Was ziehe ich heute Abend an? Wo gehe ich heute Abend essen? Was soll ich am Wochen­ende unter­neh­men? Wel­ches Stu­dium passt zu mir? Sollte ich mich von meinem Part­ner tren­nen? Ist es rich­tig, dass ich meinen Job gekün­digt habe?

Im Grunde besteht unser gesam­tes Leben aus klei­nen Ent­schei­dun­gen. Manche davon können den gesam­ten Lebens­lauf beein­flus­sen, andere ent­schei­den nur über eine kurze Erfah­rung.

Das Gefühl, die Wahl zu haben, schenkt uns Frei­raum und Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten. Sich zwi­schen meh­re­ren Optio­nen ent­schei­den zu können — oder manch­mal auch zu müssen — ist für viele Men­schen aller­dings ein schwe­res Unter­fan­gen. Bes­ten­falls wägt man sorg­fäl­tig ab und kommt inner­halb kür­zes­ter Zeit zu einem Ergeb­nis. Es kann aber auch pas­sie­ren, dass man sich stun­den- oder sogar tage­lang im Kreis dreht, alle Sze­na­rien durch­spielt und mit keiner Lösung so rich­tig zufrie­den ist. Das Dilemma: Wenn wir in unse­ren Gedan­ken hängen blei­ben, erstar­ren wir inner­lich und werden unfä­hig, uns auf irgend­et­was fest­zu­le­gen.

Die Qual der Wahl

Natür­lich gibt es ver­schie­dene Arten der Ent­schei­dun­gen. Ein gutes Outfit aus­zu­wäh­len kann nervig sein, beschäf­tigt uns aber höchs­tens für die Dauer des Anlas­ses. Eine Urlaubs­de­s­ti­na­tion oder Restau­rant aus­zu­su­chen endet in einer Ent­schei­dung, ist aber eine ange­nehme Beschäf­ti­gung. Schwe­rer wird es, wenn wir Ent­schei­dun­gen tref­fen müssen, die eine Aus­wir­kung auf unser gesam­tes Leben haben können. Oft schal­ten sich wie auto­ma­tisch Zukunfts- oder Ver­sa­gens­ängste ein. Das führt dazu, dass wir uns selbst ver­un­si­chern und schließ­lich so sehr lähmen, dass wir die Ent­schei­dung immer weiter hin­aus­zö­gern. Der Pro­zess einer Ent­schei­dungs­fin­dung quält uns dann mehr, als die Ent­schei­dung selbst. Sicher­lich kennst du das befrei­ende Gefühl, wenn eine Ent­schei­dung end­lich getrof­fen ist — auch wenn sie Kon­se­quen­zen hat, die unan­ge­nehm sind. Was geschieht eigent­lich in unse­rem Gehirn, wenn wir vor einer Ent­schei­dung stehen?

Das Gehirn redet mit

Aus bio­lo­gi­scher Sicht ist es ver­ständ­lich, dass wir Schwie­rig­kei­ten mit Ent­schei­dun­gen haben. Unser Gehirn besteht schließ­lich aus zwei Hälf­ten, die mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren müssen. Ray Dolan und seine Kol­le­gen vom Uni­ver­sity Col­lege London haben unter­sucht, welche Hirn­re­gio­nen betei­ligt sind, wenn wir den Wert ein­zel­ner Optio­nen fest­le­gen. Die For­scher kamen zu einem inter­es­san­ten Ergeb­nis: Welche Ent­schei­dung wir tref­fen, hängt auch davon ab, wie sicher wir uns mit der Bewer­tung einer Option fühlen. Wäh­rend wir schon wuss­ten, welche Hirn­re­gion den emp­fun­den Wert einer Aus­wahl­mög­lich­keit steu­ert, konn­ten wir nun im glei­chen Hirn­areal die neu­ro­na­len Signale bei selbst­be­wuss­ten und weni­ger selbst­be­wuss­ten Ent­schei­dun­gen unter­su­chen“ so Dolan. Unser Selbst­be­wusst­sein, in Bezug auf die Situa­tion, in der wir uns ent­schei­den sollen, spielt also eben­falls eine Rolle. 

