­sphäre des Abschlus­ses mit sich. Egal ob dir 2019 wie ein Höhen­flug oder eher wie ein Rode­o­ritt vorkam, es lohnt sich immer, noch einmal zurück­zu­bli­cken. Auf das Ger­lernte und Erlebte, auf schöne Erin­ne­run­gen und viel­leicht auch einige bit­tere Nie­der­la­gen. Bevor wir an Sil­ves­ter wieder begie­rig unsere Neu­jahrs­vor­sätze schmie­den, soll­ten wir uns alle einen Moment zum Durch­at­men und Reflek­tie­ren gönnen.

Dir über deinen per­sön­li­chen Jah­res­ver­lauf noch ein mal klar zu werden, bringt nicht nur Freude, es hilft dir auch beim Run­ter­kom­men vor dem Neu­jahrstru­bel. Und das Jah­res­ende ist schließ­lich zur Besin­nung gedacht, oder? Hier sind unsere fünf Ideen, wie du inne­hal­ten kannst und so viel­leicht noch mal eine Extra­por­tion Dank­bar­keit für das ver­gan­gene Jahr ver­spürst.

Extra: Rituale ande­rer Kul­tu­ren zum Jah­res­ende

Für alle, die das Feu­er­werk, Blei gießen und Raclette Essen satt haben, bege­ben wir uns erst einmal auf eine kleine Reise: Denn was pas­siert eigent­lich zum Jah­res­wech­sel beim Rest der Welt? In Bra­si­lien gilt es als Zei­chen von Rein­heit und Frie­den, am letz­ten Tag des Jahres weiße Klei­dung zu tragen. Es werden rote, gelbe und weiße Kerzen am Strand gezün­det für Glück in der Liebe, Geld­se­gen und Frie­den im kom­men­den Jahr. In China, wo das Jahr erst am ersten Voll­mond nach dem 21. Januar endet, wird eine Stunde vor Mit­ter­nacht jedes Fens­ter des Hauses geöff­net, um Glück herein zu lassen. Und am jüdi­schen Neu­jahrs­fest in Israel wird am Mor­gen­got­tes­dienst das Wid­der­horn gebla­sen, um die Men­schen an ihre mora­li­schen Pflich­ten zu erin­nern und zum Inne­hal­ten auf­zu­ru­fen.

1. Lass deine per­sön­li­chen High­lights Revue pas­sie­ren

Hast du auch das Gefühl, jedes Jahr ver­geht schnel­ler als das vor­he­rige? Oft ist es gar nicht so leicht, sich daran zu erin­nern, was alles in den ver­gan­ge­nen 12 Mona­ten pas­siert ist. Dabei ist es am Ende oft viel mehr, als es im ersten Moment erscheint! Und selbst wenn dir das Jahr zwi­schen­durch wie ein Laby­rinth aus Her­aus­for­de­run­gen und Hin­der­nis­sen vorkam, wird es zwi­schen allem Chaos sicher viele schöne Momente gege­ben haben. 

Jetzt zum Jah­res­ende wird es des­we­gen Zeit, den Kalen­der, die Foto­samm­lung auf dem Handy und das Notiz­buch aus­zu­pa­cken, um ein mal nach­zu­for­schen: Was gab es eigent­lich für schöne Momente? Viel­leicht war es der Kurz­trip ins Umland, die Geburts­tags­feier mit den Freun­den oder das Kon­zert deiner Lieb­lings­band. Diese Mar­me­la­den­glas-Momente sind doch viel zu wert­voll, um dich nicht noch ein paar mal daran zu erin­nern. Also mach es dir mit einem Tee gemüt­lich und beginne deine High­light-Liste oder werde krea­tiv und kleb ein paar Fotos in dein Notiz­buch, damit die Erin­ne­run­gen nicht so schnell ver­blas­sen.

2. Schreibe deinem ver­gan­ge­nen Ich einen Brief

Leben ist das, was pas­siert, wäh­rend du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen“. Viel­leicht geht es dir ja wie John Lennon und das Jahr ist mal wieder kom­plett anders gelau­fen, als du es erwar­tet hast. Oder hast du kommen sehen, was dieses Jahr alles pas­siert ist? Pro­bier doch mal, dich in dein 2018-Ich hin­ein­zu­ver­set­zen: Was wür­dest du dir mit auf den Weg geben?

Diese kleine Übung lässt dich mal aus einer ande­ren Per­spek­tive auf das Jahr bli­cken, in der dir klar wird, was wir über das Jahr hinweg gelernt haben und welche Erleb­nisse uns voran gebracht haben. Aber es ist auch eine klasse Gele­gen­heit, uns selbst gegen­über eine Por­tion Mit­ge­fühl und Ver­ständ­nis zu zeigen. Vor allem, wenn wir mal wieder nicht alle unsere Vor­sätze erfüllt haben, fallen wir schnell in die strenge Kri­ti­ker-Rolle. Pro­biere statt­des­sen, aus der Posi­tion eines guten Freun­des zu schrei­ben.