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Selbst­be­wusst­sein sam­meln wir vor allem dadurch, dass wir uns auf vor­he­rige Erfah­run­gen bezie­hen. Viel­leicht hast du bereits die Erfah­rung gemacht, dass dir dein Bauch­ge­fühl den rich­ti­gen Weg weist und kannst dich leich­ter auf dein Gefühl ver­las­sen. Viel­leicht bereust du aber auch eine ver­gan­gene Ent­schei­dung und hast Angst davor, wieder den glei­chen Fehler zu bege­hen, fühlst dich ver­un­si­chert und weni­ger selbst­be­wusst”, über­haupt wieder Ver­ant­wor­tung für eine Ent­schei­dung zu über­neh­men.

Wir haben fünf prak­ti­sche Tipps, die dir bei deiner nächs­ten Ent­schei­dung helfen können. 

1. Erstelle eine Pro-Contra-Liste

Lang­wei­lig” wirst du jetzt viel­leicht denken. Ja, die Pro-Contra-Liste ist ein echter Klas­si­ker in Sachen Ent­schei­dungs­fin­dung. Trotz­dem kann sie dir viel über deine Werte ver­ra­ten. Es kann durch­aus sein, dass du unter Contra” sehr viel mehr Punkte auf­ge­lis­tet hast, dich aber trotz­dem für etwas ent­schei­dest. Die Argu­mente auf der Pro” Seite schei­nen also schwe­rer zu wiegen. Es reicht also nicht, bloß die Lis­ten­punkte zu zählen. 

Wenn beide Seiten gleich viele Argu­mente haben, kannst du die ein­zel­nen Punkte mit Zahlen von Eins bis Drei ver­se­hen. Eins steht für weni­ger wich­tig, Drei für sehr wich­tig. Zähle am Ende die Punkte zusam­men und finde so heraus, welche Gründe wirk­lich aus­schlag­ge­bend für deine Ent­schei­dung sind. 

2. Stell dir vor, du erzählst 100 Leuten davon

Stell dir vor, du erzählst 100 Leuten von deinem Vor­ha­ben. Es geht nicht darum, dass dir jede Person ver­traut ist. Es können auch fremde Men­schen sein. Was würden dir diese Leute raten? Wie würden sie deine Ent­schei­dung ein­schät­zen? Natür­lich brauchst du nicht wirk­lich 100 Leute befra­gen. Dieses kleine Gedan­ken­ex­pe­ri­ment kann dabei helfen, deine Situa­tion zu ent­schär­fen. Manche Leute würden deine Ent­schei­dung sicher­lich ein­fach finden und gar nicht nach­voll­zie­hen können, warum du dir so einen Kopf machst. 

Das Drama ent­steht in der Gedan­ken­spi­rale. Teilen wir unsere Gedan­ken mit ande­ren, wirken sie plötz­lich weni­ger bedroh­lich. Also stell dir vor, was dir die meis­ten deiner 100 klei­nen Bera­ter sagen würden. Viel­leicht kannst du ja schon eine erste Ten­denz erken­nen.

3. Ver­ab­schiede dich von Schwarz-Weiß-Denken

A oder B, links oder rechts, ja oder nein — Häufig sehen wir nur zwei Mög­lich­kei­ten. Was uns davon abhält, eine Wahl zu tref­fen, ist die Angst, etwas falsch zu machen. Wir denken über mög­li­che Kon­se­quen­zen nach, dar­über, was die Ent­schei­dung für unsere Zukunft bedeu­tet. Wer sich zwi­schen Äpfeln und Birnen ent­schei­den muss, hat keinen großen Nach­teil, wenn er oder sie am nächs­ten Tag zum Früh­stück lieber das andere Obst geges­sen hätte. Wenn es darum geht, eine große Inves­ti­tion zu täti­gen, die Schule für das eigene Kind aus­zu­wäh­len oder den Job zu kün­di­gen, sieht das schon anders aus.

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Ver­su­che, dich nicht nur zwi­schen rich­tig” oder falsch”, bzw. was dann/​was wäre, wenn” zu bewe­gen. Statt an zwei Mög­lich­kei­ten hängen zu blei­ben, frage dich: Wo ist die Mitte? Gibt es eine Grau­zone, die mich zufrie­den stel­len könnte? GIbt es eine Kom­bi­na­tion aus beiden Mög­lich­kei­ten? Gibt es einen Plan C oder andere Optio­nen, die ich noch gar nicht bedacht habe? 

Werde dir bewusst, dass es die per­fekte Ent­schei­dung nicht geben wird. Ent­scheide vor allem aus dem Hier und Jetzt heraus, ohne den Teufel an die Wand zu malen oder Kata­stro­phen­sze­na­rien in deinem Kopf zu kre­ieren. Die Welt hat mehr Farben als nur Schwarz und Weiß. Nutze sie!

4. Frage dich, worum es eigent­lich geht

Du stehst vor der Aus­lage beim Bäcker oder vor der Eis­diele. Scho­ko­lade oder Vanille? Crois­sant oder Franz­bröt­chen? Du über­legst hin und her. Du hast so rich­tig Lust, dir etwas zu gönnen aber was, wenn du jetzt das Fal­sche aus­wählst? Was, wenn eins viel besser schmeckt als das andere? 

Viel­leicht kennst du Situa­tio­nen, in denen kleine Ent­schei­dun­gen zu einem inne­ren Kampf werden. Frage dich, worum es wirk­lich geht. Wahr­schein­lich wirst du festel­len, dass deine Gefühls­lage gar nicht so viel mit dem Eis zu tun hat. Eigent­lich möch­test du dir etwas Gutes tun — egal, ob Scho­ko­lade oder Vanille. Es könnte sogar sein, dass du plötz­lich gar kein Eis mehr brauchst, son­dern lieber auf schnells­tem Weg nach Hause und in dein Bett fährst. Eine andere Mög­lich­keit wäre, dich zu fragen, was du dir von einer Ent­schei­dung erhoffst. Was soll die Ent­schei­dung für dich lösen? Wenn du deinen Fokus darauf aus­rich­test, was dir wirk­lich wich­tig ist, wirst du die rich­tige Ent­schei­dung tref­fen. Und die hat unter Umstän­den gar nichts mit den Optio­nen vor deiner Nase zu tun. 

5. Ver­traue dir selbst

Eine Sache vorweg: Stress ist kon­tra­pro­duk­tiv, wenn es darum geht, Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Dein Gehirn befin­det sich dann näm­lich im Alarm­zu­stand — kein guter Zeit­punkt, um wich­tige Dinge ange­mes­sen zu bewer­ten. Schau also, dass du dir Ruhe und Zeit für deine Ent­schei­dung ein­räumst. Du kannst auch über eine bestimmte Ent­schei­dung medi­tie­ren. Damit meinen wir nicht, dass du still sitzt und in Gedan­ken alle Mög­lich­kei­ten durch­kaust. Stell dir vor der Medi­ta­tion eine Frage und ver­su­che, deine Gefühle und Gedan­ken wäh­rend der Medi­ta­tion zu beob­ach­ten. Lass sie vor­bei­zie­hen und ver­binde dich mit der Stille in dir. 

Oft hilft es auch, ein­fach eine Nacht dar­über zu schla­fen. Beson­ders bei großen Ent­schei­dun­gen. Schau, wie es dir am nächs­ten Tag oder nach der Medi­ta­tion geht. Ver­traue vor allem deinem inne­ren Lehrer. Egal, ob das für dich das Bauch­ge­fühl ist oder dein Gehirn, das ratio­nal alles abwägt. 

Ist die Ent­schei­dung einmal getrof­fen, dann bleibe stand­haft. Steh zu deiner Ent­schei­dung und kom­mu­ni­ziere sie wenn mög­lich ohne Zwei­fel. Bleib dabei, wofür du dich ent­schie­den hast, auch wenn es im Außen Wider­stände gibt. Nur du weißt, was für dich wich­tig ist, was du gerade brauchst. Wenn sich die Situa­tion nach deiner Ent­schei­dung anders dar­stellt als erhofft, dann blicke nicht mit Reue das, was du getan hast. Mit Reue machst du das falsch, was dir in einem ande­ren Moment rich­tig vorkam. Bleib im Hier und Jetzt. Wenige Dinge sind wirk­lich in Stein gemei­ßelt.

Wenn du unglück­lich über deine Ent­schei­dung bist, dann schau, was du daraus lernen kannst und ob es Mög­lich­kei­ten der Ver­än­de­rung gibt. Ent­schei­dun­gen tref­fen wir zwar im Moment, was daraus wird ist aber ein leben­di­ger Pro­zess, der sich ent­wi­ckelt und stetig ver­än­dert.

Viel­leicht stehst du gerade vor einer schwie­ri­gen Ent­schei­dung. Mach dich für einen Moment frei von allen Rat­schlä­gen und Weg­wei­sern im Außen. Richte deine volle Auf­merk­sam­keit auf das Gefühl, was jetzt in diesem Moment in dir steckt. Höre zu. Die Ant­wort schwingt bereits mit.

Die Pod­cast­folge zum Impuls der Woche:


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