3. Sage den Men­schen, die dich beglei­tet haben, Danke

Wer hat dich dieses Jahr beglei­tet? Viel­leicht sind neue Men­schen in dein Leben gekom­men, alte Bezie­hun­gen haben sich gefes­tigt oder wurden been­det. In jedem Fall könn­ten wir vieles, was wir tun, nicht schaf­fen, ohne die Men­schen an unse­rer Seite. Ob dich jemand wäh­rend einer schwie­ri­gen Zeit unter­stützt hat, Teil von einer beson­de­ren Erin­ne­rung war oder dir etwas über dich selbst bei­ge­bracht hat – wir wären nicht hier ohne diese Men­schen, so kit­schig es auch klin­gen mag.

Das macht das Jah­res­ende und die Weih­nachts­zeit zu einem per­fek­ten Zeit­punkt, um diese Men­schen genau das wissen zu lassen. Wenn es dir nicht leicht fällt, deine Dank­bar­keit laut aus­zu­spre­chen, kannst du auch einen Brief schrei­ben oder dich durch eine beson­dere Geste aus­drü­cken.

Dank­bar­keit ist übri­gens auch tief in ande­ren Kul­tu­ren ver­an­kert. Bei einem bali­ne­si­chen Ritual sprichst du alles aus, wofür du im Leben dank­bar bist, wäh­rend du den Göt­tern Blumen und Räu­cher­werk als Opfer­gabe in den Tempel bringst. Um das Ritual auch im ganzen Körper zu fes­ti­gen geht es danach unter den eis­kal­ten Was­ser­fall. Auch schön ist das mexi­ka­ni­sche Ritual Temaz­cal“: Gemein­sam mit ande­ren Men­schen sitzt man in einer dunk­len Schwitz­hütte, wo einer nach dem ande­ren erzählt, wofür er dank­bar ist. Solche gemei­samen Rituale geben Dank­bar­keit noch mal eine ganz neue Dimen­sion.

4. Finde heraus, was du los­las­sen möch­test

Jedes Jahr bringt seine eige­nen Her­aus­for­de­run­gen und neuen Erfah­run­gen mit sich. Und dabei sind auch immer ein paar Schwie­rig­kei­ten zu über­win­den. Die nega­ti­ven Gefühle, die dabei ent­ste­hen, können uns auch noch Monate oder sogar Jahre später ver­fol­gen. Dabei tragen wir oft Balast mit uns herum, für den es längst Zeit ist, los­ge­las­sen zu werden.

Hier geht es nicht darum, nega­tive Emo­tio­nen zu ver­drän­gen, son­dern dir dar­über bewusst zu werden, welche Erleb­nisse dich belas­tet haben. Durch das Zurück­rei­sen in die ein oder andere unge­müt­li­che Situa­tion, bekommst du ein Gefühl dafür, wel­chen Ärger oder Frust du bereit bist, gehen zu lassen. Dabei ist Los­las­sen in den aller­meis­ten Fällen nichts zum ein­ma­li­gen Abha­ken, son­dern viel mehr ein Pro­zess. Das Jah­res­ende ist eine gute Zeit, um diesen Pro­zess zu star­ten – ob mit einem per­sön­li­chen Los­lass-Ritual, einem klä­ren­den Gespräch oder auch einer Medi­ta­tion, kannst du indi­vi­du­ell ent­schei­den.

5. Teile deine per­sön­li­chen Erfolge

Die Erfolge ande­rer Per­so­nen zu sehen fällt uns oft viel leich­ter, als uns selbst auf die Schul­ter zu klop­fen. Des­we­gen tun es die meis­ten Men­schen auch zu selten. Hier ist also deine per­sön­li­che Erin­ne­rung: Was hast du dieses Jahr erreicht? Dazu zählen natür­lich zum Einen Ziele, die du dir gesteckt hast und errei­chen konn­test. Aber oft erken­nen wir auch an unse­rem Umgang mit uner­war­te­ten Situa­tio­nen und Her­aus­for­de­run­gen, wie wir uns wei­ter­ent­wi­ckelt haben. Setze hier also nicht nur den Mara­thon, den du gelau­fen bist, son­dern zum Bei­spiel auch das Mit­ge­fühl und die Zeit, die du einem Freund wäh­rend einer schwie­ri­gen Phase geschenkt hast auf die Liste.

Schön ist es, daraus einen gemüt­li­chen Abend mit Freun­den oder Fami­lie zu machen. Das bringt nicht nur Freude, son­dern deckt bestimmt auch noch den ein oder ande­ren nicht ganz so offen­sicht­li­chen Mei­len­stein auf.

Egal, mit wel­chem Ritual du das Jah­res­ende beschließt, wir hoffen, du gönnst dir das Inne­hal­ten im hek­ti­schen Alltag und kommst damit zur Ruhe.

Die Pod­cast­folge zum Impuls der Woche:


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